Sie sind jetzt immer müde? Gut so!

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Herbstmüdigkeit

Was tun, wenn die Sonne schon früh am Horizont verschwindet, sich nachmittags das Gähnen kaum unterdrücken lässt, Sie immer müde sind? Ab ins Bett und Augen zu! Denn wer glaubt, im Schlaf Zeit zu verschwenden, sollte umdenken – wie aktuelle Forschungen beweisen.

Es ist wieder so weit: Die Tage werden kürzer, der Herbstwind bläst uns tüchtig ins Gesicht – und schon am frühen Nachmittag schallt von irgendwoher der Satz, den alle denken: "Ich will ins Bett , einfach nur schlafen." Ist nachvollziehbar, klingt aber undynamisch. Meist zieht der immer müde Mensch deshalb auch gleich ein schuldbewusstes Gesicht.

"Völlig zu Unrecht", sagt die Therapeutin Annette Charpentier. "Müdigkeit ist kein Zustand, den es zu vermeiden gilt, sie ist nicht lästig und überflüssig, sondern ein überaus wichtiges Zeichen." Dafür, dass Körper und Geist Ruhe finden wollen.

Allan Rechtschaffen, einer der Pioniere der Schlafforschung, stellte schon vor über 30 Jahren fest: "Wenn der Schlaf nicht eine absolut lebenswichtige Funktion hat, dann ist er der größte Fehler, der dem Evolutionsprozess je unterlaufen ist." Damals war noch nicht so recht klar, was der tagtägliche Schlummer wirklich mit uns macht. Doch spätestens seit die Schlafforschung den Kinderschuhen entwachsen ist, wissen wir: Wer immer müde ist und seiner Müdigkeit nachgibt, sinkt keineswegs in eine passive Bewusstlosigkeit. Im Gegenteil! Unser Gehirn leistet im Schlaf sogar Schwerstarbeit, indem es das tagsüber Erlebte verarbeitet.

Forscher konnten in Tests belegen, dass, wenn wir im Traumland schweben, wichtige Ereignisse im Langzeitgedächtnis gespeichert werden und Unwichtiges aus dem Kurzzeitgedächtnis gelöscht wird. Sogar Bewegungsabläufe, die wir – etwa beim Sport – eingeübt haben, werden über Nacht präziser. Ganz so, als hätten wir in diesen Stunden noch heimlich weitertrainiert. Nebenbei bemerkt: Wer immer müde ist und viel schläft, bekommt auch weniger Falten – und lebt länger, wie eine amerikanische Langzeitstudie beweist.

Wenn das keine Gründe sind, dem oft so geschmähten, gesteigerten Schlafbedürfnis im Herbst und Winter einfach nachzugeben! Da in diesen Monaten das Tageslicht nur wenige Stunden vorhält, bleibt die Konzentration des Schlafhormons Melatonin im Blut auch tagsüber erhöht. Wir sind immer müde – eine wunderbare Gelegenheit, Geist und Körper zu Höchstleistungen anzuspornen, indem wir uns ganz entspannt in die Kissen kuscheln.

Buchtipp

Interessante Fakten und Anleitungen präsentiert Annette Charpentier in ihrem Buch "Total müde - Ausgeschlafene Tipps für Dauergähner" (Lübbe, 14,99 Euro).

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