Sie will keinen Sex mehr - darf er fremdgehen?

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Sie findet sich nicht mehr attraktiv und will keinen Sex mehr - muss sie ihrem Mann erlauben fremdzugehen?
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Inhalt
  1. Sie will keinen Sex mehr - was kann der Mann dann tun?
  2. Sollte der Mann in dieser Situaton fremdgehen?
  3. Sollte die Frau ihm einen Freifahrtschein fürs Fremdgehen ausstellen?
  4. Wie lange muss der Mann diese „sexlose“ Situation ertragen?
  5. Darf die Frau von ihrem Mann ein sexloses Leben erwarten?
  6. Ist die Frau dem Mann schuldig, an sich zu arbeiten, damit sie sich wieder attraktiv findet?
  7. Warum glauben so viele Frauen Ü40, dass sie nicht mehr attraktiv genug sind, um von ihrem Mann geliebt zu werden?
  8. Unser Experte

Sie will keinen Sex mehr - was kann der Mann dann tun?

Wenn die Frau sich nicht mehr attraktiv findet und ihrem Mann den Sex verweigert, steckt er in der Klemme. Fremdgehen - ja oder nein? Unser Experte findet: Diskrete Seitensprünge können eine gute Lösung sein.

Wenn eine Frau sich selbst nicht mehr liebenswert findet, kann das schwere Auswirkungen auf die Beziehung haben. Das Sexleben stirbt, der Mann bleibt mit unerfüllten Sehnsuchten allein.

Ein Leser von Wunderweib schrieb uns dazu kürzlich diese Nachricht:

"Ich bin männlich, 40 Jahre alt, habe eine hübsche Frau zu Hause (trotz 3 Kinder)! Leider findet sie sich selbst nicht mehr attraktiv und deswegen werde ich kaltgestellt. Sie will keinen Sex mehr. Wie soll sich der männliche Part da verhalten? Ehe, Kinder = Familie, aber weil sie unzufrieden ist, muss er leiden? Körperlich geht nichts mehr. Soll ich fremdgehen?"

Was kann in einer derart verfahrenen Situation noch helfen?

Wir haben den Hamburger Psychologen Harry Eggensperger um Rat gebeten.

Sollte der Mann in dieser Situaton fremdgehen?

Eggensperger: Der Mann befindet sich hier im klassischen Rollenmodell: Frau geheiratet, Kinder bekommen , Verantwortung für eine Familie übernommen – und nun glaubt er, damit verfügbaren Sex einfordern zu dürfen. Das kann und darf heutzutage nicht mehr funktionieren. Er sollte zunächst einmal überprüfen, ob er sich nicht ein wenig aus seiner konkreten Fokussierung auf Sex befreien kann. Zusätzlich sollte er hinterfragen, wie es ihm gelingen kann, seine Energie auf andere, mindestens ebenso erfüllende Tätigkeiten zu richten. Reicht ihm dies jedoch nicht, wird er nicht umhin kommen, seine sexuellen Bedürfnisse jenseits seiner Ehe zu erfüllen oder die Partnerschaft zu verlassen. Er darf beides, auch wenn es anderen wehtut.

Sollte die Frau ihm einen Freifahrtschein fürs Fremdgehen ausstellen?

Eggensperger: Jeder emanzipierte Mann hat das Recht, sich aus der Rolle des treuen Ehemannes zu lösen – jedoch mit Verantwortung. Anstatt über „Freifahrtscheine“ zu streiten, sollten sowohl der Mann als auch die Frau der Tatsache ins Auge blicken, dass sexuelle Leidenschaft nur selten automatisch mit einer langjährigen Ehe in Harmonie zu bringen ist. Eine kluge Vereinbarung wäre die stillschweigende Übereinkunft, manche Bedürfnisse eben jenseits der Ehe auszuleben. Dazu gehört auch, dass dies diskret und sensibel abläuft und den Anderen nicht demütigt. Also: Still und sauber fremdgehen auf der einen Seite, nicht nachfragen und schweigen auf der anderen.

Wie lange muss der Mann diese „sexlose“ Situation ertragen?

Eggensperger: Männer, die nicht in der Lage sind, jenseits von Sex Erfüllung zu finden, müssen schon ziemlich einfältig sein. Sollte der Mann längere oder anhaltende Phasen ohne Sex nicht kompensieren können, muss er den Mut aufbringen, für Sex außerhalb der Ehe einzustehen oder die Partnerschaft zu verlassen. Auch für den Mann gilt: Freiheit und Verantwortung haben ihren Preis – sie zwingen zu Entscheidungen, die Konsequenzen mit sich bringen. Beispielsweise das Zerbrechen der Ehe oder gar der ganzen Familie. Diesen Preis muss er als erwachsener und emanzipierter Mann bereit sein, zu zahlen – bevor er fremdgeht.

Darf die Frau von ihrem Mann ein sexloses Leben erwarten?

Eggensperger: Eine emanzipierte Frau kann nicht einseitig über die Bedürfnisse eines ebenso emanzipierten Mannes entscheiden wollen. Wenn sie keinen Sex will, dieser für ihn aber unverzichtbar ist, dann müssen beide ihre aktuellen Erwartungen an eine Ehe klären. Die Ehe ist kein romantisches Märchen für Erwachsene, es ist ein Modell zur gemeinsamen Bewältigung des Lebens. Gerade mit Kindern ist die Ehe nicht primär für die allumfassende Wunscherfüllung von zwei autonomen Erwachsenen zuständig, sondern auch für die Versorgung und Erziehung der Kinder. Hier zählen eher pragmatische Lösungen, die beiden gestatten, ihre wirklich wichtigen Bedürfnisse zu befriedigen, ohne das gemeinsame „Team“ zu gefährden.

Ist die Frau dem Mann schuldig, an sich zu arbeiten, damit sie sich wieder attraktiv findet?

Eggensperger: Es ist primär das Problem der Frau, ob sie sich attraktiv findet oder nicht. Damit hat der Mann zunächst nichts zu tun. Frauen sollten aufhören, von Männern laufend Bestätigungen ihrer eigenen Attraktivität einzufordern. Es ist nicht die Aufgabe des Mannes, das „Ego“ einer Frau zu füttern. Eine emanzipierte Frau muss in der Lage sein, sich selbst positiv zu regulieren. Anderenfalls muss sie aktiv etwas für ihr Selbstwertgefühl tun, nicht in zwingender Verbindung mit dem Partner. Nur so kann die unabhängige Selbstbestätigung langfristig erhalten werden.

Warum glauben so viele Frauen Ü40, dass sie nicht mehr attraktiv genug sind, um von ihrem Mann geliebt zu werden?

Eggensperger: Kaum ein Mensch wird mit dem Alter attraktiver, die Anstrengung für einen wohldefinierten Körper wird mit zunehmendem Alter schwerer. Dass Frauen darüber lamentieren, zeigt deutlich, wie sehr sie sich in ihren jüngeren Jahren daran gewöhnt haben, häufig allein oder vermehrt über körperliche Attraktivität die Männer für sich gewinnen zu können. Das entspringt einer überholten Erwartungshaltung. Anstatt sich selbst um das eigene Wohl zu kümmern, sehnen sie sich oftmals immer noch nach dem bestätigenden Blick eines Mannes. Die Ü-40 Frau muss stärken, was auf der Strecke geblieben ist: Das eigene Selbstwertgefühl unabhängig vom männlichen Begehren stärken.

Unser Experte

Der Hamburger Harry Eggensperger ist Psychologe und Autor des Buches "Pimper Wimps": Dieser Roman erzählt die Geschichte von drei Männern, die sich den zuweilen absonderlichen Bedürfnislagen von Frauen entziehen wollen und dazu den symbolisch stärksten Cut machen, zu dem ein Mensch mit Penis fähig ist– ein Leben ohne Sex und Libido. Mehr Infos gibt es hier: www.pimper-wimps.de .

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