Single-Mama: "Die Verantwortung ist riesig, aber wir schaffen das"

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Hier gibt es Hilfe für alleinerziehende Eltern

Nach einer Trennung haben alleinerziehende Mütter und auch Väter oft große Schwierigkeiten, für sich und ihre Kinder zu sorgen. Hier gibt es Hilfe.

Plötzlich ist er weg, manchmal von einem Tag auf den anderen: der Partner und Vater der Kinder. Nach der Trennung stehen die Mütter allein da, plötzlich alleinerziehend: mit der Verantwortung, ohne Beruf, mit Geldsorgen. Single-Mütter haben dauerhaft einen höheren Stresspegel als Manager. Und trotzdem wuppen sie den Alltag. Wie klappt das? Zwar ist derjenige, der die Familie verlässt, laut Gesetz unterhaltspflichtig. Aber das steht nur auf dem Papier.

Die Wirklichkeit sieht häufig anders aus: Viele Unterhaltspflichtige setzen sich ab, melden sich arbeitslos. Nach dem Motto: lieber von Hartz IV leben als zahlen. 2,7 Millionen Alleinerziehende gibt es in Deutschland - Tendenz steigend. Denn inzwischen wird bei uns fast jede zweite Ehe geschieden.

Genau diese Erfahrung hat die 46-jährige Elian Hartsuijker, eine gebürtige Holländerin, gemacht. Elians Mann verließ seine Frau und die gemeinsamen fünf Kinder. Und zahlt bis heute keinen Unterhalt. "Wir haben überhaupt keinen Kontakt mehr zu ihm."

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Die Folgen für die Zurückgebliebenen sind oft fatal: Mütter oder Väter leben nach der Trennung unterhalb der Armutsgrenze - auch wenn der Staat mit Unterhaltsvorschuss einspringt. Das geschieht jedoch nur für Kinder bis zum vollendeten zwölften Lebensjahr und auch nur sechs Jahre lang. Mütter, die sich während einer Beziehung um Haushalt und Kinder gekümmert haben, müssen sich jetzt einen Job suchen, der qualitativ völlig unbefriedigend ist. So kommen zur Belastung der kompletten Verantwortung der Verlust des Selbstwertgefühls und Versagensängste. Der Dauer-Stress verursacht Rücken- und Herz-Kreislauf-Probleme bis hin zum Burn-out.

Helfen könnten eine günstigere Kinderbetreuung, bessere therapeutische Präventivprogramme und die konsequentere Verfolgung von Unterhaltspflichtigen. Der Staat ist gefordert!

Elian bekam Hilfe durch die Krankenkasse, denn nach der Trennung ging es ihr schlecht. Sie bekam für sich und ihre Kinder eine Therapie beim Psychotherapeuten bezahlt. "Wichtig ist, dass wir über alles reden können. Dass ich gelernt habe, meine Gefühle zu zeigen", sagt Elian.

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Heute kann sie nach vorne schauen. "Ich habe so tolle Kinder, die mich in allem unterstützen, im Haushalt helfen, die nicht meckern, weil ich ihnen keine Markenklamotten kaufen kann und wir nicht in Urlaub fahren können. Die Kinder sind mein Motor. Wir halten zusammen, egal, was kommen mag."

Doch Freude und Angst liegen eng beieinander. "Ich trage ganz allein die Verantwortung. Was ist, wenn mir was passiert?" Großes Selbstvertrauen gibt ihr das kleine Unternehmen, das sie leitet. In der Kirschkernkissen-Manufaktur beschäftigt sie sechs Näherinnen. Sie stellen zum Beispiel die süße Spielmaus „Silja“ her.

Hier gibt es Hilfe von einer Expertin

Eine Expertin für das Leben als Alleinerziehende ist die Psychotherapeutin Alexandra Widmer. Sie ist selbst seit 2 ½ Jahren alleinerziehend und weiß gut, wie schnell man in eine körperliche und seelische Erschöpfung geraten kann. Sie berichtet: "Leider gibt es bislang keine präventiven Programme, wo man als Alleinerziehende/r vom ersten Tag an begleitet wird. Wenn der Partner geht, bekommt das Selbstvertrauen einen Knacks. Warum? Ist man die/der Verlassene, kommt unbewusst der Gedanke auf: "Bin ich nicht gut genug?" Schuldgefühle entstehen: "Nimmt mein Kind Schaden?" Wie lernt man neues Vertrauen? Wichtig ist, so liebevoll wie möglich mit sich umzugehen. Jeden Tag einen Satz aufzuschreiben, der dokumentiert, was man Gutes getan hat. Neue Dinge zu lernen, wie zum Beispiel den Sattel am Kinderrad hochzuschrauben."

Mehr Tipps von Alexandra Widmer gibt es auf ihrer Internetseite www.starkundalleinerziehend.de .

Informationen zum Kindesunterhalt gibt es in der Düsseldorfer Tabelle .

Autor: Anke Gappel

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