LiebeskummerSMS für dich: Gibt es für jeden Menschen nur eine große Liebe?

Was passiert mit einem Menschen, wenn er seine große Liebe durch Trennung oder Tod verliert? Um diese Frage geht es in dem romantischen Kino-Film "SMS für dich", in dem die deutsche Schauspielerin Karoline Herfurth die trauernde Clara spielt.

Clara verliert ihre große Liebe Ben durch einen tragischen Autounfall. Noch zwei Jahre später trauert sie um ihn und beginnt vor lauter Sehnsucht SMS für Ben an seine alte Handynummer zu schicken. Doch die Nummer ist inzwischen neu vergeben - und die traurigen SMS erreichen den smarten Journalisten Marc. Der ist eigentlich vergeben, doch die sehnsüchtigen Nachrichten von Clara berühren ihn, so sehr, dass er Clara unbedingt kennenlernen will ...

Kann trotz großer Trauer eine neue Liebe entstehen?
Kann trotz großer Trauer eine neue Liebe entstehen? Diese Frage stellen sich Clara und Ben in dem Kino-Film "SMS für dich".
Foto: Warner Bros. DE

Karoline Herfurth hat aus der Geschichte von Clara und Ben einen sehr romantischen, traurigen und lustigen Liebesfilm gemacht: SMS für dich. Darin spielt sie die Hauptrolle Clara und hat außerdem die Regie geführt. Ein großartiges Regie-Debüt - und ein guter Anlass, Karoline Herfurth zur Liebe zu befragen!

Interview mit Karoline Herfurth zu „SMS für dich“

Eine Frau, die ihre große Liebe durch den Tod verliert und nicht von der Trauer loskommt – das ist ein wirklich schwieriges Thema - warum haben Sie diese Geschichte für Ihr Regiedebüt gewählt?

Karoline Herfurth: Für mich hat die Geschichte von „SMS für dich“, dieser Roman von Sofie Cramer, alles, was ich mir selber von einem Film wünsche. Ich liebe das Genre der komödiantischen Liebesfilme sehr. Ich glaube allerdings, dass diese Filme nur einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen, wenn sie ein Thema behandeln, das alle irgendwie umtreibt oder das eine universelle Frage beinhaltet. Und dieses Thema, dass man jemanden verliert und damit umgehen und weiterleben muss, oder ob man weiterleben darf oder nochmal lieben darf, das finde ich ein sehr großes und urmenschliches Thema. Ich glaube, dass wir alle irgendwann einmal in unserem Leben an diesen Punkt kommen, einen Verlust verschmerzen zu müssen und ein Davor und ein Danach zu erleben. Mir war es wichtig, dass dieser Film so einen emotionalen, starken Boden hat, eine ernsthafte Anbindung, und davon mit einer Leichtigkeit und einer Hoffnung zu erzählen. Ich wollte zeigen, dass es wichtig ist, sich dann auch wieder zu erlauben, mal romantisch oder lustig zu sein. All das steckt für mich in dieser Geschichte.

Clara überwindet ihre Trauer in „SMS für dich“ durch eine neue Liebe. Glauben Sie, dass eine neue Liebe der einzige Weg ist, um einen verlorenen geliebten Menschen loslassen zu können?

Karoline Herfurth: Nein, das finde ich gar nicht, ehrlich gesagt. Ich finde nicht, dass es darum geht, sich durch eine neue Liebe zu verabschieden. Clara will ja zurück ins Leben, möchte das Leben wieder spüren und wieder kreativ sein können, um wieder arbeiten zu können und eben nicht mehr im Exil sein und sich ihrer Trauer hingeben, sondern einfach leben. Und bis zur Mitte des Films ist sie damit beschäftigt und versucht das, diese Rückkehr ins Leben. Erst dann kommt sie durch Marc zu dieser Frage, ob sie auch wieder lieben darf. Ich finde nicht, dass sie durch diese neue Liebe die alte überwinden kann, sondern dass sie auf dem Weg zurück ins Leben durch das, was das Leben ihr da bringt und entgegen stellt, lernt, mit dem Verlust umzugehen und wieder zu lieben.

Zurück zum Glück: In "SMS für dich" verliebt sich Clara lange nach dem Verlust ihres Verlobten in den charmanten Journalisten Marc.
Zurück zum Glück: In "SMS für dich" verliebt sich Clara lange nach dem Verlust ihres Verlobten in den charmanten Journalisten Marc.
Foto: Warner Bros. DE

Glauben Sie, dass es für jeden Menschen nur eine große Liebe im Leben geben kann – und dass alle folgenden ein bisschen weniger bedeutend sind?

Karoline Herfurth: Nein, das glaube ich nicht. Ich glaube, dass ein Mensch zu viel Liebe fähig ist und auch viele verschiedene Menschen auf verschiedenste Weisen lieben kann. Ich glaube, dass man sich entwickelt und dass man selbst anders wird, dass man erwachsener wird, oder nicht mehr so ist, wie vielleicht in seiner Sturm-und-Drang-Phase, oder dass man sich selber besser kennt oder bestimmte Konflikte schon mal erlebt hat. Dann fühlt es sich vielleicht mehr ganz so intensiv an. Aber ich glaube nicht, dass die Liebe kleiner wird oder nicht mehr so stark ist, das kommt immer auf diejenigen, die wir lieben, an. Ich glaube, dass man auch nach vielen Lieben, die man schon hatte, oder einer großen Liebe, die man hatte, noch eine andere Liebe erfahren kann, die ganz anders ist. Es sind ja immer andere Menschen daran beteiligt und man selbst ist ja auch immer anders mit jemand anderem. Ich glaube schon, dass man viele verschiedene Menschen treffen kann, die richtig und großartig für einen sind. 

Wie Clara in „SMS für dich“ kämpfen viele trauernde Menschen mit schlimmen Schuldgefühlen, wenn sie sich eines Tages neu verlieben – wie kann ich diese Schuldgefühle überwinden?

Karoline Herfurth: Ich muss gestehen, dass ich einen derartigen Verlust noch nicht erlebt habe und ich glaube wirklich, dass das ein sehr, sehr individueller Prozess ist und auch eine sehr individuelle Frage. Wie man mit dieser Frage umgehen kann, dafür gibt es, glaube ich, kein allgemeines Rezept und ich möchte mir nicht anmaßen, jemandem, der das erlebt hat, zu sagen, wie er damit umgehen kann. In dem Film „SMS für dich“ finde ich es ein sehr schönes Motiv, dass es darum geht, einen Ort für den Toten zu finden. Diese Nachrichten, die Clara an ihren verstorbenen Verlobten schickt, sind der einzige Ort, wo sie eine Art Zugriff auf ihn hat, als würde sie ein Gespräch mit ihm führen, er begleitet sie sozusagen – und dadurch, dass er diesen Ort hat, werden andere Orte wieder frei. Dadurch hat sie ihn bei sich und kann ihn in ihr Leben danach integrieren, ist aber nicht weiter lebensunfähig. Ob es jetzt SMS sind, oder Briefe oder vielleicht ein Stein, den man immer um den Hals trägt, der einen an den Menschen erinnert, so einen Ort zu finden, wo einen jemand, den man verloren hat, immer begleiten kann, das, glaube ich, ist ein sehr schönes Motiv.

Ab wann darf ich nach einem Verlust wieder lieben? Geht das überhaupt? Um diesen Fragen geht es in dem Film "SMS für dich".
Ab wann darf ich nach einem Verlust wieder lieben? Geht das überhaupt? Diese Fragen stellt sich Karoline Herfurth als "Clara" in dem Kino-Film "SMS für dich".
Foto: Warner Bros. DE

Glauben Sie, dass man länger braucht, den Liebeskummer zu verarbeiten, wenn der Partner gestorben ist als bei einem der einen verlassen hat?

Karoline Herfurth: Ich glaube ehrlich gesagt schon. Ich glaube, dass das ähnlich ist, denn in einer Trennung steckt ja auch ein Tod, nämlich der Tod einer Liebe, und das kann auch extrem schockierend sein, im Sinne von traumatisch schockierend. Und Liebeskummer ist ja erwiesenermaßen auch aus medizinischer Sicht nicht zu verachten für den Körper und für den Mensch. Also, wenn ich Liebeskummer habe, bin ich extra sehr nett zu mir, dann mach ich einfach alles, was mir gut tut, dann bin ich überhaupt nicht mehr diszipliniert oder was man so ist. Dann schenke ich mir alles, was ich mir gerade so wünsche, dann gönne ich mir Sofa und Serien und Ablenkung und alles, was mir eben gut tut, selbst wenn das heißt, besoffen irgendwo Sprüche auf dem Anrufbeantworter zu hinterlassen. Aber bei dem Verlust eines geliebten Menschen durch den Tod, da steckt etwas so Absolutes drin, das ist etwas ganz anderes ... eine absolute Nicht-Erreichbarkeit, das ist nochmal ganz anders, ja.

Die Liebe tut ganz schön oft furchtbar weh. Im Film ist Marc zunächst mit Fiona zusammen, die ihr Leben sehr rational plant, die ihn jedoch verlässt, als sie merkt, dass er sich emotional von ihr entfernt. Meinen Sie, dass es besser ist, im Leben nicht auf die Liebe zu setzen, sondern sich stattdessen einfach einen Menschen zu suchen, mit dem sich das Leben ganz ok anfühlt und Hausbau und Familiengründung einfach nur sachlich zu planen?

Karoline Herfurth: Ich glaube, diese Frage muss jeder für sich selber beantworten. Es gibt wahrscheinlich viele Menschen, die das eine richtige Lebensweise finden. Ich möchte da nicht beurteilen, was besser oder schlechter ist. Ich finde jedenfalls, dass Fiona eine sehr starke Frauenfigur ist. Ich finde gar nicht, dass sie ihr Herz ganz ausgeschaltet hat, sie will nur ganz klar an ihr Ziel kommen. Sie liebt den Marc, sie hat nur nicht dieses Verständnis von der allumfassenden Romantik und Liebe. Was ich so toll finde an ihr, ist, dass sie in dem Moment, als ihr klar wird, dass Marc nicht mehr ganz bei ihr ist und sie nicht mehr liebt, nicht anfängt an ihm zu ziehen oder um die Liebe zu bitten oder ihm hinterherzulaufen. Ich finde es sehr ehrlich und klug, zu merken, die Liebe ist vorbei oder nicht da, wenn man sie braucht, und dann zu entscheiden: Ok, dann beende ich das jetzt hier und quäle mich nicht weiter. Das finde ich sehr erwachsen. Das kann ich jetzt von mir nicht behaupten, dass ich das so erwachsen hätte händeln können.

„SMS für dich“ ist ein sehr romantischer Film, der offenbart, dass viele Frauen romantische Gesten wie etwa liebevolle SMS in ihrem Liebesleben vermissen – haben Sie ein paar Tipps für die Männer da draußen, wie sie etwas mehr Romantik in ihr Liebesleben bringen könnten?

Karoline Herfurth: Ich hab besonders einen guten Tipp für Frauen! Man muss wirklich sagen, was man will und wer man ist! Ich glaube, das ist ein bisschen typisch Frau heute, darauf zu warten, dass etwas kommt, statt zu sagen „Ich brauche das“ oder „Ich wünsche mir das“. Ich glaube, dass man akzeptieren muss, dass man verschieden ist und dass andere Menschen Liebe und Romantik anders ausdrücken, als man selbst. Das ist mir auch schon aufgefallen, dass ich das Handeln eines anderen über meine Sicht auf die Welt beurteile. Aber um die Gesten eins anderen zu verstehen, muss ich mir klarmachen, dass sie aus seiner Welt und seiner Sicht kommen. Und ich glaube, da ist schon was dran, dass Männer eine andere Sprache haben als Frauen. Ich habe das auch schon öfter so erlebt, dass man gar nicht auf die Geste warten darf, die man selber vielleicht tun würde, sondern manchmal vielleicht auch Gesten verpasst, weil man den anderen aus sich selbst heraus beurteilt. 

Glauben Sie, dass Ihr Film einem Menschen mit Liebeskummer helfen kann, diesen zu verarbeiten?

Karoline Herfurth: Oh, das weiß ich nicht, das ist bestimmt individuell sehr verschieden. Ich hoffe es natürlich. Ich hoffe, dass es 107 Minuten eine schöne Zeit sind, eine emotionale Zeit, wo man berührt wurde, wo man lachen konnte und wo man vielleicht mit etwas Hoffnung rausgeht und etwas Leichtigkeit erlebt hat.

In „SMS für dich“ spielen Dating-Apps auch eine Rolle, Claras beste Freundin versucht über eine solche App einen neuen Mann für Clara zu finden. Geht Verlieben heute noch ohne Apps und Dating-Webseiten?

Karoline Herfurth: Jaaa, klar! Ja, es gibt viele neue Wege und Kommunikationsmöglichkeiten und damit Möglichkeiten sich kennenzulernen, aber die Liebe an sich hat sich, glaube ich, nicht verändert. Die ist ganz unabhängig von der Art und Weise wie man sich kennenlernt. Ob es dann funktioniert oder nicht, ist dann immer eine Frage des persönlichen Alltags. Das kann man gar nicht kontrollieren und auch nicht bestimmen. Es gibt doch diesen Spruch: Die Liebe ist eine Diva – den finde ich super!

Würden Sie noch einmal Regie führen wollen?

Karoline Herfurth: Ja! Das war wirklich eine der schönsten Erfahrungen, die ich gemacht habe, in meinem Leben! Ich habe gemerkt, wie wichtig es für das Regie führen ist, dass man eine Geschichte hat, die einem wirklich im Kopf kreist, dass man die lieben muss, von Anfang bis Ende über eine lange, lange Zeit und sie nicht verlieren darf über alle Produktionsschritte hinweg. Ich muss wirklich einen Narren fressen an einer Geschichte. Also wenn ich wieder so eine Geschichte finde, die mich so packt, das ist ja ein bisschen wie mit der Liebe, und wenn ich dann auch wieder dieses Team haben darf, denn ohne dieses Team hätte ich das nicht gemacht und nicht gekonnt, dann Ja. In der Thematik bin ich da aber ganz frei, ich mag Liebesfilme sehr gerne, ich würde aber auch etwas anderes probieren, bin da ganz offen, es kommt allein auf die Geschichte an, die mich dann packen muss.

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