So erkennen Sie eine Lebensmittellüge!

lebensmittelluege
Es gibt nicht nur eine Lebensmittellüge, mit der wir täglich konfrontiert werden.
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Aufgedeckt!

Eigentlich sind es bekannte Begriffe, bei denen es nichts falsch zu verstehen gibt: "backen", "frisch" oder "Apfelsaft". Wenn die Lebensmittelindustrie sie nicht verfälscht einsetzen würde - sodass Erwartung und tatsächliche Beschaffenheit überhaupt nicht mehr zusammenpassen.

So werden zum Beispiel im Supermarkt Brötchen als "frisch gebacken" verkauft - obwohl es sich eigentlich nur um aus China fertig und tiefgefroren importierte Teiglinge handelt, die hier lediglich im Aufwärmautomaten erhitzt werden.

Genauso kann eine drei Wochen alte Milch vom Hersteller ohne Probleme als "frisch" bezeichnet werden. "Die Sprache, die hier von den Produzenten verwendet wird, täuscht die Verbraucher ganz bewusst", erklärt Silke Schwartau. "Wenn Lebensmittel nicht das enthalten, was sie versprechen, oder nicht wie beschrieben hergestellt werden, dann muss das auf den ersten Blick klar sein."

Damit Sie im Supermarkt nicht auf die Lebensmittellügen hereinfallen, hat unsere Expertin die häufigsten der Branche in einer Tabelle zusammengefasst.

1. Lebensmittellüge

Frische Backwaren

Der Verbraucher denkt: Hier wird wirklich gebacken - das heißt: Teig gerührt, gelockert und mit heißer Luft im Ofen gegart und gebräunt.

Dahinter steckt: Es werden Teiglinge (oft aus China) aufgewärmt und gebräunt, evtl. enthaltene Zusatzstoffe müssen bei losen Brötchen nicht deklariert werden.

Konsequenzen: Die Vielfalt geht verloren, es gibt immer mehr Brötchen mit Einheitsgeschmack. Traditionelle Bäckereien sterben aus.

Die ehrliche Deklaration: Der Wahrheit entsprechen würde: "aufgetaut und erhitzt".

2. Lebensmittellüge

Weidemilch/ Alpenmilch

Der Verbraucher denkt: Die Kühe, von denen die Milch stammt, grasen auf der Weide oder in den Alpen. Sie haben ausreichend Auslauf an frischer Luft.

Dahinter steckt: Die Begriffe sind kaum geschützt. Daher ist nicht festgelegt, wie lange die Tiere draußen weiden. Teilweise werden sie im Stall gehalten.

Konsequenzen: Hier handelt es sich um Etikettenschwindel, die Verbraucher werden über die tatsächliche Herkunft der Milch getäuscht.

Die ehrliche Deklaration: Für eine ehrliche Deklaration müssten die Begriffe ausreichend geschützt sein.

3. Lebensmittellüge

Apfelsaft/ Nektar

Der Verbraucher denkt: Der Apfelsaft ist durch Auspressen von Äpfeln entstanden. Nektar ist ein hochwertiger, etwas dickflüssiger Saft.

Dahinter steckt: Der Apfelsaft wird aus einem sirupartigen Konzentrat hergestellt. Nektar ist ein mit Wasser und Zucker gestreckter Saft aus Konzentrat und Mark.

Konsequenzen: Es besteht Verwechslungsgefahr mit hochwertigeren Direktsäften.

Die ehrliche Deklaration: Nur Direktsaft dürfte Apfelsaft heißen, Verbot des Begriffs Nektar.

4. Lebensmittellüge

Ohne Zuckerzusatz/ Alkoholfrei

Der Verbraucher denkt: Es handelt sich um ein gesundes, kalorienarmes Produkt bzw. um ein Produkt, das gar keinen Alkohol enthält.

Dahinter steckt: Es ist kein Haushaltszucker enthalten, aber andere Zuckerverbindungen und Süßungsmittel. Es kann Restalkohol von bis zu 0,5 Prozent enthalten sein.

Konsequenzen: Wer Zucker oder Alkohol generell meiden möchte, wird getäuscht.

Die ehrliche Deklaration: Verbot der Auslobung "ohne Zuckerzusatz", "alkoholarm" statt "alkoholfrei".

5. Lebensmittellüge

Natürliches Aroma

Der Verbraucher denkt: Das Aroma wurde auf natürlichem Weg aus der Frucht gewonnen.

Dahinter steckt: Es handelt sich um industriell gewonnene Aromen aus natürlichen Rohstoffen - zum Beispiel aus Holz oder Holzrinde.

Konsequenzen: Die aromatisierten Joghurts schmecken alle gleich, besonders Kinder gewöhnen sich an den künstlichen Geschmack.

Die ehrliche Deklaration: Nur als "natürlich" bezeichnen, wenn das Aroma aus der Frucht (!) stammt.

6. Lebensmittellüge

Frische Milch/ Frische Salami/ "Metzgerfrisch"/ Frischer Brotaufstrich

Der Verbraucher denkt: Es handelt sich um Milch, die nur wenige Tage haltbar ist bzw. um Produkte, die aus handwerklichen Familienbetrieben stammen.

Dahinter steckt: Die Produkte sind länger haltbar gemacht, sie stammen nicht aus Familienbetrieben. Die ausgelobte Frische wird nicht belegt.

Konsequenzen: Die Produkte können über weite Wege transportiert worden sein, Verlust der regionalen und handwerklichen Vielfalt.

Die ehrliche Deklaration: Keine Werbung mit "frisch" oder "Metzger", wenn dies nicht auch zutrifft.

7. Lebensmittellüge

Landbier/ Landeier/ Landjoghurt

Der Verbraucher denkt: Bei ländlichen Produkten handelt es sich um Produkte von überdurchschnittlicher Qualität, die direkt von Bauernhöfen stammen.

Dahinter steckt: Der Begriff "Land" ist nicht geschützt, jeder kann sein Produkt so nennen. Die Produkte sind dadurch nicht besser als andere.

Konsequenzen: Die Ländlichkeit wird dem Verbraucher oft nur vorgetäuscht.

Die ehrliche Deklaration: Das Wort "Land" müsste an eine tatsächliche ländliche Produktion geknüpft sein.

Wir haben Verbraucher gefragt, was sie tun, um nicht auf die Lebensmittellügen der Industrie hereinzufallen.

Marie Krüger (48), Lehrerin

"Unverpacktes einkaufen"

"Ich habe ein eigenes Gemüsebeet im Garten - das ist natürlich das Beste! Ansonsten versuche ich aber auch, möglichst frisch und aus der Region zu kaufen. Verpackte Sachen, wie abgepacktes Fleisch, kommen bei mir nicht in den Einkaufskorb."

Harald Stier (63), Rentner

"Immer genau nachlesen"

"Ich finde es heutzutage schon fast unmöglich, sich gesund zu ernähren. Gerade versuche ich, wenig Zucker und Salz zu essen. Da reicht es nicht, auf Angaben wie 'zuckerarm' zu vertrauen, ich schaue deswegen hinten in die genaue Zutatenliste."

Gudrun Jäckle (52), Lehrerin

"Der Werbung nicht trauen"

"Neulich habe ich erfahren, dass 'frische Eier' bis zu drei Wochen alt sein können! Jetzt versuche ich, regional und saisonal einzukaufen. Dann kann ich jedenfalls sicher sein, dass die Sachen keine langen Transportwege hinter sich haben."

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