So fasste Dagmar Koller neuen Lebensmut

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Ehrliches Interview

Zwei Jahre lang war das Leben von Dagmar Koller (71) ganz in Moll. Doch mittlerweile kann sie erstmals seit dem Tod ihres Ehemanns, des langjährigen Wiener Bürgermeisters Helmut Zilk († 2008), wieder so heiter sein wie in ihren Operettenrollen. Ihr Buch "Die Kunst eine Frau zu sein" half ihr, den Kummer zu überwinden.

Gehen Sie noch zum Grab Ihres Mannes?Dagmar Koller: Nicht so oft wie früher. Ich war über zwei Jahre lang täglich da. Es ist mir fast ein zweites Zuhause geworden. Das hat drei Stunden in Anspruch genommen, je eine Dreiviertelstunde hin und zurück. In der Nähe ist auch das Grab meiner Mutter. Ich habe mich dadurch sehr in die tiefe Trauer hineingesteigert.Sie traten in der Zeit nicht mehr auf…Dagmar Koller: Ich war ein halbes Jahr stimmlos. Erst als ich die ganzen schönen Schuhe meines Mannes seinem Gärtner geschenkt habe, wurde es langsam besser. Erst als ich losgelassen habe, war die Stimme wieder da.Wie sind Sie aus dem Tief rausgekommen?Dagmar Koller: Als der Wiener Oberbürgermeister vor einiger Zeit hinter der Staatsoper den Helmut-Zilk-Platz eingeweiht hat, wusste ich: Mehr Ehrung kann ich für meinen Mann nicht mehr erreichen. Ich habe angefangen rauszugehen. Ich freue mich jetzt, unter Menschen zu sein und trete auch wieder auf. Es kommt mir so viel Liebe entgegen.Was passiert, wenn Sie nach solchen Abenden allein nach Hause kommen?Dagmar Koller: Mein Mann und ich haben uns früher nachts immer erzählt, wie es war – auch noch um 1 Uhr. Er hat mir von seinen Vorträgen erzählt und ich, in welcher Szene es Applaus gab und ob ausverkauft war. Nun kommt man nach Hause und ist müde und denkt: Wem soll ich das jetzt mitteilen? Es ist so leer.Hat Ihnen das Schreiben des Buches geholfen?Dagmar Koller: Ja. Zuerst sollte es ja ein Buch darüber sein, wie ich meine Trauer überwinde. Aber als ich meine Tagebücher durchgesehen habe, musste ich schrecklich weinen. Ich dachte: Ich kann über die Trauer nicht sprechen. Aber über die Geschichten, die ich mit Verehrern erlebt habe, musste meine Co-Autorin immer sehr lachen. Und da dachten wir: Schreiben wir doch ein Buch über uns Frauen ! Ich stehe seit 50 Jahren auf der Bühne, und ich habe den Menschen immer geschenkt, dass sie fröhlich nach Hause gehen.

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