So hilfreich ist Eifersucht in einer Beziehung

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Eifersucht ist Gift für jede Beziehung? Nicht unbedingt - oft kann sie sogar hilfreich sein
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Warum Eifersucht wichtiger ist als Sie denken

Die einen sagen, dieses Gefühl kann die beste Beziehung zerstören – die anderen sehen in ihm den einzig wahren Liebesbeweis: Eifersucht. Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen. Aber so schlecht wie ihr Ruf, ist sie wohl nicht.

Über den Ursprung von Eifersucht weiß man häufig nur Negatives: Der Mangel an Vertrauen , Selbstzweifel, traumatische Erfahrungen, Besitzansprüche oder Verlustängste. Und ja: Solche Ursachen kann Eifersucht tatsächlich haben – allerdings nicht immer, wie Paarpsychologen nun betonen.

Eifersucht ist uns in die Gene geschrieben“, sagte die Psychologin und Autorin Felicitas Heyne gegenüber welt.de. Heyne hat in ihren Untersuchungen weiter in die Vergangenheit geschaut – auf die Evolutionsgeschichte des Menschen. Ihr Fazit: Männer beanspruchten die (sexuelle) Treue der Frau, um sicher zu gehen, dass die Frau und Kinder, für die sie auf die Jagd gingen, den Aufwand auch ‚wert‘ waren, also es sein leiblicher Nachwuchs war.

Doch warum neigen Frauen zur Eifersucht? Auch hier kann man einen genetischen Ursprung verfolgen, meint Heyne. Bei Frauen sei es eher die (Überlebens-)Angst gewesen, die das Gefühl der Eifersucht entfachte. Würde der Mann fremdgehen, liefe die Frau Gefahr, auf sich allein gestellt zu sein – im ‚schlimmsten‘ Fall mit Kleinkindern. Jagen war (früher) keine Frauensache – wer sollte die Familie ernähren?

Bei beiden Geschlechtern liegt der Ursprung der Eifersucht in der Angst, dass die Beziehung bedroht ist.

Eifersucht ist also keinesfalls ein rein unreifes Gefühl, wie es oft genug heißt. Eifersucht sei etwas völlig normales, sagt Heyne. Mit dieser Theorie ist Heyne nicht alleine. Der Berliner Psychotherapeut Wolfgang Krüger hält Eifersucht für ebenso natürlich und überträgt das Jahrhunderte alte Gefühl auf unsere Gegenwart: „ Das Lebenskonzept ist doch, dass man selbst der oder die Einzige für den Partner ist. Sobald dies in irgendeiner Form verletzt wird, keimt die Eifersucht auf.“ Die Monogamie , die sich in unserer westlichen Welt so sehr verbreitet hat, ist das anerkannteste Beziehungsmodell. Ein Modell, welches das Gefühl der Eifersucht am Leben erhält – bei einigen mehr, bei anderen weniger.

Und erst an dieser Stelle kommen die persönlichen Erfahrungen, das Misstrauen und der Selbstzweifel ins Spiel. Diese Gefühle und vergangene Erlebnisse verstärken die Eifersucht – im schlimmsten Fall so sehr, dass sie tatsächlich die Beziehung ‚vergiften‘, wie man ihr nachsagt. Wenn aus der „leichten Eifersucht als Liebeserklärung “ eine 'giftige' „mittelstark bis stark ausgeprägte Eifersucht“ wird, liegt der Ursprung dann oft doch bei der eifersüchtigen Person selbst: Unsicherheit oder starke Abhängigkeit vom Partner können diesen Wandel hervorrufen. „Der Kern dieser Eifersucht liegt immer in dem Erlebnis in der Kindheit, dass Bindungen sehr unzuverlässig sind", erklärt Krüger. Hilfe verschafft in solchen Fällen nur noch die bewusste Analyse der Ursprungserlebnisse, Traumata, Erfahrungen.

Die Psychologin Heyne schlussfolgert, dass die Ursache der Eifersucht der springende Punkt ist. Ob sie leicht ausgeprägt und auf die Evolution zurückzuführen ist, ob sie mittelschwer ausgeprägt ist und aus schlimmen Kindheitserfahrungen entstanden ist, oder ob sie schwer ausgeprägt ist, weil der Partner einen womöglich jüngst das Vertrauen missbraucht hat, ist ausschlaggebend dafür, ob das Gefühl nützlich ist oder nicht. Wie viel Eifersucht in einer Beziehung toleriert wird, muss dabei jedes Paar für sich selbst entscheiden – eine Richtlinie gibt es dafür nicht.

Krüger ist von der Nützlichkeit von Eifersucht für die Beziehung allerdings überzeugt. Schließlich kann Hinweise auf die Beziehung geben: „Man sieht genauer hin: Unternehmen wir viel miteinander, oder hat das nachgelassen? Bemühen wir uns umeinander? Wie steht es um die Erotik?“ Das kann man zumindest aus schleichend aufkeimender Eifersucht lesen – wenn man sich denn als Paar damit auseinander setzt.

Zahlreiche Psychologen und Paartherapeuten raten dazu, über die Eifersucht mit dem Partner zu sprechen und verständnisvoll mit der Eifersucht des anderen umzugehen. Heyne rät dazu, gemeinsam nach der Ursache der Eifersucht zu suchen. Auf diese Weise kann man nicht bloß die Eifersucht wieder eindämmen, sondern womöglich auch die Beziehung wieder auffrischen.

Wem die Sache mit der Eifersucht immer noch nicht geheuer ist und ihr vorbeugen möchte, dem sei vor allem eins geraten: ein gesundes und positives Selbstwertgefühl . Wer sich selbst nicht (genug) achtet, neigt zu glauben, dass auch andere einen nicht achten – der Ursprung grundloser Eifersucht, worunter Beziehungen dann tatsächlich leiden, zu Bruch gehen und so den negativen Ruf der Eifersucht am Leben erhalten.