So sehr leiden Milchkühe für unsere Billig-Milch

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Milchkühe leiden lange: Schon Jungtiere werden in manchen Ställen mit Ketten festgebunden.
Foto: SWR

SWR-Doku zeigt verletzte Tiere / Bauern sind verzweifelt

Grüne Wiesen und frische Luft für entspannte Kühe? Von wegen! Damit wir Menschen täglich frische Milch genießen können, müssen Milchkühe in Deutschland viel Elend über sich ergehen lassen.

Krank, angebunden, ausgemolken bis zum letzten Rest und am Ende die Schlachtung mit Schmerzen und Panik: das Leben von Milchkühen in Deutschland ist alles andere als schön.

Wie schlimm es wirklich ist, hat jetzt die SWR-Reportage „Verheizt für billige Milch – Das Leiden der deutschen Turbokühe“ gezeigt.

Die Bilder auf den Packungen sind Illusion

Eigentlich könnten Kühe bis zu 20 Jahre alt werden. Tun sie aber nicht. In Deutschland schaffen sie nur etwa 5,5 Jahre. Das wirtschaftliche Milch-Hochleistungssystem sorgt dafür, dass die Tiere derart ausgebeutet werden, dass sie nicht viel länger durchhalten können. 10.000 Liter Milch pro Jahr und Kuh. Das hält kein Tier ohne Qual aus.

Entzündete Euter, geschwollene Gelenke, offene Wunden – das sind nur einige der Folgen der Haltung und Fütterung der Kühe. Wer eine Milch für 55 Cent kauft, muss davon ausgehen, dass die Kuh dazu niemals eine grüne Wiese zu sehen bekommt. Stattdessen verbringt sie ihr Leben im Stall, schlimmstenfalls fixiert mit einem Stahlbügel, der sie starr in einer Position hält.

Zu Fressen bekommen diese Hochleistungskühe Kraftfutter, das für eine hohe Milchproduktion sorgt. Allerdings macht es die Tiere auch krank, bestätigen die Recherchen der ARD. Viele Tiere leiden an Klauen-, Magen- und Eutererkrankungen, die zum Tod führen können.

Der Tierarzt Dr. Karl-Heinz Schmack sagt dazu: „Die Milchleistungssteigerung erfolgt zum gesundheitlichen Nachteil der Kuh. Die Symptome sind systembedingt, nicht herdenspezifisch.“

Ein junger Milchbauer versucht, das Dilemma zu erklären: „Man muss versuchen, das meiste aus den Kühen herauszuholen, weil die Preise ziemlich unten sind. Entweder holt man das Maximum aus den Tieren raus oder man macht dicht.“

Die Bauern nehmen also kranke Tiere in Kauf, um den starken Preisdruck des Marktes gerecht zu werden? „Ja, so ist es, wir müssen das wirtschaftlich betrachten“, gesteht einer der Bauern.

Foto: Deutscher Tierschutzbund e.V./Masanneck

Der Deutsche Tierschutzbund erklärt dazu: „Die auf Milchprodukten häufig vorzufindenden Begriffe wie "Weidemilch" oder die bunten Illustrationen von einer bäuerlichen Landwirtschaft irritieren den Verbraucher und treffen keinerlei Aussage über das reale Haltungssystem der Kühe.“

Am Ende wartet die schreckliche Schlachtung

Wenn die Kuh schließlich zu krank und ausgelaugt ist, um noch weiter massig Milch zu geben, wird sie von den Bauern zur Schlachtbank geschickt. Manchmal sind die Tiere da gerade zwei Jahre alt und somit noch nicht mal erwachsen. Schmutzig und ausgemergelt warten sie dann auf den Tod. Zur Beruhigung läuft in den Warte-Ställen klassische Musik von Vivaldi. Dann kommt der Tod durch Bolzenschuss und Ausbluten.

Ungeborene Kälber ersticken im Mutterleib

Immer wieder machen die Schlachter beim anschließenden Ausweiden der Tiere eine grausige Entdeckung: Jungtiere in der Gebärmutter der geschlachteten Kühe . Wenn die Kuh zum Zeitpunkt der Schlachtung trächtig ist, ersticken ihre Kälber qualvoll im Mutterleib. Die kleinen Kadaver landen im Schlachtabfall.

Ein Paar Cent mehr für weniger Tierleid

Etwa einen Euro mehr kostet uns Verbraucher ein Liter Bio-Milch im Vergleich mit der klassischen Billig-Milch. Sollte nicht jedem von uns dieses bisschen mehr Geld ein Ende des Tierleids wert sein?

Wie glücklich ein Bauer und seine Kühe sind, wenn sie nach biologischen Standards gehalten werden, zeigt ein Beispiel aus dem Allgäu am Ende der Dokumentation. Die ganze Sendung ist unter dem folgenden Link zu sehen:

Verheizt für billige Milch - Das Leiden der deutschen Turbokühe

 

Was kann ich tun?

Wer das Leiden von Kühen für die Milch-Produktion verhindern möchte, kann sich an den folgenden Einkaufs-Tipps des Deutschen Tierschutzbundes orientieren:

Tipps für den Einkaufskorb

  • Kaufen Sie Bio-Milch anstelle von konventioneller Milch. Damit unterstützen Sie tiergerechtere Haltungssysteme und Bauern, die ökologisch erzeugtes Futter einsetzen und darauf verzichten, Chemie auf Acker und Grünland auszubringen. Darüber hinaus ist bei einer ökologischen Rinderhaltung der Zugang zu Freigelände oder vorzugsweise ein saisonaler Weidegang vorgeschrieben.
  • Bio-Milchmarken, die nach der EU-Öko-Verordnung produzieren und zusätzlich ein privates Siegel ihrer Verbände tragen - wie demeter, denree, Andechser natur oder Berchtesgardener Land - stellen strengere Anforderungen an die Milchkuhhaltung. So ist beispielsweise ein ganzjähriger Zugang zu einem Laufhof oder einer Sommerweide Pflicht, die Tiere erhalten einen hohen Anteil an Grünfutter und das Enthornen der Kälber ist verboten oder nur mit einer Ausnahmegenehmigung unter Betäubung und Schmerzmittelgabe zulässig. Die Vorgaben der einzelnen Verbände sind im Internet oder über direkte Verbraucheranfragen abrufbar.
  • Die Marke Arla Bio-Weidemilch stellt unter anderem Vorgaben für einen saisonalen Weidegang.
  • Der Discounter Lidl bietet mit der Eigenmarke "Ein gutes Stück Heimat" eine Milch an, die garantiert nicht aus der Anbindehaltung stammt. Mit dem Kauf dieser Milch, die bisher leider nur regional in Bayern erhältlich ist, unterstützen Sie eine tiergerechtere Haltung von Milchkühen.
  • Gesunde pflanzliche Alternativen zur Kuhmilch wie Soja-, Hafer- oder Reismilch werden immer beliebter und sind immer häufiger verfügbar.

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