So werden Sie sanft Schlacken los

schlacken
Ursel Bühring, Gründerin der Freiburger Heilpflanzenschule (www.heilpflanzenschule.de), ist Heilpraktikerin, Krankenschwester, Naturpädagogin sowie Dozentin für Phytotherapie.

Wie neu geboren!

Das neue Jahr erwacht, aber unser Stoffwechsel steckt noch im tiefsten Winterschlaf. Kein Wunder: Deftiges Essen, gemütliche Sofa-Abende und Süßigkeiten sind an den dunklen Tagen zwar Balsam für die Seele, für den Körper aber bedeutet dieser Lebenswandel viel Arbeit. Manchmal so viel, dass seine Entgiftungszentralen mit dem Abbau von Schlacken regelrecht überfordert sind. Was hilft, weiß Kräuter-Expertin Ursel Bühring, denn sie hat über Entschlackungs-Kuren gerade ein neues Buch geschrieben.

bella: Frau Bühring, was sind denn eigentlich Schlacken?

Ursel Bühring: Das Wort Schlacken ist zwar ein laienhafter Ausdruck, meiner Meinung nach ist die Bezeichnung jedoch durchaus sinnvoll. Gemeint sind damit Stoffwechselendprodukte wie Säuren und Gifte.

Und eine Entschlackungs-Kur hilft dann?

Sie wirkt wie ein Großputz auf Haut und Körper. Kuren mit Kräutern und anderen Pflanzen sind eine natürliche Methode, den Organismus von den angestauten Giftstoffen zu befreien, die sich im Laufe der Zeit im Gewebe angesammelt haben und den Transport von Sauerstoff und Nährstoffen einschränken.

Kann unser Organismus das nicht allein?

Eigentlich ist unser Körper mit Leber, Nieren, Darm und Lymphsystem von Natur aus dazu in der Lage. Wird er aber zu stark belastet, gelingt es ihm nicht mehr, sich aus eigener Kraft zu reinigen. Selbst wer sich gesund ernährt und bewusst lebt, sollte ab und zu Schadstoffe aus dem Körper entsorgen, die überwiegend mit der Nahrung oder der Luft in den Organismus gelangen. Das sind beispielsweise Lebensmittelzusatzstoffe, Pestizidbestandteile, Chemikalien, aber auch Arzneistoffe. Dieser Müll muss wieder raus, damit er nicht krank macht. Kräuter-Kuren sind also auch zur Organpflege und Vorsorge bestens geeignet.

Was bewirkt eine Entgiftungs-Kur genau?

Sie regt den gesamten Stoffwechsel an, sodass Schlacken leichter über die Lymphbahnen abtransportiert und ausgeschieden werden können. Die Effekte sind vielfältig: Das Immunsystem wird stärker, man hat insgesamt mehr Energie, ja sogar Fettpölsterchen werden abgebaut. Auch auf den Schlaf wirkt sich so eine Kur positiv aus. Und nicht zuletzt verbessert sich dadurch das Hautbild, der Teint wird klar, frisch und straff.

Wie merke ich, dass eine Kur für mich sinnvoll wäre?

Anzeichen sind zum Beispiel, dass man sich müde oder antriebslos fühlt, schlecht schläft oder die Verdauung träge ist, man Beschwerden im Bewegungsapparat, Kopfweh und Kreislaufprobleme hat oder sich schlecht konzentrieren kann. All das könnten Zeichen dafür sein, dass Körper und Immunsystem mit belastenden Substanzen überfordert sind, Zellen, Organe und Muskeln somit nicht ausreichend Energie bekommen.

Und warum gerade im Frühjahr?

Entschlacken kann man eigentlich, so oft man möchte und es sich gut anfühlt. Es ist aber durchaus sinnvoll, sich die Kuren zu einer regelmäßigen Angewohnheit zu machen, also auch zu anderen Jahreszeiten. Die bekannteste Kur ist dennoch die zum Jahresbeginn, die Frühjahrskur. Denn gerade nach dem Winter tut das Entschlacken besonders gut, gibt neuen Schwung. Eben weil der Stoffwechsel im Winter träge ist, wir uns weniger bewegen, seltener frische Luft und Sonne bekommen, deftiger und vitalstoffärmer essen. Durch eine Kur fühlt man sich dann regelrecht wie neugeboren. Von einer Frühjahrskur profitieren besonders Leber und Galle, der Darm, Blase und Nieren, der Bewegungsapparat und die Haut.

Warum eignen sich gerade Pflanzen und Kräuter so gut dafür?

Die Natur bietet uns die beste Medizin. Und sie schmeckt auch noch gut! Pflanzen und Kräuter sind reich an wertvollen Inhaltsstoffen wie Vitaminen , Mineralien und ätherischen Ölen, die unser Körper optimal verwerten kann. Natürlich auch, wenn man nicht selbst sammelt und erntet, sondern fertige Präparate oder Tees und Frischpflanzensäfte guter Qualität aus dem Reformhaus verwendet. Im Frühjahr eignen sich vor allem harntreibende Pflanzen wie Brennnessel und Löwenzahn, leberaktivierende wie Schafgarbe, darmanregende wie Flohsamen und schweißtreibende Pflanzen wie beispielsweise Lindenblüten oder Ingwer, die unsere Haut als größtes Ausscheidungsorgan unterstützen. Alle Pflanzen mit Bitterstoffen, etwa Wegwarte und Enzian, regen die Gallenfunktionen an.

Was sollte man dabei beachten?

Machen Sie die Frühjahrskur drei bis maximal neun Wochen. Tees oder Frischpflanzensäfte und Wildkräuter sind dabei die Grundlage. Wichtig ist, die jeweilige Tagesdosis nicht zu überschreiten. Und verzichten Sie in dieser Zeit möglichst auf schweres Essen und (zu viel) Alkohol sowie Kaffee. Wer sich dann noch etwas an der frischen Luft bewegt, bringt zusätzlich seinen Kreislauf und Stoffwechsel auf Trab. Vorsicht geboten ist bei Diabetes, Leber-und Nierenerkrankungen. Hier sollten Sie vorher ärztlichen Rat einholen.

Buch-Tipp

In "Kuren für Körper und Seele" beschreibt Ursel Bühring ausführlich und praxisnah, wie Sie ihren Körper zu allen Jahreszeiten entschlacken und jedes einzelne Organ unterstützen können (Ulmer, 24,90 Euro).

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