Später Kinderwunsch: Wie gefährlich ist eine späte Schwangerschaft?

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Immer mehr Frauen verschieben Kinderwunsch. Eine Möglichkeit: Social Freezing.
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Risikoschwangerschaft

Der Kinderwunsch kommt immer später: Jede vierte deutsche Schwangere ist älter als 35 Jahre. Aber - wie hoch ist das Gesundheitsrisiko für Mutter und Kind?

Ein winziges, zerbrechliches Leben direkt nach der Geburt im Arm zu halten, ist ein außergewöhnliches Erlebnis. Unvergesslich. Lebensverändernd. Aber was passiert mit dem Kinderwunsch, wenn man die 35, vielleicht sogar schon die 40 erreicht hat?

Tatsächlich nimmt die Empfängnisbereitschaft ab dem 30. Lebensjahr langsam ab. Mit dem 41. Lebensjahr endet die natürliche Fruchtbarkeit laut neuesten Studien. Und mit dem 45. Geburtstag fällt die Chance, auf normale Weise schwanger zu werden, auf ein Prozent ab. Auch deshalb bleibt es in Deutschland bei jedem siebten Paar bei einem unerfüllten Kinderwunsch.

Eine Option: künstliche Befruchtung. Doch die Kosten dafür gehen in die Tausende. Die Krankenkassen beteiligen sich nur an den ersten drei Versuchen einer Hormonbehandlung, indem sie 50 Prozent der Gebühren übernehmen. Und dies nur bei Frauen, die jünger als 40 sind.

Wie hoch ist das Gesundheitsrisiko für Mutter und Kind?

Für viele Frauen bedeutet eine späte Schwangerschaft die Erfüllung eines sehnlichen Kinderwunsches. Allerdings nehmen sie auch hohe körperliche Belastungen auf sich.

So leiden ältere werdende Mütter häufiger unter Bluthochdruck und Schwangerschaftsdiabetes. Als Folge davon bekommen sie z. B. 40-mal öfter einen Herzinfarkt als eine 20-jährige Schwangere. Aber auch das Risiko von Fehlfunktionen der Plazenta und damit von Blutungen im letzten Drittel der Schwangerschaft mit Fehl- und Frühgeburten ist deutlich erhöht.

In Deutschland steht deshalb bei jeder Frau, die ab dem 35. Lebensjahr ein Kind erwartet, der Vermerk "Risikoschwangerschaft" im Mutterpass. Ein Hinweis für den behandelnden Arzt, verstärkt auf Blutdruck, Zuckerwerte und Plazenta zu achten. Gleichzeitig ist es aber auch die Berechtigung für die werdende Mutter, zusätzliche Kassenleistungen wie häufigere Kontrollen, Fruchtwasseruntersuchungen und Hormonanalyse bezahlt zu bekommen.

Aufgrund der umfassenden Vorsorge kommen 95 Prozent der Kinder gesund zur Welt - obwohl heute jede vierte Schwangere in Deutschland älter als 35 Jahre ist.

Worauf müssen Diabetikerinnen besonders achten

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Das große Risiko einer späten Schwangerschaft: Diabetes. Achten Sie nicht ganz genau auf Ihren Blutzuckerwert, drohen Ihnen zusätzlich noch Schwangerschaftsvergiftung, Harnwegsinfekte und Nierenbeckenentzündungen.

Aber auch Ihr Kind ist in Gefahr. Fehlentwicklungen - zum Beispiel an den Knochen und am Herzen - sind möglich. Genauso wie ein viel zu hohes Geburtsgewicht (Riesenbabys mit über 4 000 Gramm) und Lungenprobleme.

Welche Vorteile hat eine späte Schwangerschaft?

Aktuelle Studien beweisen: Die Kinder von älteren Schwangeren profitieren von der größeren Lebenserfahrung ihrer Mütter: Sie sind z. B. sozial kompetenter und sprachlich fitter.

Und auch die Frauen haben erstaunliche Vorteile durch die späte Schwangerschaft: Ihre Muskeln und Knochen bleiben durch das zusätzliche Östrogen länger gesund, stark und jung. Ältere Mütter feiern viermal häufiger ihren 100. Geburtstag!

Später Kinderwunsch: Vier Dinge, auf die Sie achten sollten

Folsäure

Schutz für Kind und Körper: Mit zunehmendem Alter lässt das Bindegewebe nach - durch die Einnahme von Folsäure-Präparaten unterstützen Sie es. Außerdem ist eine ausreichende Versorgung mit Folsäure wichtig für die gesunde Entwicklung des Kindes. Tipp: Achten Sie besonders zu Beginn der Schwangerschaft darauf, genug Folsäure zu sich zu nehmen.

Sport

Bewegung gegen Thrombose & Co.: Bei sportlich aktiven Frauen bilden sich seltener Blutgerinnsel. Ältere Schwangere sollten also auf ausreichend Bewegung achten, da das Thromboserisiko mit steigendem Alter zunimmt. Kompressionsstrümpfe schützen zusätzlich.

Ernährung

Viel Gemüse und fetter Fisch: Mit 40 verändert sich der Stoffwechsel, ab diesem Alter nehmen viele Frauen schneller zu. Übergewicht sollte auch in der Schwangerschaft vermieden werden. Am besten ernähren Sie sich daher ballaststoffreich mit viel Gemüse, Obst und Vollkornprodukten. Sie sollten auch regelmäßig Fisch (Jod und Omega-3-Fettsäuren) und fettarmes Fleisch essen.

Medikamente

Vorsicht bei Natur-Arznei: Gerade Frauen über 40 vertrauen auf pflanzliche und homöopathische Präparate, weil sie keine gefährlichen Nebenwirkungen haben. Doch während der Schwangerschaft gilt: Vorsicht! Denn einige Mittel können Wehen auslösend wirken.

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