Spitzen, bitte

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Frisuren
Foto: Thinkstock

Kolumne: Pssst ...

Was haben Sienna Miller und Hillary Clinton gemeinsam? Fragen Sie meinen Friseur, schlägt JOY-Redakteurin Sandra Szjwach vor.

Die Vorbereitungen sind enorm aufwendig

Spätestens, wenn die Woche aus sechs Bad-Hair-Days besteht und meine Freundin Anna mich mit den Worten: „Bist du unter die Althippies gegangen?“ begrüßt, muss ich der Wahrheit ins Auge sehen: Es ist höchste Zeit, einen Termin beim Friseur zu vereinbaren! Worauf andere freudig hinfiebern, gleicht für mich einer Mission impossible.

Die Vorbereitungen sind enorm aufwändig und hinterher ist nichts mehr wie es mal war – leider! Dabei könnte alles so schön sein: Ein George-Clooney-Verschnitt (schwul, aber egal!) verwöhnt mich mit einer Kopfmassage, ich nippe an einer Latte Macchiato, informiere mich dabei über den neuesten Klatsch – und verlasse eine Stunde später mit einem seligen Lächeln und der todschicken Frisur von Sienna Miller den Laden.

Stattdessen passiert folgendes: Drei Stunden vor dem Termin verbarrikadiere ich mich im Badezimmer und werfe mich in Schale, als wäre ich bei der Queen zum Dinner eingeladen. Ein Trick der Profis – schließlich soll der Coiffeur mir keinen „peppigen“ Igelschnitt in Aubergine verpassen, weil er mich für eine Bundestagsabgeordnete der Grünen hält.

Schnell nach Hause unter die Dusche

Im Laden dann die Ernüchterung: Das Neonlicht verleiht meinem Gesicht einen ungesunden Zombie-Touch und mir wird auch noch der Platz im Fenster zugewiesen – wo die halbe Fußgängerzone mit belustigten Blicken meine wundersame Verwandlung verfolgen kann. Gerade kann ich noch einen Zeitungsschnipsel von Siennas Frisur zeigen, da beginnt René, der „Design Director“, schon mit theatralischen Gesten Strähnchenfarbe aufzupinseln.

Nach 20 Minuten bei gefühlten 80 Grad unter dem Wärmestrahler glühe ich wie nach einer Sahara-Durchquerung. Und auf meiner verschwitzten Lieblingsbluse prangt ein großer dunkler Fleck Haartönung! Schuldbewusst gibt René nun alles. Er schnippelt und föhnt mit vollem Körpereinsatz, als ginge es darum, einen neuen Rekord im Ausdruckstanz aufzustellen.

Was dabei herauskommt? Um 120 Euro erleichtert flüchte ich mit einer XXL-Sonnenbrille aus dem Laden. Mein Ziel: schnell nach Hause unter die Dusche! Mit meinem toupierten Hillary-Clinton-Bob ist die Chance, dass mich jemand mit Sienna verwechselt, so hoch, wie irgendwann mal Mrs. Pitt zu werden. 30 Haarwäschen später komme ich langsam von der Idee ab, dem Islam beizutreten und nur noch verschleiert zu gehen.

Wirklich gerettet hat mich allerdings der Besuch von Anna. Überrascht meinte sie: „Ich dachte, du wolltest heute zum Friseur? Hat der Termin nicht geklappt?“

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