Statt Liebe: Großer Streit um Unterhalt

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Lina* bekam ein Kind von einem jüngeren Mann. Unterhalt bekam sie von ihm nie.
Foto: iStock (Symbolfoto)

Lina* bekam ein Baby von einem jüngeren Mann und kämpft seither um Unterhalt

Lina verliebte sich mit 41 in einen deutlich jüngeren Mann und bekam ein Kind von ihm. Der Mann weigert sich seither, Unterhalt für seine Tochter zu zahlen. Die Geschichte einer unglücklichen Liebe.

* Alle Namen in dieser Geschichte wurden von der Redaktion geändert. Die Redaktion von wunderweib.de wollte gerne auch die Sicht des Vaters in diesem Fall darstellen und hat den Vater von Linas Tochter telefonisch um eine Stellungnahme gebeten. Diese hat er jedoch verweigert, er möchte sich nicht öffentlich zu diesem Fall äußern.

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Als Lina* den Vater ihres Kindes im Januar 2009 kennen lernte, konnte sie nicht ahnen, wie viel Streit und Ärger es in der Zukunft zwischen ihnen geben würde. Sie verliebte sich Hals über Kopf, als sie diesen Mann im Fitnessstudio traf. Der große Haken: David war wesentlich jünger als sie. „Ich war schon 41, er gerade mal 22 ...“ berichtet Lina zögerlich.

„Am Anfang dachte ich: Nein, das darf nicht sein, er ist ja viel jünger als ich. Aber er ist mir dann so lange hinterhergelaufen, bis ich nachgegeben habe. David hat sich wirklich Mühe gegeben, das war so niedlich. Im März 2009 hatte er mich dann weichgeklopft und einen Monat später war ich schon schwanger . Es sollte wohl einfach sein.“

Vorher hatte Lina zehn Jahre mit einem anderen Partner versucht schwanger zu werden, es hatte aber nie geklappt. „Bei diesem Mann und mit 41 dachte ich dann, es passiert so schnell nichts mehr, aber wie das eben so ist mit Kondomen … und dann habe ich mich schon sehr gefreut.“

Anfangs freute sich auch ihr Liebhaber über das unverhoffte Babyglück, berichtet Lina, doch dann habe er Angst bekommen. „Im August machte er mir noch einen ganz tollen Heiratsantrag und kümmerte sich liebevoll um mich. Er wollte unbedingt, dass es mir gut geht.“ Doch am 1. Januar 2010 war es vorbei mit dem Glück. Eines Tages, erzählt Lina, stand ihr Freund auf, sagte ihr, dass er das alles doch nicht wolle und verließ sie. „Das war einen Monat vor der Geburt des Kindes. Das war schon ziemlich heftig für mich. Ich hatte Schwangerschaftsdiabetes und bekam danach einen Zuckerschock, musste erstmal in die Klinik.“ Zwei Tage vor der Geburt sei David dann wieder aufgetaucht. Er wollte es nochmal versuchen, war auch bei der Geburt vorbei - doch kurz darauf sei er wieder verschwunden.

Danach begann das große Elend mit dem Unterhalt. Lina forderte Unterstützung vom Vater, er verweigerte diesen mit Verweis auf seine Einkommenssituation als Student. Mit seinen 22 Jahren befand er sich noch in einer Ausbildungssituation. Er hatte zwar eine Ausbildung zum Sozialpädagogischen Assistenten gemacht, wollte allerdings noch studieren, um Lehrer werden zu können. Jugendamt und Diakonie versuchten zu vermitteln, doch Lina und ihr Ex-Freund fanden keine Lösung. Jugendamt und schließlich Gerichte bescheinigten David stets, dass er nicht fähig sei, Unterhalt zu zahlen. So ein Studium dauert lange, bis heute – 2015 – ist David Student und finanziell betrachtet nicht in der Lage dazu, den Unterhalt für seine Tochter zu zahlen.

Lina meinte und meint, dass er durchaus mit der Ausbildung schon einen Job hätten haben können, der ihm Unterhaltszahlungen an seine Tochter ermöglicht hätten. In der Folge gab es ständig Probleme beim Umgang. Lina nahm das Verhalten des Vaters so wahr: „Mal wollte er, mal wollte er lieber nicht kommen, immer wieder brüllte er Lina an. Am Anfang habe ich ihm sogar noch Windeln mitgegeben, wenn unsere Tochter bei ihm war. So ein Paket Windeln kann man doch bezahlen, oder? Aber als ich das gefordert habe, hat er mich wild beschimpft.“ Außerdem habe David damit angefangen, den Mitarbeitern des Jugendamtes zu erzählen, dass sie an einer Borderline-Störung erkrankt sei. Ein psychologisches Gutachten dazu habe es nie gegegben, berichtet Lina, dennoch hätten diese Behauptungen wahrscheinlich ihre Position im Unterhaltsstreit geschwächt.

Als die gemeinsame Tochter ein Jahr alt war, musste Lina wieder in ihren Job als technische Assistentin einsteigen, ihre Tochter kam in die Kita. „Ich musste schließlich Geld verdienen. Er hat nie Unterhalt gezahlt.“ David holte derweil sein Abitur nach und fing an zu studieren. Lina berichtet: „David war und ist bis heute nicht bereit, uns irgendwas zu geben.“ Das Jugendamt kümmere sich nicht, nicht mal die Studienbescheinigungen seien abgefragt worden. „Irgendwann bin ich dann zum Anwalt, weil mir das alles sehr komisch vorkam. Der Richter wies mich allerdings darauf hin, dass er noch in der Ausbildung ist und nicht zahlen könne.“

Ein Bachelor-Studium dauert in der Regel drei Jahre. Es soll zum Einstieg in den Beruf befähigen. Doch oftmals braucht es zusätzlich noch einen Master. Der Vater von Linas Tochter begann entsprechend nach seinem Bachelorabschluss das Master-Studium. Dem Gericht legte er eine Bescheinigung vor, die bestätigte, dass er nur mit dem Bachelor noch nicht in den Beruf einsteigen könne. Die Entscheidung für den Master ist nachvollziehbar. Doch für Lina hieß das weiter: kein Geld vom Vater.

Zwar stürzte sie die mangelnde Unterstützung durch den Vater nicht in den finanziellen Ruin, von ihrem Angestelltengehalt kann sie sich und ihrer Tochter ein vernünftiges Leben ermöglichen – doch was ihr fehlt, ist Zeit mit ihrer Tochter. Denn genug Geld, um ihr ein Leben ohne Einschränkungen bieten zu können, kann Lina nur verdienen, wenn sie weiterhin Vollzeit arbeitet. Da bleibt wenig Raum für ein Leben mit dem Kind, über das sie sich so sehr gefreut hat.

Letztlich kam es zum Gerichtsverfahren – allerdings mit ernüchterndem Ausgang für Lina und ihre Tochter: „Ich habe den Prozess wirklich verloren ... unglaublich, aber wahr! Dieser Mann hatte einen Beruf gelernt, sich geweigert darin zu arbeiten, hat trotz des Wissens um meine Schwangerschaft angefangen, sein Abitur nachzumachen und zu studieren und bekommt Recht!“ Lina ist fassungslos. Sie hat viel Geld und Nerven in den Prozess gesteckt, in der Hoffnung auf Unterstützung – und geht doch wieder leer aus.

Der Richter habe das Urteil damit begründet, dass sie über ein gutes Angestelltengehalt verfüge und den Unterhalt für die gemeinsame Tochter alleine aufbringen könne. Zudem hätte ihr Lebensentwurf mit dem Vater vorgesehen, dass er studieren würde. Lina kann das kaum fassen: „Der Richter unterstellt mir quasi nur aus Eifersucht und Neid Unterhalt zu fordern und das obwohl er meine gesamte finanzielle Situation kennt! Es wird mir unterstellt, dass ich wollte, dass er an seinem Bachelor scheitert! Wenn ich ein Mann wäre, wäre es definitiv anders ausgegangen!“

Dennoch wird Lina wohl nur bleiben, mit dem Vater ihres Kindes abzuschließen und sich weiter allein durchs Leben zu schlagen. Er hat den Kontakt zu seiner Tochter komplett abgebrochen. Ob er jemals zum Unterhalt seiner Tochter beisteuern wird ist fraglich.

Lina zieht ein frustrierendes Fazit aus ihrer Geschichte: „Ich kann nur alle Frauen da draußen warnen: Seid vorsichtig, wenn ihr euch auf so viel jüngere Männer einlasst. Wenn ihr schwanger werdet, werdet ihr wahrscheinlich keinen Unterhalt bekommen. Und noch dazu wird über euch getratscht. Ich wohne in einem kleinen Ort, hier reden viele schlecht über mich, wegen dem 18 Jahre jüngeren Kindsvater.“

Selbst beim Jugendamt stieß Lina auf Vorurteile: „Ich habe eine Angestellte ziemlich genervt und auch sehr barsch gefragt, wie sie denn die ganze Zeit dem Kindsvater glauben konnten, dass ich Borderline hätte und zwar ohne eine fundierte Diagnose von einem Psychologen. Da war erst betretenes Schweigen – dann: „Es ist so ungewöhnlich, dass eine Frau sich in einen 18 Jahre jüngeren Mann verliebt und auch noch ein Kind bekommt ... da haben wir gedacht ...!“ Ich möchte nicht auf das Defizit der Angestellten hinweisen, die sich von Vorurteilen hat blenden lassen, darum geht es nicht, sondern um die Ungerechtigkeit und Vorurteile gegenüber Frauen, die jüngere Partner haben oder hatten und dann auch noch so dreist sind, ein Kind von ihm zu bekommen …“

Die Geschichte von Lina macht deutlich, dass es bei der Entscheidung für ein Kind mit einem jüngeren Mann sehr wichtig ist, genau zu überlegen, wie die finanzielle Versorgung des Kindes in der Zukunft aussehen kann. Auch wenn es unschön ist: Sprechen Sie mit Ihrem Mann auch über die Möglichkeiten im Falle einer Trennung . Ihr Kind wird es Ihnen danken, denn ein derart heftiger Unterhaltsstreit ist niemandem zu wünschen.

 

Was kann eine Mutter tun, wenn der Vater keinen Unterhalt zahlt?

 

Wir haben das Bundesfamilienministerium und das Bundesjustizministerium um Informationen zu Fällen wie dem von Lina und David gebeten. Hier erklären die Sachverständigen, was Eltern tun können, wenn ein Elternteil nach einer Trennung keinen Unterhalt zahlen kann.

1. Ist es in Deutschland grundsätzlich so, dass Frauen, die ein Kind von einem Mann in Ausbildung oder in Arbeitslosigkeit ein Kind bekommen, damit rechnen müssen, keinen Unterhalt zu bekommen?

Grundsätzlich gilt: Die Verpflichtung zur Zahlung von Kindesunterhalt beruht auf § 1601 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB). Voraussetzung des Unterhaltsanspruchs ist aber neben der Bedürftigkeit des Berechtigten die Leistungsfähigkeit des Verpflichteten gemäß §§ 1602, 1603 BGB.

Nach Ansicht des Bundesgerichtshofs gehört die Erstausbildung zum eigenen Lebensbedarf eines Unterhaltspflichtigen, den dieser grundsätzlich auch bei gesteigerterUnterhaltspflicht gegenüber minderjährigen Kindern vorrangig befriedigen darf (BGH Urteil vom 4. 5. 2011 - XII ZR 70/ 09). Das gleiche gilt auch für Aufbau-Studiengänge, sofern man insgesamt von einer kontinuierlichen und auch fachlich sinnvollen Ausbildung ausgehen kann. Dies kann insgesamt dazu führen, dass die Verpflichtung zur Zahlung vonBarunterhalt zumindest zeitweise entfällt. Je länger eine solche Ausbildung aber andauert bzw. je weniger der Aufbau der Ausbildung konsequent erscheint, umso größer werden die Anforderungen an den Unterhaltsschuldner, seine Anstrengungen, Barunterhalt leisten zu können, darzulegen. Allerdings kommt es letztendlich auf die Gesamtwürdigung aller Umstände des Einzelfalls an.

2. Ist es so, dass die Jugendämter nicht damit hinterherkommen, zu kontrollieren, ob die betreffenden Väter noch immer in Ausbildung sind?

Unterhaltsansprüche sind zivilrechtliche Ansprüche, die von den betroffenen Parteien geltend gemacht werden müssen. Eine amtswegige Durchsetzung der Ansprüche muss daher grundsätzlich ausscheiden. Die Jugendämter unterstützen allerdings im Rahmen ihrer allgemeinen Aufgaben nach dem Sozialgesetzbuch, Teil VIII, den betreuenden Elternteil. Sofern dieser von einem Abbruch einer Ausbildung erfährt, ist es daher seine Aufgabe, das Jugendamt hiervon zu unterrichten; dieses würde dann weitere geeignete Schritte unternehmen.

3. Sind den Jugendämtern die Hände gebunden, wenn ein nicht zahlender Kindsvater auf dem Arbeitsmarkt schlicht nicht vermittelbar ist?

Im Rahmen einer Beistandschaft kann das Jugendamt bei der Geltendmachung von Unterhaltsansprüchen den Unterhaltsberechtigten unterstützen.

4. Inwiefern sind Väter, die Hartz IV erhalten, noch zur Zahlung von Unterhalt verpflichtet?

Soweit der Unterhaltsverpflichteten nicht leistungsfähig im Sinne des § 1603 Absatz 1 BGB ist, kann die Leistungspflicht entfallen.

5. Welche Möglichkeiten der finanziellen Unterstützung gibt es, wenn der Kindsvater keinen Unterhalt zahlt, die Mutter aber dringend Unterstützung bräuchte?

Sofern der Unterhaltspflicht tatsächlich nicht nachgekommen wird, kommen Leistungen nach dem Unterhaltsvorschussgesetz in Betracht. Sie stellen eine besondere Sozialleistung für das Kind und den allein erziehenden Elternteil dar. Der Gesetzgeber hat sie vorgesehen, weil alleinerziehende Elternteile ihre Kinder in der Regel unter erschwerten Bedingungen erziehen und bei Ausfall von Unterhaltsleistungen des anderen Elternteils auch im Rahmen ihrer Leistungsfähigkeit für den von dem anderen Elternteil geschuldeten Unterhalt aufkommen müssen. Diese zusätzliche Belastung soll durch eine öffentlicheUnterhaltsleistung gemildert werden. Die öffentliche Unterhaltsleistung unterstützt den allein erziehenden Elternteil damit in Situationen, in denen erwartete Unterhaltsleistungen des anderen Elternteils - gewissermaßen planwidrig und in besonders schwierigen Lebenslagen - ausbleiben.

Kinder unter 12 Jahren, die von dem Elternteil, bei dem sie nicht leben, keinen oder keinen regelmäßigen Unterhalt bekommen, können Unterhaltsvorschuss erhalten. Dieser wird unabhängig vom Einkommen des betreuenden Elternteils längstens für sechs Jahre gezahlt und beträgt für Kinder von 0 bis 5 Jahren 133 Euro und für Kinder von 6 bis 11 Jahren 180 Euro monatlich. Für Eltern, die zwar ihren eigenen Bedarf durch Erwerbseinkommen grundsätzlich bestreiten können, aber nicht über ausreichend finanzielle Mittel verfügen, um den Bedarf ihrer Kinder zu decken, besteht gegebenenfalls die Möglichkeit Kinderzuschlagzu beantragen. Dieser beträgt pro Kind bis zu 140 Euro monatlich. Darüber hinaus hilft das Wohngeld Haushalten mit geringem Einkommen, die Wohnkosten zu tragen. Mieter erhalten das Wohngeld als Mietzuschuss. Selbst nutzende Eigentümer von Wohnraum erhalten Wohngeld als Lastenzuschuss.

Können Leistungen nach dem Unterhaltsvorschussgesetz nicht gewährt werden - weil die Altersgrenze von zwölf Jahren erreicht oder der Gewährungszeitraum von sechs Jahren erschöpft ist - und kann der allein lebende Elternteil für den ausfallenden Unterhalt nicht aus eigenem Einkommen und Vermögen aufkommen, kommen erforderlichenfalls Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhalts (Arbeitslosengeld II, Sozialgeld) in Betracht.

 

Weitere Informationen zu diesen und anderen Leistungen und Angeboten finden Sie unter www.familien-wegweiser.de .

 

 

 

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