Stephanies zehnter Post

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Stephanies zehnter Post
Foto: Stephanie Paethe

Stephanies Ernährungstagebuch

Hallo ihr Lieben!

Hallo ihr Lieben!Ich hoffe, ihr seid gut durch die Woche gekommen! An den letzten beiden Wochenenden war ja lauftechnisch wirklich eine Menge los! Gastbloggerin Ilka hat Hamburgs Straßen beim Hamburg Marathon unsicher gemacht, ich bin für den guten Zweck in Darmstadt beim „Wings of Life World"-Run unter dem Motto „Laufen für die, die selbst nicht laufen können“ an den Start gegangen. Am vergangenen Wochenende stand ich dann fähnchenschwingend an der Strecke des Mainz Marathon, um Freunde, Nachbarn und Bekannte anzufeuern. Es ist nicht zu übersehen: Die Laufsaison hat begonnen.

Sowohl in Darmstadt als auch in Mainz fiel mir mal wieder eines auf: Es ist erschreckend, wie viele Frauen noch immer nichts von der Erfindung des Sport-BHs mitbekommen haben! Mensch Mädels - das tut doch weh, ist ungesund und sieht obendrein doof aus! Aber davon soll mein heutiger Post nicht handeln. Nein, viel erschreckender ist es, wie viele Menschen sich da Schritt für Schritt mühsam über die Straßen quälen. So, als würden sie mit ihren Füßen am Boden festkleben. 

Versteht mich nicht falsch – jeder Lauf ist anstrengend und bringt den Läufer an seine individuellen Grenzen. Auch ich spaziere nicht fröhlich pfeifend über die Ziellinie und fühle mich, als könnte ich noch 100 Bäume ausreißen und eine Runde Samba tanzen. Jedoch sehe ich jedes Mal einen gravierenden Unterschied zwischen jenen Läufern, die das Ziel relativ flott erreichen, und jenen, oftmals Anfänger, die sich von der Startlinie bis zum Ziel quälen und schleppen müssen.

Im Zielbereich und in den Tagen danach wird dieser Unterscheid noch deutlicher. Während die einen sich ausgiebig dehnen und dann nach zwei, drei Ruhetagen wieder locker anfangen, ins Training einzusteigen, beginnt bei den anderen eine regelrechte Odyssee in Form eines Ärzte-Marathons. Egal ob Knie, Rücken oder Knöchel – der Körper ist aus seinem natürlichen Gleichgewicht geraten.

VERLETZUNGSFALLE LAUFEN

Auch ich kann davon ein mehrstrophiges Liedchen singen! Mein Freund lacht oft und sagt: „Das, was du alles hast, habe ich in 17 Jahren Läuferleben noch nicht bekommen!“ Aber so lustig ist das gar nicht. Nach meinen ersten, intensiveren Läufen fing auf einmal das Knie an zu streiken. Diagnose: Plica-Syndrom. Von Lauf zu Lauf arbeitete ich mich durch: Patellaspitzen-Syndrom, Sehnen-Entzündung im Zehengelenk, Streckdefizit im Knie, Blockaden im Iliosakral-Gelenk … Meine chronische Läuferzehe und mein jährlicher Verlust eines Zehennagels schienen noch das kleinste Übel zu sein.

Nachdem mir jeder Arzt eine andere Ursache präsentierte und niemand einen roten Faden fand, fing ich an, ein wenig zu experimentieren. Ich probierte die verschiedensten Schuhe aus. Natürlich mit viel Dämpfung und Stabilität, denn es macht ja Sinn, so einen empfindlichen Körper gut zu schützen und dämpfen, nicht wahr? Auf Teer laufen wurde auch auf die „rote Liste“ gesetzt: Harte Untergründe machen bestimmt alles nur noch schlimmer! Ich ging zur Osteopathie, Physiotherapie, genehmigte mir Fango-Packungen und Massagen. Doch es half alles nichts – irgendwas tat immer weh.

Dann fing ich an zu recherchieren und je mehr ich las, desto deutlicher wurde mir: Wir haben das natürlichste verlernt, das es gibt - wir haben verlernt, richtig zu laufen! So landete ich bei dem, was mir nicht nur eine Menge Spaß und Leichtigkeit in mein Läuferleben gebracht hat, sondern vor allem sämtliche Beschwerden wie auf einen Schlag verschwinden ließ: Das Konzept des Natural Running. Seitdem ich dieses für mich entdeckt habe, haben sich sämtliche Lauf-Beschwerden auf mein kleinstes Übel reduziert, den jährlichen Verlust eines Zehennagels. Damit kann ich wirklich gut leben.

DIE LÖSUNG: NATURAL RUNNING

Vielleicht ist auch unter euch die eine oder andere dabei, die mit ähnlichen Problemen beim Laufen zu kämpfen hat. Daher möchte ich euch in diesem und in meinem nächsten Beitrag ein wenig über das Natural-Running–Konzept erzählen. In der Hoffnung, dass es bald noch mehr schmerzfreie, flinke Läuferinnen in diesem Land gibt!

Kurz gesagt geht es beim Natural Running darum, die natürliche Laufbewegung wiederzufinden, indem man beim Laufen nicht über die Ferse abrollt, sondern auf dem Vor- und Mittelfuß landet. Weiterhin hilft Natural Running dabei, die so genannte Flugphase beim Laufen, also die Zeit, in der sich der Läufer in der Luft befindet, zu verlängern und den Bodenkontakt zu verkürzen.

Für mich bedeutete der Umstieg zum Natural Running in erster Linie eines: Weg mit meinen bisherigen Laufschuhen, her mit geeigneten Natural-Running–Schuhen. Seitdem stehen sie in meinem Schuhschrank und blicken mich traurig an – mein lila Plicasyndrom-Schuh, der pinke Patellaspitzensyndrom-Schuh, der blau-orangene Iliosakralgelenk-Blockierer ... Auf einmal sind sie alle für mich nutzlos geworden. Der Grund: Sie alle waren zu stark gedämpft und zu stabil gebaut.

DER SCHUH IST DAS PROBLEM

Gedämpfte Sportschuhe sind eine veraltete Technologie der Sportschuh-Industrie. Früher wurde unter dem Motto „Dämpfen, Führen, Stützen“ über Jahrzehnte hinweg ein Irrglaube geschaffen, der sich leider bis heute in den Köpfen vieler Menschen verankert hat. Interessanterweise gibt es zahlreiche Untersuchungen, die zeigen, dass sämtliche dicke Dämpfungssysteme zu keiner Reduktion von Knorpelschädigungen, Achillessehnen-Beschwerden oder Gelenkschmerzen führten. Auch die darauffolgende Entwicklung, die Erfindung der Pronationskontrolle, brachte nicht den gewünschten Erfolg. Im Gegenteil – einige Beschwerdebilder wurden dadurch sogar noch verstärkt.

Durch eine starke Dämpfung wird ein Großteil der Energie beim Fersen-Aufprall vom Schuh absorbiert, wodurch die körpereigene Dämpffähigkeit reduziert wird. Diese Schuhe verfügen weiterhin über eine Absatzdicke (die so genannte Sprengung) von mehreren Zentimetern.  Dadurch entsteht beim Laufen eine Hebelbewegung, die uns sehr viel mehr belastet und gleichzeitig unsere Fußmuskulatur, die wir für eine natürliche Laufbewegung benötigen, verkümmern lässt. Ihr merkt: Diese Schuhe verlernen unseren Füßen das richtige Zusammenspiel unseres Bewegungsapparates!

Dabei ist unser Körper so ein faszinierendes Gebilde, dass er selbständig dazu in der Lage ist, zu dämpfen und zu stabilisieren – dies gelingt ihm durch ein perfekt aufeinander abgestimmtes System von Muskulatur, Sehnen, Bändern und Skelett. Es gibt keinen Grund, dieses System durch ungeeignetes Schuhwerk aus dem Gleichgewicht zu bringen! Stellt euch einfach einmal auf die Zehenspitzen und federt hoch und runter. Darf ich vorstellen: Das ist euer körpereigenes Dämpfungssystem!

Durch stabil gebaute Schuhe mit hoher Sprengung rollen wir beim Laufen automatisch über die Ferse ab und geben unserem Körper nicht nur mit jedem Schritt Stöße auf unseren Gelenkapparat, die er nur schwer bis gar nicht abfedern kann. Wir bremsen uns auch automatisch bei jedem Schritt aus und erzeugen keinen Vortrieb, was uns gerade bei langen Läufen und Wettkämpfen unnötig Kraft und Zeit kostet. Versucht es mal: Rollt einen Schritt über die Ferse nach vorn ab und nehmt euer Standbein weg – ihr werdet merken: der Körper fällt zurück nach hinten! Dann versucht mal, über den Mittel- und Vorfuß abzurollen – wenn ihr das Standbein nun wegnehmt, kippt euer Körper automatisch nach vorn – weil ihr durch diese Bewegung Vortrieb erzeugt.

NATURAL-RUNNING-SCHUHE

Ein Blick auf den derzeitigen Laufschuh-Markt lässt erkennen: Auch die Hersteller von Laufschuhen sind sich dessen mittlerweile bewusst und rudern in Sachen Dämpfung und Stabilität wieder zurück. Diese Schuhe haben heute nur noch einen Marktanteil von weniger als 50 Prozent, während der Anteil der Natural-Running–Schuhe stetig wächst. Wenn ihr mich fragt, zu Recht.

Das Prinzip ist denkbar einfach: Natural-Running–Schuhe sind flacher gebaut, sie verfügen lediglich über eine Sprengung von 0-5 mm und sorgen dadurch automatisch dafür, dass wir den Fuß flacher, optimalerweise mit dem Mittel- oder Vorfuß, aufsetzen. Ein guter Natural-Running-Schuh unterstützt euch noch zusätzlich bei der Abrollbewegung über den Vorfuß. Mittlerweile gibt es viele verschiedene Schuhe, die das Prinzip des Natural Running verfolgen, was die Auswahl nicht gerade leicht macht. Im Zweifel hilft nur eines: Ausprobieren!

Persönlich habe ich mich bei der Auswahl meines Schuhs für das Modell (okay, mittlerweile sind es mehrere) eines Herstellers, der bislang vor allem im Triathlon-Sport sehr vertreten war, entschieden. Ein Schuh, den einige der erfolgreichsten Athleten für einen Marathon wählen, nachdem sie 180 Kilometer auf dem Rad hinter sich gebracht haben, kann nicht so verkehrt sein, oder?

Da die ersten Läufe mit einem solchen Schuh sehr ungewohnt für den Körper sind, gilt es, einige Dinge zu beachten –  es gibt sogar spezielle Lauf-Seminare hierfür. Daher, liebe Leserinnen: Bevor ihr in den nächsten Laden rennt, euch Natural-Running-Schuhe kauft und loslegt, kauft sie euch, stellt sie ein paar Tage gut sichtbar in den Schuhschrank und erfreut euch an diesen schönen neuen, sauberen Schuhen. In meinem nächsten Blog warten einige Tipps und Übungen auf euch, dann sind eure Schuhe die längste Zeit neu und sauber gewesen!

In diesem Sinne, kommt gut durch die Woche!Eure Stephanie

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