Stille GeburtGrace Dinah Monteith: Wie ein Sternenkind ihre Eltern stärker macht

Kurz nach der stillen Geburt: Hier halten David und Siobhan Monteith ihre Tochter Grace Dinah in ihren Armen.
Kurz nach der stillen Geburt: Hier halten David und Siobhan Monteith ihre Tochter Grace Dinah in ihren Armen.
Foto: Christiane Edel

„Meine liebe Frau Siobhan hat am 3. Mai 2014 nach neun Monaten Schwangerschaft unsere Tochter Grace zur Welt gebracht. Es war eine stille Geburt. Grace ist kurz vor der Geburt im Bauch ihrer Mutter gestorben. Unter vielen Schmerzen hat Siobhan unsere Grace dennoch zur Welt gebracht. In einem vagen Versuch, nur ein wenig ihren Schmerz zu teilen, habe ich heute, zusammen mit meinem Bruder, ein Grab für Grace ausgehoben.“

David Monteith, London, Mai 2014

Am 3. Mai 2014 kam Grace Dinah Monteith auf die Welt, sie wog ein wenig mehr als 4 Kilo. Sie war ein wunderschönes Baby, für ihre Eltern perfekt und ein Geschenk des Himmels, sie hatten sich so sehr auf ihre Tochter gefreut … doch zu diesem Zeitpunkt war Grace schon tot.

David Monteith hat das Grab für seine Tochter Grace Dinah Monteith selbst ausgehoben.
David Monteith hat das Grab für seine Tochter Grace Dinah Monteith selbst ausgehoben.
Foto: privat

Kurz vor der Geburt starb das kleine Mädchen im Bauch ihrer Mutter Siobhan aufgrund eines sehr seltenen Schwangerschaftsunfalls. Als die Fruchtblase von Siobhan brach, wickelten sich Teile der Membran um die Nabelschnur ihrer Tochter und schnürten sie ab. So wurde die Blut- und Sauerstoffversorgung der kleinen Grace unterbrochen, sie starb.

David und Siobhan Monteith haben das Grab für ihre Tochter Grace sehr liebevoll gestaltet.
David und Siobhan Monteith haben das Grab für ihre Tochter Grace sehr liebevoll gestaltet.
Foto: privat

Als David und Siobhan vom Tod ihres Baby erfuhren, waren sie von unendlichem Schmerz erfüllt. Sie konnten einfach nicht fassen, dass ihre kleine Tochter ihnen durch einen so grausamen Unfall entrissen wurde.

Dennoch entschied Siobhan, ihr Baby auf natürliche Weise zur Welt zu bringen und in Ruhe zu verabschieden. David Monteith erinnert sich auf seinem Blog an die schlimmen Stunden: „Meine tapfere, starke Frau wollte Grace mit Würde und Anmut zur Welt bringen. Sie brachte sie mit so viel Kraft und Entschlossenheit zur Welt. Danach musste sie weitere vier Stunden kämpfen, weil die Plazenta sich nicht lösen wollte. Ich habe nie mehr um meine Frau gefürchtet und sie nie mehr geliebt.“

"Eine Nacht lang konnte Grace neben uns schlafen"

Die Ärzte und Krankenschwestern ermöglichten David und Siobhan einen ruhigen und würdevollen Abschied von ihrer Tochter und machten Fotos von der kleinen Familie. „In dieser ersten Nacht nach der stillen Geburt von Grace haben Siobhan und ich mit ihr in einem Zimmer geschlafen, sie lag in einem Kinderbett neben uns. Wir wollten eine Nacht mit ihr, um eine Erinnerung in unseren Herzen zu haben und eine kurze Zeit das Gefühl, wie es gewesen wäre, sie bei uns Zuhause zu haben. Wir werden den Angestellten des Krankenhauses ewig dankbar dafür sein, wie sie uns in dieser Zeit unterstützt haben“, erzählt David.  Auch die erste Tochter des Paares, Alannah, durfte ihre kleine Schwester kennenlernen und sich von ihr verabschieden.

Wie können Eltern weitermachen, nachdem sie ihr geliebtes Kind verloren haben?

David und Siobhan zogen Kraft aus den Worten ihres Priesters, der ihnen sagte: „Auch in größter Trauer dürfen wir die Freude im Leben nicht aufgeben. Trauer und Freude können und dürfen nebeneinander existieren. Doch wenn unsere Sorge die Freude untergräbt, ehren wir damit nicht das Andenken an die Menschen, die wir verloren haben.“

So klein und perfekt - die Händchen von Baby Grace in den Händen ihres Vaters David Monteith.
So klein und perfekt - die Händchen von Baby Grace in den Händen ihres Vaters David.
Foto: Christiane Edel

David und Siobhan beschlossen also, weiterzuleben und alles zu tun, um das Andenken an ihr kleines Mädchen mit Freude zu erhalten.

Am Sonntag kehrten sie zurück in ihr Haus und am Montag kamen zahllose Freunde und Familienmitglieder zu ihnen, um mit ihnen zusammen zu weinen, zu sprechen und zu lachen. Siobhan spendete ihre Muttermilch für Frühchen, deren Mütter oftmals noch keine Muttermilch für ihre Kinder haben. Eine Erfahrung, die sie mit etwas Frieden erfüllte, denn so konnte sie wenigstens anderen Babys zu einem besseren Start in das Leben verhelfen. „So konnten wir aus unserer Tragödie für andere Menschen Freude machen.“

Schließlich beschlossen David und Siobhan ihre Geschichte öffentlich auf Davids Blog zu teilen. David ist Schauspieler und Schauspiel-Lehrer und viele Bekannte hatten die Schwangerschaft mitverfolgt und auf Nachrichten zu der Geburt gewartet. Danach überrollte die trauernden Eltern eine Welle aus traurigen Nachrichten und Hilfsangeboten. David und Siobhan waren sehr berührt und dankbar für all die mitfühlenden Nachrichten und baten die Menschen darum, für die englische Hilfsorganisation SANDS zu spenden, die Eltern von Sternenkindern und stillgeborenen Kindern unterstützt. Auch David und Siobhan hatten viel Unterstützung durch diese Organisation erfahren. So kamen viele Hunderte Dollar zusammen, mit denen weiteren Eltern von Sternenkindern etwas Trost gespendet werden konnte.

Doch damit nicht genug. Seit dem Tag des Todes von Grace Dinah reist ihr Vater David Monteith unermüdlich durch die Welt, um für die trauernden Eltern von toten Kindern zu sprechen, um auf ihr Leid aufmerksam zu machen und Trost zu spenden.

Ein Gedicht für Mütter von Sternenkindern

So las David Monteith bei der großen Konferenz Women Deliver für Frauenrechte in Kopenhagen Anfang 2016 ein ganz besonderes Gedicht vor, welches Eltern von toten Kindern helfen soll und besonders Mütter von Sternenkindern tief berührt, denn es zollt ihnen Respekt für ihr Muttersein, das nach dem Verlust eines Babys oftmals nicht ausreichend gewürdigt wird.

Dies ist Davids Gedicht:

"Ihr seid Mütter
Lasst euch von niemandem, nicht mal euch selbst, einreden, es wäre nicht so
Ihr kennt die Schmerzen einer Geburt
Sie sagen, dass man seine Kinder Stück für Stück loslassen muss, ab dem Moment ihrer Geburt, doch ihr musst das alles auf einmal tun
Ihr seid stark, auch wenn es sich nicht so anfühlt
Ihr seid erfüllt von unermesslicher Liebe, auch wenn es sich so anfühlt, als gäbe es für diese Liebe kein Ziel
Ihr seid erfüllt von Leben, auch wenn es sich ganz trüb anfühlt
Zweifelt nicht daran, auch wenn ihr keinen kleinen Körper in euren Armen halten könnt,
dass ihr Mütter seid –
wundervolle, glorreiche, furchtbar traurige Mütter, die inspirierend sind

Ich verneige mich vor euch.

You are Mothers
Don't let anyone, including yourself tell you different.
You know the pain of childbirth
They say we are letting go of our children from the moment they are born but you had to do that all at once
You have strength though it doesn't feel like it
You have immeasurable love though you feel like it has nowhere to go
You have life though it feels like its dulled.
Have no doubt that though you have no little body to hold
You are without doubt Mothers
Wonderful, glorious, terribly sad, but inspirational Mothers


I bow to you"

In diesem Video trägt David Monteith sein Gedicht persönlich vor:

"Ich werde ewig ihr Vater sein"

Wenn Eltern ihr Kind verloren haben, begleitet die Trauer sie ewig. Auch David wird seine kleine Tochter immer vermissen:

„Ich sehne mich schmerzlich danach, ein Vater für Grace zu sein, kein anderes Kind wird jemals die Lücke füllen können, die Grace in unserem Leben hinterlassen hat. Ich erinnere mich immer daran, wie ich ihren stillen Körper gekleidet habe, in einen Babyanzug, der mir so überflüssig wie dringend notwendig schien. Die Süße und Bitterkeit dieses Moments haben meine Seele auf ewig gebrandmarkt. Ich erinnere mich daran, wie ich Grace in einer Ecke liegen lassen musste, um Siobhan zu helfen, die mit der Ablösung der Plazenta kämpfte, und wie schuldig ich mich fühlte, weil ich Grace alleine ließ. Ich werde dieses Gefühl nicht los, meine Tochter verlassen zu haben. Trotzdem finde ich heute Freude in jedem Tag. Ich weigere mich, das nicht zu tun. Ich denke an Grace und lächle und der dünne Schleier, der meine Traurigkeit verbirgt, wird offensichtlich. Grace Dinah Monteith hat existiert, sie war kein Traum, sie ist meine Tochter und ich werde auf ewig ihr Vater sein.“

Ein Regenbogen-Kind: Schönheit nach dem dunklen Sturm

Einige Monate nach dem Verlust von Grace wagten sich David und Siobhan an einen erneuten Versuch, bald wurde Siobhan wieder schwanger und im Sommer 2015 kam ihr Regenbogen-Kind Kira zur Welt. Regenbogen-Kinder tragen diesen Namen, weil sie etas Schönes sind, das nach einer schweren und düsteren Zeit das Leben der Eltern wieder erhellt. David Monteith formuliert es so: "Ein Regenbogen bedeutet nicht, dass der Sturm nicht da war oder dass die Familie des Sternenkindes nicht noch noch immer trauert. Ein Regenbogen bedeutet, dass etwas Schönes und Helles geschieht, in einer Zeit von Dunkelheit. Es mögen noch immer Sturmwolken vorürberziehen, aber der Regenbogen strahlt wie ein Gegengewicht aus Farbe, Energie und Hoffnung."

David und Siobhan Monteith mit ihren Töchtern Alannah und Kira.
David und Siobhan Monteith mit ihren Töchtern Alannah und Kira.
Foto: privat

Als nächtes planen David und Siobhan ein Film-Projekt mit dem Titel "Grace In Action", für das sie Eltern von Sternenkindern interviewen wollen, um damit anderen Betroffenen Trost und Hoffnung zu spenden.

Wer die Geschichte von David und Siobhan Monteith weiter verfolgen möchte, kann hier Davids Blog lesen (auf Englisch): davidmonteith.blogspot.de

Eltern von Sternenkindern helfen

Wer verwaisten Eltern und anderen Angehörigen von Sternenkindern helfen möchte, kann in Deutschland zum Beispiel die folgenden Organisationen unterstützen:

Bundesverband Verwaiste Eltern und trauernde Geschwister in Deutschland

Leben ohne dich e.V.

David und Siobhan Monteith sammlen hier Spenden für England:

www.justgiving.com/fundraising/GraceDinahMonteith

Ehrenamtliche Fotografen für Sternenkinder vermitteln zum Beispiel diese Organisationen:

Dein Sternenkind

Now I lay me down to sleep

Wer Muttermilch spenden möchte, muss sich bei den Krankenhäuser in seiner jeweiligen Umgebung erkundigen, ob dort die Möglichkeit zum Spenden besteht, denn dafür gibt es keine bundeseinheitliche Organisation. Eine Übersicht über die Kliniken in Deutschland, die sich über eine Milchspende freuen, gibt es hier (keine Garantie für die Richtigkeit der Inhalte!): www.babyfreundliche-apotheke.de/muttermilch-spenden

Einen Erfahrungsbericht zum Thema Muttermilch spenden gibt es hier: www.stillende-muetter.de/muttermilchspende

 

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