Stevia: Die Wahrheit über den Zuckerersatz

stevia wahrheit zuckerersatz

Foto: schmaelterphoto / iStock

Stevia ist gar nicht so gut, wie viele tun

Mit Stevia wird Natürlichkeit und Gesundheit verbunden. Der Zuckerersatz soll viel gesünder sein als normaler Zucker. Doch Vorsicht: Der Schein trügt bei den meisten Stevia-Produkten!

Die Blätter der Stevia-Pflanze sollen bis zu 300-mal süßer als Zucker sein - und das ganz ohne Kalorien. In ihrem Ursprungsland Südamerika wird die Stevia-Pflanze angeblich schon seit Jahrhunderten als natürliches und vor allem zuckerfreies und nicht kariesförderndes Süßmittel genutzt.

Klingt super! Ist es an sich auch - doch bei der Verarbeitung der Pflanze hakt es noch etwas:

Kein reiner Ersatz: Stevia wird oft mit Zucker gemischt

Die meisten der in Deutschland angebotenen Produkte mit Stevia (Joghurt, Marmelade, diverse Getränke) enthalten immer noch Zucker. Es sind Stevia-Zucker-Mischungen und damit lediglich kalorienreduziert.

Die Verbraucherzentrale Niedersachsen hat gerade diverse Getränke mit Stevia genauer unter die Lupe genommen. Das Ergebnis: Softdrinks mit Stevia enthalten immer noch extrem viel Zucker.

Ein Beispiel: Eine einzige 0,5 Liter-Flasche "Cola life" (hier auch bei uns im Test) mit dem pflanzlichen Süßstoff Stevia enthält immer noch 11 Würfel Zucker (34 Gramm). Die normale Cola enthält 18 Würfel Zucker (54 Gramm). Die von der Weltgesundheitsorganisation WHO empfohlene Zuckerhöchstmenge am Tag liegt für Frauen bei 25 Gramm, für Männer bei 30 Gramm.

Stevia ist nicht (mehr) natürlich

Stevia-Produkte, die bei uns auf den Markt kommen, enthalten nicht die reine Stevia-Pflanze, da die Verarbeitung der Stevia-Blätter hier nicht zugelassen ist. Die Produkte enthalten Steviolglykoside, also einen Extrakt aus der Stevia-Pflanze.

Die haben zwar einen natürlichen Ursprung, werden aber durch ein kompliziertes chemisches Verfahren gewonnen - und sind damit nicht "natürlicher" als die meisten anderen Süßstoffe, die wir kennen.

Der ganze grüne "Natürlichkeits"-Ruf der Stevia-Produkte ist eine reine Vermarktungssache.

Stevia ist gar nicht so gesund - eventuell

Es hat schon seinen Grund, dass Stevia bis Ende 2011 in Europa verboten war: man vermutet gesundheitliche Risiken.

In einer Langzeitstudie vor zwanzig Jahren haben Ratten verschiedene Dosen Steviolglycoside bekommen. Die Ratten, die am meisten dieses Stoffes bekamen, haben deutlich an Gewicht verloren. Das ist ein Hinweis auf eine Unverträglichkeit, die auch beim Menschen vorkommen kann.

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit empfiehlt, nur in Maßen bei Stevia zuzugreifen: Sie rät zu einer Tageshöchstdosis von vier Milligramm Stevioläquivalenten pro Kilogramm Körpergewicht (wobei die Höchstmengen für den lebenslangen Gebrauch berechnet sind und gar nicht so leicht zu erreichen sind). Wer auf Dauer mehr isst, geht bislang unkalkulierbare Risiken ein. Die Stevia-Pflanze wurde einfach noch nicht ausreichend auf ihre Unbedenklichkeit überprüft.

Weiterlesen: Stevia - Süßen ohne Reue?