Tabu-Zone: Po - Was tun bei Verdauungsproblemen?

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Experten-Interview

Die WUNDERWEIB-Expertin für Darmstörungen und Verdauungsprobleme: Claudia Herzler

Claudia Herzler ist niedergelassene Fachärztin mit den Schwerpunkten Operative Dermatologie, Hauttumorchirurgie, Proktologie (konservative und operative Therapie von Enddarmleiden), Geschlechtskrankheiten (STD), HIV-assoziierte Dermatosen, Allergologie, Laserchirurgie, Venerologie und dermatologisch-ästhetische Therapie aus Berlin.

Im großen WUNDERWEIB-Interview erläutert die Expertin, warum man Darmprobleme und Verdauungsstörungen ernst nehmen sollte und gibt hilfreiche Tipps zu Behandlungsmöglichkeiten.

Welche Faktoren beeinflussen die Entstehung von Enddarmproblemen?

Claudia Herzler: Neben ernsthaften Erkrankungen spielen Ernährungsgewohnheiten - wie Fast Food, wenig Ballaststoffe, unregelmäßiges Essen, stopfende Genussmittel - und Bewegungsarmut eine wesentliche Rolle. Auch berufliche Umstände, die mit Unterdrücken des natürlichen Stuhldrangs oder Stress einhergehen, fördern das Entstehen eines Hämorridalleidens und der damit verbundenen Folgeerscheinungen. Im Alter wird zudem die Darmbeweglichkeit träger und die Schwerkraft tut ihr Übriges. So kann es bei Frauen zu Senkungen des Beckenbodens kommen, die einen Vorfall der Hämorriden oder sogar des gesamten Enddarms zur Folge haben können.

Inwieweit können Blähungen, Durchfall oder Verstopfung die Lebensqualität beeinträchtigen?

Claudia Herzler: Blähungen, Durchfall- oder Verstopfungsprobleme können Menschen auf Dauer in die Isolation treiben und ihren Tagesablauf maßgeblich bestimmen. Die Gedanken kreisen dann zunehmend um Fragen wie: „Wo finde ich das nächste WC, auf dem ich ungestört sein kann?“ Muss man den Stuhl zurückhalten oder sich die Blähungen verkneifen, kann dies zu Schmerzen führen und ernsthafte Störungen im Enddarmbereich nach sich ziehen.

Welche Folgeerscheinungen gehen mit Darmstörungen einher?

Claudia Herzler: Es kann zu einer Vergrößerung der Hämorriden und dadurch auch zu vermehrter Flüssigkeitsabsonderung im Analbereich kommen. Es entstehen Irritationen mit bakterieller Überbesiedlung, Einrisse der Analhaut und unter Umständen auch Allergien und Ekzeme. Ein in der Folge verstärktes Reinigungsbedürfnis kann zusätzliche Irritationen verursachen und den natürlichen Säureschutzmantel der empfindlichen Haut zerstören.

Wie kann man einer Funktionsstörung vorbeugen oder ihren Verlauf positiv beeinflussen? Was ist von Abführmitteln zu halten?

Claudia Herzler: Bewegung und eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr von zwei bis drei Litern über den Tag verteilt ist sinnvoll. Der Speiseplan sollte eine ausgewogene, ballaststoffreiche und fettarme Ernährung beinhalten. Um ernsthafte anatomische beziehungsweise krankheitsbedingte Beschwerden auszuschließen, sind jedoch vorbeugende Enddarm- und Darmspiegelungen unerlässlich.

Wann ist ein Besuch beim Arzt anzuraten?

Claudia Herzler: Bei Beschwerden, die länger als einen Monat andauern, oder gegebenenfalls auch früher – beispielsweise bei Blutungen aus dem Enddarm oder starken Schmerzen.

Haben Hämorridalleiden einen klassischen Verlauf und wie lässt er sich stoppen?

Claudia Herzler: Der klassische Verlauf ist eine schrittweise Vergrößerung der Hämorriden. Das Stadium 1 geht mit leichter Vergrößerung, das Stadium 2 mit deutlicher Vergrößerung der Hämorriden einher. Beim Stadium 3 fallen sie beim Pressen aus dem Analkanal, können aber zurückgedrückt werden. In Stadium 4 sind die vorgefallenen Hämorriden nicht mehr zurückdrückbar und können nur noch operiert werden. Eine stadiengerechte Behandlung kann ein Fortschreiten der Erkrankung im Allgemeinen verhindern. Zusätzlich spielen die Änderung der Ernährungsgewohnheiten und Bewegung eine wichtige Rolle. Auch verschiedene Beckenbodenmuskulaturübungen können den Verlauf positiv beeinflussen.

Was muss beachtet werden, damit es nicht zu einer Verletzung des Hämorridalgewebes kommt? Wer ist besonders gefährdet?

Claudia Herzler: Gefährdet sind zum einen Menschen, die eine genetische Veranlagung für die Entwicklung von Hämorriden haben, zum anderen Patienten mit Stuhlgangproblemen. Chronische Verstopfung und langanhaltende Durchfälle können vielfältige Ursachen haben und auf Dauer das Hämorridalgewebe irritieren und verletzen, so dass es sich vergrößert und der Halteapparat im Enddarm quasi ausleiert. Auch Stuhlganggewohnheiten wie starkes Pressen und Nachpressen bei zu festem Stuhl führen auf Dauer zu vergrößerten Hämorriden.

Wie oder womit lindert man Symptome und Schmerzen?

Claudia Herzler: Am besten ist es, wenn man zunächst milde Verfahren zur Linderung anwendet, zum Beispiel Sitzbäder in leichtem schwarzen Tee oder synthetischen Gerbstoffen sowie das Eincremen mit weicher Zinkpaste, die man rezeptfrei in jeder Apotheke bekommt. Bei leichten Beschwerden kann man auch schmerzlindernde Salben anwenden wie Posterisan akut. Salben und Zäpfchen helfen nicht mehr, wenn das Grundleiden zu weit fortgeschritten ist und nur noch mechanisch durch Abbinden oder eine Operation behoben werden kann. In Stadium 1 und 2 hängt der Erfolg einer Behandlung mit Salben und Zäpfchen aber auch davon ab, ob die Patienten ihren Lebensstil korrigieren und vor allem auf das Pressen beim Stuhlgang verzichten.

Gummibandligatur, Verödung oder Operation – in welchem Stadium werden die Eingriffe durchgeführt? Bringen sie einen dauerhaften Erfolg?

Claudia Herzler: Das erste Stadium ist sehr gut mit der sogenannten Sklerosierung, der Verödung, behandelbar. Im zweiten Stadium kommt zusätzlich die Gummibandligatur zum Einsatz, bei der vergrößerte Hämorridalknoten abgebunden werden und mit der Zeit abfallen. Diese Methode kann auch in Stadium 3 noch gelingen. In Stadium 4 ist nur noch eine Operation erfolgversprechend. Ob die Behandlung dauerhaft Wirkung zeigt, hängt jedoch auch von der genetischen Veranlagung und dem Lebensstil des Patienten ab.

Was empfehlen Sie Menschen, die viel unterwegs sind? Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es für sie?

Claudia Herzler: Für Menschen, die häufig auf Reisen sind und Probleme im Enddarmbereich haben, sind kleine reisefertige Einmaltuben praktisch, die man bei Beschwerden und Schmerzen einfach anwenden kann. Zudem sollte man schmerzlindernde Zäpfchen auf die Reise mitnehmen und eine Creme oder Salbe, die man bei Reizungen abends zur Beruhigung auftragen kann. Von der Benutzung von Feuchttüchern ist aus dermatologischer Sicht abzuraten, da sie zu Hautreizungen führen können.

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