DiebstahlTelekom klaut Payback-Punkte

Inhalt
  1. ...wie klaut man Payback-Punkte?
  2. ...warum zur Hölle klaut man Payback-Punkte?!
  3. ...was nun?

120 Mitarbeiter der Deutschen Telekom haben über 40 Millionen Payback-Punkte im Gesamtwert von 400.000 Euro geklaut. Die meisten betroffenen Mitarbeiter wurden entlassen als der Punkte-Raub enthüllt wurde.

Schön und gut. Aber....

...wie klaut man Payback-Punkte?

Eine Zeit lang wollte die Telekom ihre Kunden mit Payback-Punkten locken. Jeder, der einen Vertrag bei der Deutschen Telekom abgeschlossen oder verlängert hat, bekam 5.000 Payback-Punkte gutgeschrieben. Geldwert: etwa 50 Euro pro Person. Nur blöd, wenn die Kunden von dieser Bonusaktion nichts mitbekommen. Zum Beispiel, weil die Mitarbeiter die Punkte lieber für sich behalten möchten. Kann ja mal passieren...

Denn die Transaktion führen die jeweiligen Telekom-Mitarbeiter durch. Wer über soooooo viel Macht verfügt, kann sie auch ausnutzen...also rein theoretisch...oder eben auch rein praktisch - wie im Fall dieser 120 Telekom-Mitarbeiter.

Die haben sich die Payback-Punkte nämlich einfach auf's eigene Konto gutgeschrieben - ein ganzes Jahr lang (von Oktober 2014 bis Oktober 2015). Und weil es so einfach war, haben sie es nicht bloß einmal gemacht: Die Gutscheine ließen sich mehrere Male scannen - was für ein Glück!

Eine Payback-Mitarbeiterin bestätigte: "Einige Mitarbeiter der Telekom haben Punkte unterschlagen, indem sie Gutscheine mehrfach auf eigene Payback-Konten gebucht haben." Inzwischen ginge das aber gar nicht mehr, wie es von Payback heißt. Jetzt gebe es Gutscheine nur mit Strichcode und somit einmaliger Seriennummer, sodass man einen Gutschein nur einmal scannen könne. Wie schade...

...warum zur Hölle klaut man Payback-Punkte?!

Na das ist ja wohl offensichtlich: Ein Payback-Punkt entspricht schließlich einem ganzen Cent! Oder man sammelt die Punkte und löst sie gegen Prämien oder Warengutscheine ein, die man sich selbst aussuchen kann. Die Auswahl ist dabei immens - schließlich kooperiert Payback inzwischen mit über 600 Unternehmen.

28 Millionen Deutsche - unter anderem ja auch diese ausgefuchsten Telekom-Mitarbeiter - sind dieser Sammelsucht verfallen (ja, auch ich, ich gebe es ja zu!). Nur sind die richtig coolen Prämien eben so "punkteteuer", wenn man nix draufzahlen möchte. Als Durchschnittsverdiener dauert es eine halbe Ewigkeit, bis das gewünschte Ziel erreicht ist. Außer....ja außer man kommt in die Gunst, bei der Telekom zu Arbeiten und ganz schnell zum Payback-Punkte-Millionär zu werden...Gelegenheit macht schließlich Diebe.

...was nun?

Die Kunden haben der Telekom zufolge keinen Schaden davon getragen: Wer von der Aktion wusste, bekam die Punkte auch gutgeschrieben. Aber wer es nicht wusste...nun ja...der war nach dem Vertragsabschluss ja auch nicht ärmer. Hatte aber eben auch keine 5000 Payback-Punkte geschenkt bekommen. Wissen ist eben Macht.

Auf dem finanziellen Schaden (in Höhe von rund 400.000 Euro) sitzt die Telekom selbst. Schließlich zahlt sie pro eingelösten Gutschein einen festgelegten Betrag an Payback. Die Telekom fordert das Geld natürlich von seinen betrügerischen (Ex-)Mitarbeitern zurück. Ob die Mitarbeiter den Betrag in Payback-Punkten abbezahlen können, ist nicht bekannt.

Aber eigentlich geht es doch gar nicht um das liebe Geld. Es geht um's Vertrauen.

Würdest du jemandem deine privaten Daten anvertrauen, der dich schon um Payback-Punkte bringt? Mitarbeiter, die mit digitalen Punkten krumme Geschäfte machen, finden gewiss auch eine Möglichkeit, aus digitalen Kunden-Daten Geld zu machen.

Naja, immerhin: Seitdem der systematische Betrug aufgeflogen ist, müssen Telekom-Mitarbeiter eine Erklärung unterschreiben, die besagt, dass sie sich die Vergünstigungen nicht auf ihre privaten Payback-Karten gutschreiben dürfen. Vertrauen ist eben gut, Kontrolle ist besser. Das sehen Geheimdienste ja auch so...kann also gar nicht so falsch sein, einfach erst mal allen zu misstrauen, die man einstellt.

Jedes Unternehmen weist Sicherheitslücken auf. Bei der Telekom sind es allerdings schon Krater.

Oder werden die Telekom-Mitarbeiter einfach nur so schlecht bezahlt, dass sie nach jedem Strohhalm - pardon, Payback-Punkt - greifen müssen, um ihr Überleben zu sichern? Das wäre ein Armutszeugnis für das größte europäische Telekommunikationsunternehmen. Sein Umsatz 2015: knapp 70 Milliarden Euro (das entspricht etwa dem Jahres-Bruttoinlandsprodukt vom Oman, Stand 2013).

Die Telekom ist übrigens eine Aktiengesellschaft. Knapp 32 Prozent hält (direkt und indirekt) die Bundesrepublik Deutschland. Man könnte meinen, das Land hätte die Kontrolle über seine Schäfchen verloren...

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