Tiefes Dekolleté: Einladung zur Vergewaltigung?

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Ja, dieses Shirt liegt eng an. Trotzdem ist es keine Einladung zur Vergewaltigung.
Foto: Thinkstock

Eine junge Frau wurde vergewaltigt. Bekannte geben ihr die Schuld.

In einem Club wurde Sandra aus Stuttgart vergewaltigt. Auf ihrem Blog berichtet sie davon, wie Bekannte ihr die Schuld an der Vergewaltigung gaben.

„Vor zwei Jahren musste ich eine leidvolle Erfahrung machen. Während eines Discobesuchs wurden mir Drogen in mein alkoholfreies (!) Getränk gemischt und ein Kerl hat es ausgenutzt. Ich stand völlig neben mir, konnte keine klaren Gedanken fassen und mein Kopf fühlte sich wie nach einer Explosion an. Erst am Abend habe ich realisiert, was vorgefallen war: Ich wurde vergewaltigt.“

Sandra aus Stuttgart wollte nicht mehr schweigen. Auf ihrem Blog „ anormaldisaster “ berichtet sie von der schlimmsten Nacht ihres Lebens, der Nacht ihrer Vergewaltigung. In einem Club wurde sie von einem Fremden betäubt und missbraucht. Allein das war schon schlimm, doch noch viel schlimmer waren für Sandra die Reaktionen ihrer Freunde, als sie ihnen von dem Vorfall erzählte.

„Ihr solltet meinen, dass genau jetzt der Zeitpunkt gekommen ist, dass die Leute zu einem stehen. Versuchen, euch zu unterstützen. Ich muss euch leider enttäuschen, denn die meisten werden euch entsetzt anschauen und Fragen stellen, die euch verzweifeln lassen: Warum hast du auf dein Getränk nicht aufgepasst? Hattest du wieder Kleid XY mit dem Ausschnitt an? Du weißt schon, dass du mit deinen großen Brüsten eben auch solche Aufmerksamkeit auf dich ziehst? Wie kannst du es ihm verübeln, dass jemand eine großbrüstige Blondine vernaschen will?“

Es ist furchtbar, passiert aber immer wieder. Vergewaltigungsopfern wird eine Mitschuld zugesprochen. Bekannte, Freunde oder Verteidiger der Täter werfen ihnen vor, sie hätten durch ihr Aussehen, ihre Kleidung oder ihr Benehmen ein solches Verbrechen provoziert. Nicht immer direkt, meist eher subtil, durch entsprechende Fragen. Die Auswirkungen solch zweifelnder Fragen auf die Oper können verheerend sein.

Sandra berichtet: „Ich habe es eine lange Zeit geglaubt. Ich habe gedacht, dass es an mir lag. Ich habe gedacht, dass ich eine Mitschuld habe. Ein Mädchen hat mir mal gesagt, dass ich viel zu hübsch sei und es mir deshalb passiert ist. Ich hätte mich am liebsten sofort in einen anderen Körper gesteckt, wenn ich denn nur gekonnt hätte.“

Zwei Jahre lang versuchte sie auf verschiedene Weisen, mit dem Geschehenen und den düsteren Gedanken umzugehen. Mal ging sie exzessiv feiern, mal gar nicht mehr. Sie grübelte viel, darüber, ob sie wirklich selbst Schuld daran war, dass ein Mann es nicht lassen konnte, sie gegen ihren Willen missbrauchte. Dann zog sie eine Grenze.

„Zwei Jahre hat es gedauert, bis ich zu diesem Punkt gekommen bin. Zwei Jahre aufgrund einer Nacht. Die Zeit hat mich verändert und ich werde mich sicherlich nicht mehr so einfach mit Discos anfreunden können. Aber ich weiß nun, dass ich keine Schuld daran hatte. Selbst wenn ich nackt die Straße runterlaufe, hat niemand das Recht, mich zu bedrängen oder zu vergewaltigen. Niemand hat das Recht, mir vorzuschreiben, was ich mit meiner Körbchengröße anziehen darf und was nicht. Niemand hat jemals wieder das Recht, mich gegen meinen Willen anzufassen.

Wir sind froh, dass Sandra die Zweifel abschütteln konnte. Denn eines steht fest: ein tiefes Dekolleté, ein verführerisches Lächeln oder ein kurzer Rock sind vieles, aber ganz bestimmt keine Einladung zur Vergewaltigung!

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