To be or not to be eine gute Freundin … ?

to be or not to be eine gute freundin
Adriana_Aufmacher
Foto: Gastbloggerin Adriana

Bloggerin Adriana über Freundschaften

Einige wissen ja, dass ich tagsüber mein Superhelden-Outfit als Bloggerin gegen ein unauffälliges Outfit tausche und einem ganz normalen Bürojob nachgehe. Ich kümmere mich um Reiseführer und Bildatlanten. So kommt es vor, dass ich auch mal in einem Meeting sitze und mir Fakten über neue Bildrechte anhören muss. So wie heute – als mein Smartphone, das ich nicht auf lautlos gestellt habe, einen deutlich hörbaren Signalton von sich gibt.

Eigentlich ist das auch in Ordnung, eine Nachricht bei Facebook oder eine SMS, nichts besonderes. Alle am Tisch sind so nett und ignorieren diesen Fauxpas. Ich lächele entschuldigend und lasse das Handy in meine Hosentasche verschwinden. Dort hat es nichts besseres zu tun, als besagten Signalton noch ungefähr achtmal von sich zu geben, bis mein Chef freundlich darum bittet, dass ich es doch ausschalten soll.

Ich entscheide mich, es nur lautlos zu stellen und bin dann beruhigt. In der Tasche vibriert es dann aber munter weiter und mir drängt sich der Gedanke auf, dass es vielleicht ein Notfall sein könnte. Horrorszenarien wie ein Autounfall meines Freundes, ein Sturz meiner Mutter oder ähnliches. Muss ich vielleicht ein lebensrettendes Organ spenden? Welche Blutgruppe habe ich doch gleich? Ich entschuldige mich für eine Minute aus dem Meeting und zücke schnell mein Handy. Mein Herz schlägt so schnell gegen meine Brust, dass meine Hände anfangen zu zittern, während ich die zahlreichen Nachrichten anklicke. „Sehe ich in dieser Hose fett aus?“ Dazu ein Bild, gesendet von meiner besten Freundin, aus einer Umkleidekabine bei H&M oder Zara. Ich kann eine wild gemusterte Jeans erkennen, in der die schlanken Beine meiner Freundin stecken. Ich klicke weiter. Noch mehr Aufnahmen der Hose, aus jeder erdenklichen Perspektive. Das kann doch nicht ihr Ernst sein? Ist es aber.

Mich erreichen weitere Bilder, scheinbar im Sekundentakt, die weitere Jeans zeigen in allen möglichen und unmöglichen Farben und Mustern. Fast will ich lachen, weil ich erleichtert feststelle: Niemand braucht meine Niere. Wobei mir spontan ein anderes Organ einfällt, das meine Freundin offenbar dringend benötigt. Ich schreibe hastig zurück, dass ich in einem Meeting bin und mich nachher bei ihr melde. Ein panisch dreinblickender Smilie ist die Antwort. Sie braucht meine Meinung jetzt, weil sie heute Abend ein Date mit Kai, Steffen oder Mario hat und ich als Fotoredakteurin doch ein so gutes Auge für solche Dinge habe. Leicht genervt tue ich ihr den Gefallen und schaue mir die Jeans an, die alle ganz nett sind und in denen meine Freundin eine super Figur machen wird – kein Wunder bei den Maßen. Ich entscheide mich für die Jeans mit einem gewagten schwarz/weißen Muster und schicke ihr meine Begründung in kurzen Sätzen. Das müsste reichen.

Ein „kleiner Notfall“Zurück im Meeting sind alle erleichtert, dass es nur ein „kleiner Notfall“ war und alles in bester Ordnung ist. Allerdings nur, bis mich eine weitere Nachricht erreicht. Diesmal von einem Spitzen-BH. Offenbar hat meine Freundin eine sehr genaue Vorstellung davon, wo ihr Date enden wird. Der BH wäre okay. Durchatmen und nicht durchdrehen.

Bei der Frage: ob String, Tanga oder Pantie? will ich dann doch mein Smartphone aus dem Fenster werfen und verfluche die hochmoderne Technik. Wer hat eigentlich behauptet, wir müssten alle überall immer und sofort erreichbar sein? Entschlossen schalte ich es aus und lausche den nächsten paar Minuten meinem Chef noch, bis es an der Tür klopft und eine Kollegin nach mir verlangt. „Ein dringender Anruf.“ Ich habe da so eine vage Idee, die bestätigt wird, als ich die aufgeregte Stimme meiner Freundin höre.„Dein Handy ist tot.“Ich hätte es nur ausgeschaltet, weil ich in einem Meeting bin.„Welche Unterwäsche passt denn zum Anlass?“Ein Keuschheitsgürtel wäre meine Empfehlung.Sie entscheidet sich für den Tanga und bedankt sich, weil ich eine so großartige Freundin bin und das Versprechen, immer für sie da zu sein, auch halten würde. Eine glückliche beste Freundin, ein genervter Chef und ein Mobiltelefon, das ab sofort nur noch eingeschränkt Dienst leisten wird. Das wird mich aber nicht vor weiteren Anrufen schützen, denn wie ich sie kenne, würde sie auch einen Weg finden, mich auf einer einsamen Insel zu erreichen. Immerhin blieben ihr dann noch Brieftauben, Rauchzeichen und die Flaschenpost.Ihr Date bekam den Tanga übrigens nicht zu sehen, nachdem der Typ ihr gegenüber im Vollrausch behauptet hat, die Hose würde ihr einen fetten Hintern machen. Vielleicht habe ich doch nicht so viel Ahnung von Mode wie immer angenommen ...

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