KrankheitenTrauma: Ursache, Symptome und Behandlung

Trauma: Ursache, Symptome und Behandlung
Traumata sind psychische Verletzungen, die sich psychotherapeutisch oder medikamentös behandeln lassen
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Inhalt
  1. Wie entsteht ein Trauma?
  2. Was sind die Symptome eines Traumas?
  3. Wie lässt sie ein Trauma behandeln?

Traumata können das Leben Betroffener beeinträchtigen. Dabei können traumatische Erlebnisse verarbeitet werden, etwa mit einer Therapie.

Frederike (Name geändert) ist 39 Jahre alt. Knapp fünf Jahre arbeitet sie in einem Büro nur mit Männern. Ständig muss sie sich abwertende Bemerkungen anhören, Beleidigungen über ihr Geschlecht und ihre Arbeitsleistung. Sexueller Belästigung, Drohungen und einschüchternde Gesten ihrer Kollegen stehen auf der Tagesordnung. Eines Tages hat sie genug davon. Sie geht zu den Vorgesetzten und erzählt, was in ihrer Abteilung vor sich geht. Doch nichts passiert.

Irgendwann bekommt Frederike dieselbe Schicht zugeteilt, wie der "Anführer" ihrer Kollegen, der sie maßgeblich belästigt. Stundenlang belästigt und beleidigt er sie - bis es ausartet und er mit einer Zange nach ihr wirft. Sein Ziel: ihr Kopf. Nur um wenige Millimeter verfehlt er Frederike. In diesem Augenblick hat sie Todesangst, fühlt sich ihrem Kollegen ausgeliefert. Frederike wird in diesem Moment klar, wie hilflos sie ist. Frederike fühlt sich verletzich. Zu wissen, dass ihre Kollegen ihr mit Absicht drohen, sie willentlich belästigen, sie sogar töten könnten, sie sich aber nicht wehren kann, gibt ihr das Gefühl, "eine riesige Zielscheibe zu sein", wie sie es beschreibt.

Seitdem macht ihre Psyche nicht mehr mit. Sie bekommt Albträume und Flashbacks - also wiederkehrende traumatische Bilder - von dem Angriff. Sie beginnt, sich ständig Sorgen um ihre Sicherheit zu machen, kann nicht schlafen, überprüft nachts, ob wirklich alle Fenster und Türen verschlossen sind. Sie wird schreckhaft, gleichzeitig lässt ihre Konzentrationsfähigkeit nach - schließlich kreisen ihre Gedanken nur noch um den Angriff. Frederike sucht Hilfe bei einem Therapeuten, um eine Traumatherapie zu machen.

Dies ist ein Fallbeispiel des Psychologen Mervin Smucker, der sich auf Traumabehandlung spezialisiert hat. Das eskalierte Mobbing, das Frederike wiederfahren ist, ist bloß ein Beispiel für die Entstehung eines Traumas. Jedem kann ein traumatisches Erlebnis wiederfahren. Zu selten suchen Betroffene einen Spezialisten auf.

Wie entsteht ein Trauma?

Trauma kommt aus dem Griechischen und heißt übersetzt "Wunde". Im Grunde handelt es sich beim Trauma also um eine seelische Verletzung. Ein Trauma entsteht, wenn man von einem negativen Erlebnis keinen Abstand nehmen kann, sondern immer wieder daran denken muss. Bei einem traumatischen Erlebnis kommen wir an unsere Grenzen.

Die Ursachen für ein Trauma können dabei vielfältig sein. Generell wird zwischen zwei Typen von Traumata unterschieden: den einmaligen Typ 1 und den fortdauernden Typ 2.

Trauma Typ 1

  • menschengemacht: Unfälle (z.B. Autounfall, Brände, Flugzeugabsturz), Verbrechen (z.B. Einbrüche, Geiselnahmen, Körperverletzungen, Überfälle, Vergewaltigung)
  • nicht menschengemacht: Krankheiten (z.B. Kindstod), Naturkatastrophen (z.B. Erdbeben, Hochwasser, Tornado)

Trauma Typ 2

  • menschengemacht: Verbrechen (z.B. Folter, Mobbing, sexueller Missbrauch, Stalking, Gewalt in der Kindheit / Familie), Kriege (z.B. Welt- und Bürgerkriege, Holocaust, Flucht)
  • nicht menschengemacht: Krankheiten (z.B. AIDS, Krebs)

Gemeinsam haben diese traumatischen Ereignisse, dass derjenige, der sie erlebt, währenddessen starke "Angst, Hilflosigkeit oder Grauen" (laut medizinischer Klassifikation ICD-10) verspürt. Es kommt zu einer tiefen Erschütterung des Gefühlslebens, der psychischen Verfassung. Kann der Betroffene die Erschütterung nicht verarbeiten, ist das menschliche Stresssystem mit der Situation wohl überfordert. "Überforderung" ist hierbei kein Zeichen von Schwäche, sondern ein Zeichen dafür, dass das Gehirn sich fortwährend bemüht, das Erlebte zu verarbeiten.

Wie anfällig jemand für ein Trauma ist und wie gut er es verarbeiten kann, hängt von verschiedenen Faktoren ab:

  • individuelle Lebensgeschichte / gesammelte Erfahrungen
  • persönliches Befinden zum Zeitpunkt des Geschehens
  • Umgebung
  • Risiko- und Schutzfaktoren

Was sind die Symptome eines Traumas?

Das mit einem Trauma einhergehende psychische Leiden entsteht durch die Überforderung des eigenen Stresssystems, wie die Deutschsprachige Gesellschaft für Psychotraumatologie (DeGPT) berichtet. Das führt zu einem konstant erhöhten Stressniveau, sogenanntem posttraumatischem Stress (auch: posttraumatische Beschwerden).

In der Regel folgen einem traumatischen Erlebnis folgende drei Phasen:

  • Schockphase (bis zu 1 Woche lang): Der Betroffene ist verwirrt, benommen und vergesslich.
  • Einwirkungsphase (bis zu 2 Wochen lang): Der Betroffene hat das Verlangen, ständig über das Ereignis zu sprechen. Es können Selbstzweifel und -vorwürfe, Depressionen, Hoffnungslosigkeit und Ohnmacht auftreten. Einschlaf- und Gedächtnisstörungen, Albträume, Konzentrationsschwierigkeiten, Erinnerungen an das traumatische Erlebnis treten immer wieder auf.
  • Erholungsphase (3 bis 4 Wochen nach dem Ereignis): Interesse am normalen Leben und Mitmenschen kehrt zurück. Der betroffene denkt wieder positiver an seine Zukunft.

Bei zwei Dritteln aller Betroffenen legen sich diese Traumatisierungen mit der Zeit von alleine bzw. ohne therapeutische Hilfe. Ist das nicht der Fall, kann es zu sogenannten Traumafolgestörungen kommen. Dazu gehören:

  • Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS): Halten posttraumatische Beschwerden über vier Wochen  lang an, spricht man von PTBS. Symptome: (gedankliches) Wiedererleben der Situation (z.B. in Form von Albträumen; "Flash-backs"), bewusste Vermeidung von Umständen, die an das Erlebnis erinnern (auch gedankliche Verdrängung), dauerhafte Übererregung, die den Betroffenen im Alltag einschränkt (z.B. Nervosität, Unruhe, Konzentrationsstörungen, Reizbarkeit, Schreckhaftigkeit, Schlafstörungen, erhöhte Wachsamkeit), Angst- und Panikzustände (etwa das Gefühl, ständig bedroht zu sein), Ärger und Wut (auf sich selbst und / oder die Mitmenschen), depressive Verstimmungen (z.B. Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit bis hin zu Lebensmüdigkeit)
  • Komplexe PTBS: Bei besonders schweren Traumatisierungen, wird das Erleben, Denken, Fühlen und der Umgang mit anderen Menschen beeinträchtigt. Symptome: Schwierigkeiten im Umgang mit unangenehmen Gefühlen (z.B. Ärger, Wut, Trauer), was zu Wutausbrüchen, Selbstverletzungen und / oder Drogenkonsum führen kann; Bewusstseinsveränderungen ("neben sich stehen"); gestörte Selbstwahrnehmung (Isolierung von Mitmenschen, Schuld- und Schamgefühle, geringes Selbstwertgefühl); Misstrauen gegenüber Menschen (u.a. mangelnde Konfliktfähigkeit); Somatisierung (körperliche Beschwerden, für die es keine organische Erklärung gibt, u.a. Erschöpfung, Schwindel, Herz- und Atembeschwerden); Resignation (Werte, Religions- und Lebenseinstellungen, die vor dem traumatischen Erlebnis Halt gaben, erscheinen nun sinnlos)
  • Dissoziative Beschwerden und Krankheitsbilder: "Zerfall" des Zusammenhangs von Wahrnehmung, Bewusstsein, Identitätserleben, Gedächtnis und Körpersteuerung

Wie lässt sie ein Trauma behandeln?

Laut dem Trauma-Informationszentrum kann man unmittelbar nach einer traumatischen Erfahrung folgendes versuchen:

  • Bewegung: Ob Spaziergänge, Laufen, Radfahren oder Schwimmen - durch (maßvolle) Bewegung (nicht überanstrengen!) wird der erhöhte Stresspegel runtergeschraubt
  • Reden / Schreiben: Mit einer vertrauten Person über das erlebte zu sprechen oder das Erlebte aufzuschreiben, hilft, es zu verarbeiten.
  • Routine im Alltag beibehalten: Traumatische Erfahrungen sind eine Form von Chaos. Ein strukturierter Alltag kann beruhigend wirken.
  • Sich Gutes tun: Traumatische Erfahrungen kosten Kraft. Sich zu entspannen (z.B. in der Therme, mit einem Hobby oder Musik) hilft, Energie zu tanken.
  • Entspannen: Meditation, Yoga, Autogenes Training, Muskelentspannung u.Ä. hilft, zur Ruhe zu kommen und mögliche mit dem Trauma einhergehende Schlafprobleme zu reduzieren.
  • weitere Hilfe zur Selbsthilfe findest du hier

Übrigens: "Eine Nacht drüber schlafen" bringt bei traumatischen Erlebnissen nichts, im Gegenteil. Wie eine Studie jüngst bewiesen hat, verfestigen sich die negativen Gefühle im Schlaf und halten anschließend länger an. Schlafentzug kann dagegen u.U. Flashbacks reduzieren, wie eine weitere Studie belegt.

Hilft die Selbsthilfe allein nicht weiter und halten posttraumatische Beschwerden an, sollte man sich professionelle Hilfe suchen. Je nach Trauma-Typ (s.o.) sind für jeden Betroffenen individuelle Behandlungsmethoden möglich. Neben der klassischen Traumatherapie, kann sich auch eine Psychoanalyse, eine Verhaltens-, Gestalt- oder Gesprächstherapie eignen. Unter Experten gilt die Regel: Je früher man nach einem Trauma eine Therapie beginnt, desto kürzer dauert sie (manchmal reichen schon 10 Sitzungen einer Mehrdimensionallen Psychosynamischen Traumatherapie - kurz MPTT - aus).

Des weiteren empfiehlt das Deutsche Institut für Psychotraumatologie (DIPT, hier geht's zum Kontakt) auch Bücher rund um's Thema Trauma.

Wer in einer akuten Krise steckt, kann sich bei der bundesweiten Telefonseelsorge (0800 111 oder 0800 222) kostenlos rund um die Uhr von kompetenten Ansprechpartnern Rat holen. Unter www.telefonseelsorge.de kann man seine Sorgen auch anonym per E-Mail schildern und erhält umgehend Antwort.

Im Video unten: 9 Dinge über Menschen, die Depressionen verheimlichen

 

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