Traumdeutung nach Sigmund Freud: Reise ins Unbewusste

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Traumdeutung verrät uns, was unser Unterbewusstsein uns sagen möchte
Foto: mrPliskin / iStock

Sind Träume deutbar? Und falls ja, was sagen sie über unsere geheimen Wünsche aus? Sigmund Freud sieht sie als Botschaften unseres Unbewussten.

Tiefer als jeder andere Wissenschaftler tauchte Sigmund Freud in die Psyche des Menschen - und in ihre Abgründe.

Seine bahnbrechende Entdeckung: "Der Mensch ist nicht Herr seiner selbst." In Wahrheit sind wir uns vieler unserer Handlungen gar nicht bewusst - und das hat zur Folge, dass wir oft intuitiv Entscheidungen treffen, die wir uns im Nachhinein nicht erklären können. In solchen Momenten hat das Unbewusste - die mächtigste Kraft in uns - das Steuer übernommen. Bis heute konnte sein enormes Potenzial nur ansatzweise entschlüsselt werden.

Kontrollieren wir unser Unterbewusstsein - oder kontrolliert es uns?

Unser Unterbewusstsein ist das, was uns ausmacht. Nur ein Minimum dessen, was unser Gehirn kann, ist bewusst. Der erfolgversprechendste Weg zum Unbewussten ist für Freud die Traumdeutung.

Seine Theorie ist, dass der Träumer zwar äußerliche Reize wie Hunger, Durst oder vielleicht auch das Klingeln des Weckers in seinen Traum mit einbaut und dass außerdem Erlebnisse des Tages sowie bewusste Gedanken eine Rolle spielen. Der Regisseur unserer nächtlichen Filme ist jedoch das Unterbewusste.

In unseren Träumen können wir Wünsche und Triebe ausleben und verarbeiten. Im Schlafzustand ist die "Zensur" des Über-Ich zwar immer noch wirksam, doch nicht mehr so kategorisch wie im Wachzustand. Aber weil der Widerstand des Zensors existent ist, träumen wir oft nicht in unverblümter, klarer Form, sondern verschlüsselt, in Bildern. (Auch spannend: Traumdeutung: Was bedeuten die Bilder im Kopf? )

Eine erfolgreiche Traumdeutung ermöglicht uns einen faszinierenden Einblick in unser Unbewusstes und kann hilfreiche Informationen bei Problemen liefern. Deshalb nannte Freud die Traumdeutung auch die "via regia" - den Königsweg zum Unbewussten.

Hier die wichtigsten Hinweise zur Traumdeutung:

Kondensation: Seperate Gedanken werden komprimiert und zusammengefasst. D. h. die Mutter, die Ehefrau und die Exfrau können als eine einzige Person erscheinen.

Verschiebung: Ein wichtiges Element des Traums wird zu einem unwichtigen gemacht. Beispiel: Wir träumen nicht vom Tod eines Angehörigen, sondern davon, dass sich dieser lediglich verspätet.

Repräsentation: Hierbei werden Gedanken in visuelle Bilder umgewandelt.

Symbolisation: Abstrakte Wünsche und Ideen werden in Traumbilder übersetzt. So werden zum Beispiel Vater und Mutter zu König und Königin, unser Körper wird zum Haus.

Angstbesetzte und Albträume stuft Freud als Folgen eines Fehlers in der Traumverarbeitung ein. Wünsche werden dann nicht erfüllt, das Ich reagiert stark auf die Impulse des Es, es kommt zu plötzlichem Erwachen und Aufschrecken aus dem Schlaf.

Forscher gehen heute noch einen Schritt weiter - sie glauben, dass Albträume eine Art Trainingseinheit für unsere Psyche sind, damit wir lernen, besser mit Gefahren und Ängsten umzugehen. Wenn wir tagsüber eine gefährliche oder angsteinflößende Situation erleben, spielen wir das Ereignis erneut durch, um beim nächsten Mal besser gewappnet zu sein.

Ein Kurs in Träumen

Sogar bislang noch nicht entdeckte Krankheiten können mithilfe der nächtlichen Botschaften unseres Unbewussten rechtzeitig aufgespürt werden: Der sowjetische Psychiater und Traumforscher Vasily Kasatkin hat in den 1980er-Jahren mehr als 10 000 Fälle untersucht. Dabei fand er nicht nur heraus, dass die Patienten von dem entsprechenden Schmerz oder Symptom im Vorfeld träumen - beispielsweise hatte ein Offizier geträumt, dass er im Krieg am rechten Unterbauch verwundet wird. Am nächsten Tag lieferte man ihn mit akuter Blinddarmentzündung ins Krankenhaus ein.

Kasatkin stellte auch einen zeitlichen Zusammenhang zwischen Traumgeschehen und Krankheitsausbruch fest: Bei Beschwerden, die die Haut , den Hals oder die Zähne betreffen, vergehen nur wenige Stunden; bei Bluthochdruck zwei bis drei Monate; bei einem Hirntumor bis zu einem Jahr. Diese Erfahrung bestätigen Forscher der Deutschen Gesellschaft für Neurologie.

Vom Sinn und Unsinn unserer Träume - oder warum Freud richtig lag

Auf den Spuren von Freuds Traumdeutung wandelt auch der an der Universität Kapstadt lehrende Psychoanalytiker und Hirnforscher Mark Solms. Er entdeckte, dass beim Träumen Gehirnregionen aktiv sind, die den Menschen neugierig machen und seine innersten Bedürfnisse regulieren. Die Schwierigkeit, unser Unterbewusstsein zu unserem Vorteil zu nutzen, besteht in der Regel darin, seine Zeichen wahrzunehmen und dann auch zu verstehen.

Sigmund Freud war überzeugt: "Träume sind die Hüter des Schlafs. Sie haben einen Sinn." Die Eigenschaft des Gehirns, die Erlebnisse des Tages in der Nacht wieder aufzurufen, erneut durchzuspielen und zu verarbeiten, können wir dank seiner Forschungsarbeit heute bewusst für unsere Kreativität und Ideenfindung nutzen. Träume sind die Energie des Lebens.

Für Freud waren sie die Eintrittskarte in das unglaublichste Abenteuer seines Lebens. Die Reise in sein Unbewusstes. Letztendlich basieren fast all seine Erkenntnisse auf seiner schonungslos ehrlichen Selbst- und Traumanalyse. Sein Resümee: "Ich darf nicht auf die Liebe vieler Menschen rechnen. Ich habe sie nicht erfreut, getröstet, erhoben. Ich hatte es gar nicht in Absicht, wollte nur forschen, Rätsel lösen, ein Stückchen Wahrheit aufdecken. Dies mag vielen wehe, manchen wohlgetan haben, beides nicht meine Schuld und nicht mein Verdienst."

Text: Christiane S. Schönemann

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