Trennung in Hamburg: Vom Sex mit dem Ex direkt zum nächsten Date

juli sand
Für die Fotos zu diesem Artikel hat Juli Sand das Cover ihres Romans an der Hamburger Alster nachgestellt. Wir finden: Der rote Regenschirm steht ihr richtig gut!
Foto: Mirca Waldhecker

Nach langer Beziehung will Isa endlich wieder frei sein und sich neu verlieben – doch immer wenn es regnet, muss sie an ihre alte Liebe denken.

Ben, Mad oder doch Nils? Die Hamburgerin Juli Sand hat einen hinreißenden Roman über eine junge Frau geschrieben, die versucht, in Hamburg ihren Traummann zu finden.

Sex mit dem Ex, Umzugsstress & die schwierige Suche nach Mr. Right: Isabella Mallee hat ganz schön viel zu tun. Als die junge Hamburger Studentin sich entscheidet, die Langzeit-Beziehung zu ihrem Freund Willi nach zehn Jahren zu beenden, findet sie sich in einem wahren Haifisch-Becken wieder. Die Hamburger Jungs sind unberechenbar, die Diplomarbeit macht ihr ordentlich Stress und dann ist da noch ihre beste Freundin Nuray, eine Türkin, die mit den Traditionen ihrer Familie zu kämpfen hat.

Doch als wäre das alles nicht genug, quält Isabella auch immer wieder diese Frage: War es richtig, einen Mann zu verlassen, den sie noch liebt?

In dieser exklusiven Leseprobe aus dem Roman "Immer wenn es regnet" begegnet Isa ihrem Ex-Freund Willi wieder und erfährt eine schockierende Neuigkeit.

" Immer wenn es regnet " ist im Verlag Schwarzkopf & Schwarzkopf erschienen.

"Ich parke Hugh unter der alten Eiche und fühle mich stark genug, Willi gegenüberzutreten ...

Es war eine gute Idee, mich heute mit ihm zu verabreden; falls ich mich danach down fühle, ist Mad da, der mich auf andere Gedanken bringt. Auf heißere Gedanken. Ich versuche, das kribbelige Gefühl in meiner Magengegend zu ignorieren, und stelle fest, dass Willi unser metallenes Türschild in der Mitte durchgesägt hat. Kotterjahn steht da nur noch, wo vorher Mallee / Kotterjahn stand. Es sieht traurig aus mit diesem ausgefransten Rand, er hätte sich ruhig ein bisschen mehr Mühe geben können.

Wir gehen in die Küche, hier riecht es wie immer, nur intensiver. Eine leichte Kaffeenote mischt sich mit dem Duft aus Sandelholz und Zitrusfrüchten, Willis Parfum. Die Küche sieht aufgeräumt aus, die blau-weiß gemusterten Kaffeebecher stehen im Schrank, nicht in der Spüle; das Brot liegt im Brotkasten und nicht daneben und die Filtertüten stecken in der dafür vorgesehenen Dose mit den Herzchen darauf, die Willi mir mal zum Valentinstag geschenkt hat.

Um erst gar keine falschen Gedanken aufkommen zu lassen, falle ich gleich mit der Tür ins Haus und sage ihm, weshalb ich hergekommen bin. Mit einem Handgriff liegen die Fotos von Ronja, Karen und Yvette auf dem Tisch. Ich habe sie auf einer Online-Dating -Seite für Willi ausgesucht.
„Du hast was?“, sagt Willi, und ich brauche einen Moment, um zu überlegen, was ich jetzt sagen soll. „Der Küche hat mein Auszug gut getan“, sage ich, „so ordentlich war es sonst nie.“
„Das ist ja wohl nicht dein Ernst“, sagt Willi, und ich weiß, dass er damit nicht die Ordnung meint.
Vor uns auf dem Tisch ausgebreitet liegen Ronja, Karen und Yvette und grinsen uns an.
„Denkst du, ich kriege ohne deine Hilfe keine mehr ab, oder was?“

Wie Willi das sagt und mir den Rücken zukehrt, muss ich mit den Tränen kämpfen. Sein vertrauter Duft macht mir am meisten zu schaffen, aber auch die Art, wie er leicht die Schultern hochzieht; ich stelle mir den verletzten Gesichtsausdruck vor, den er jetzt macht. Am liebsten würde ich ihn umarmen und nicht mehr loslassen. Willi atmet tief durch und strafft seine Schultern. „Okay“, sagt er und dreht sich zu mir um. Erst jetzt wird mir bewusst, dass er einen Dreitagebart trägt.
„Okay, Bella, dann lass uns mal sehen, was die Damen sonst noch so zu bieten haben.“ Er geht ins Wohnzimmer, kommt mit seinem Notebook unter dem Arm zurück und schlägt es auf.
„Was wird das?“, frage ich.
„Facebook. Wir schauen uns jetzt mal an, was die auf Facebook posten, und dann entscheiden wir, mit welcher ich mich treffe.“ Willi setzt sich neben mich und klickt sich in Windeseile durch verschiedene Seiten. Er muss in letzter Zeit viel im Netz gesurft haben, seine Finger fliegen nur so über die Tastatur. Ich wundere mich, wie schnell er meinen Vorschlag akzeptiert, gerade so, als hätte er nur darauf gewartet, dass ich mich mit Ronja, Karen und Yvette um die Ecke komme. Es ist schön, neben ihm zu sitzen, sein vertrautes Profil zu betrachten, seinen Duft einzuatmen, den ich schmerzlich vermisst habe, wie ich jetzt spüre. Ich schließe die Augen und atme tief ein.

„Ich hatte Sex mit Kristina“, sagt er. „Eigentlich wollte ich gar nicht, aber Kristina hat mich auf diese Party geschleppt und zu viel getrunken. Im Auto hat sie mir einen geblasen und dann wollte sie unbedingt mit hochkommen. Ihre Brüste sind riesig, aber nicht so schön wie deine. Ich habe meinen Schwanz dazwischen gelegt und sie hat ihn geleckt, danach habe ich sie hier auf dem Küchentisch gevögelt, von hinten. Kristina steht auf so Filmchen, sie wollte unbedingt, dass wir Filmchen gucken.“

„Kristina?“, sage ich und die Bilder in meinem Kopf überschlagen sich. „Deine Kollegin? Wieso erzählst du mir das?“
„Weil es dir dann vielleicht besser geht. Du machst dir ja anscheinend Sorgen um mich, sonst hättest du das hier“, Willi hält Ronjas Profil hoch, „nicht mitgebracht.
„Kristina“, sage ich fassungslos.
„Sie war ja immer schon scharf auf mich. Sie steht total auf Filmchen.“

Willi klickt auf eine Website und plötzlich geht ein Fenster auf. Ein Fenster mit einer dunkelhaarigen Frau zwischen zwei Männern. Geschockt starre ich auf den Bildschirm. Die Frau hockt auf dem erigierten Schwanz eines Typen, während ein anderer hinter ihr steht und sie anal nimmt. Alle drei keuchen, Willi stellt den Ton leiser. „Gefällt dir das?“, fragt er.

Ich bin wie erstarrt, kann nichts tun, als auf den Bildschirm zu glotzen. Das Ganze hier kommt mir total surreal vor, wie in einem David-Lynch-Film. Neben mir sitzt Willi, der Mann, den ich seit zehn Jahren kenne. Ich betrachte ihn von der Seite, ich höre seine Stimme, ich atme seinen Duft und kann es nicht fassen. Er ist derselbe und ist es wieder doch nicht.

Ich will etwas sagen, will wegschauen, weglaufen, doch die Vorstellung, dass Willi es mit einer anderen treibt, mit einer Frau, die sich an solchen Filmen aufgeilt, macht mich irgendwie an. Ich will das alles gar nicht, die ganze Situation hier und was sie mit mir macht, es geschieht einfach. In mir kippt etwas, ich spüre die Hitze auf meinen Wangen und in meinem Bauch, in meiner Vagina beginnt es zu kribbeln.

Einmal war Kristina mit am Baggersee – sie hat birnenförmige, schwere Brüste. Bestimmt sind ihre Brustwarzen groß und weich und blassrosa. Ich stelle mir vor, wie Willi seinen steifen Schwanz dazwischen legt. „Hör auf“, sage ich und gehe zur Tür. „Würdest du gern mal von zwei Typen gefickt werden? Manchmal stelle ich mir das vor.“ Willi steht plötzlich hinter mir und umschlingt mich mit seinen Armen. „Bella …“, stöhnt er. Er hält mich ganz fest, und das Ziehen in meinem Bauch wird stärker. „Was tust du …“ Willi berührt meine Brüste, und ich habe das Gefühl zu fallen. Ich versinke in seinem Duft, in seinen Armen. Seine Hände umfassen meinen Hintern. Ich drücke mich an den Türrahmen und schließe die Augen. Was passiert hier?

Willi fasst meine Haare im Nacken zusammen und küsst meinen Hals. Ich habe das Gefühl zu zerfließen. Er presst meine Pobacken zusammen und knetet sie, er küsst meinen Nacken und beißt dabei leicht zu. Ich stöhne. Seine Finger massieren meinen Hintern, und ich spüre, wie ich feucht werde. „Dein kleiner fester Arsch“, sagt er, öffnet meinen Reißverschluss und fährt mit beiden Händen unter meine Jeans.

Willi schiebt einen Finger unter meinen Tanga, er flutscht in mich hinein. „Bist du so nass? Bella, ich will dich.“ Er knetet weiter meinen Po und ich platze gleich vor Erregung. Willi streift mir Jeans und Slip von den Beinen. Ich höre, wie sein Gürtel zu Boden fällt. Als er aus seiner Hose steigt, merke ich, dass es kein Zurück mehr gibt. Das hier passiert wirklich, selbst, wenn es eine Stopptaste gäbe, hätte ich nicht die Macht, sie zu drücken. Es ist zu unwirklich, als das ich irgendetwas dagegen tun könnte.

Willi presst sich von hinten zwischen meine Beine, ich spreize sie und drücke mich am Türrahmen ab. Für eine Nanosekunde spüre ich einen heißen Schmerz, als er in mich eindringt, dann erfüllt mich pure Lust. Willis Finger wandern zu meiner Klitoris, während er sich vor und zurück schiebt. Er reibt meinen Kitzler immer schneller, seine Stöße werden heftiger. Unsere Körper sind berauscht, berauscht von einer fremden Vertrautheit, einer vertrauten Fremdheit. Zum ersten Mal kommen wir gleichzeitig.

Als wir gemeinsam aus der Dusche steigen und Willi meinen Rücken abrubbelt, fange ich an zu heulen. „Am liebsten würde ich heute Nacht hier bleiben“, sage ich und presse mein Gesicht an seine leicht behaarte Brust. „ich denke nicht, dass das gut wäre.“ Willi reicht mir meinen BH. „Ich würde mich ganz schnell wieder an dich gewöhnen, und wenn du dann wieder gehst, wäre alles noch viel schlimmer.“ Als wir wieder vollständig angezogen sind, sitze ich in der Küche und trinke ein Glas Wasser. „Was war das eben?“, sage ich. „Das war spontaner, geiler, egoistischer Sex“, sagt Willi.

Als wir uns verabschieden, umarmen wir uns lange. Willis Dreitagebart kitzelt in meinem Gesicht, und wir weinen. Wir wissen, wir haben beide eine Menge Fehler gemacht; wir wissen, wir werden uns nie aus den Augen verlieren, aber wir wissen auch, dass es vorbei ist ...

[...]

Scheiße, Mann. Ich habe keine Ahnung, wie das mit Willi passieren konnte, und keine Ahnung, was ich jetzt machen soll. Was tut man, wenn gerade Sex mit seinem Ex hatte und gleich darauf auf dem Weg zu einem Date ist?"

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Weiter geht's in Julis Buch "Immer wenn es regnet".

3 Fragen an die Autorin Juli Sand

"Wenn er mit dir lacht und mit dir weint, wenn er dich mit all deinen Makeln vergöttert, dir das Gefühl gibt, du bist die Einzige für ihn und wenn er für dich da ist, obwohl Bundesliga läuft, dann könnte er Mr. Right sein."

Juli, was meinst du - sollte man einen Mann verlassen, obwohl man ihn noch liebt?

Juli Sand: "Wenn die Leidenschaft in der Beziehung verloren gegangen ist, so wie bei Isa und Willi im Roman, dann sollte man zunächst versuchen die Gründe hierfür herauszufinden und durch Gespräche und das klare Artikulieren der eigenen Wünsche versuchen, dies zu ändern. Wenn das alles nichts bringt, sollte man auf seinen Bauch hören und eine mutige Entscheidung treffen. Mut lohnt sich – auch in der Liebe."

In deinem Buch wird Nurays Schwester zu einer Vernunftehe gezwungen. Was hältst du von arrangierten Ehen?

"Arrangierte Ehen sind leider in vielen Kulturen noch immer an der Tagesordnung. Sicher gibt es auch Paare, bei denen dieser Weg funktioniert, ich persönlich könnte mir allerdings nicht vorstellen, mit einem Mann zu leben, den meine Eltern für mich ausgesucht haben. Meine Mutter wollte früher unbedingt, dass ich mich mit unserem Nachbarjungen anfreunde, weil er das einzige Kind in meinem Alter im Dorf war – das ging damals schon gründlich in die Hose…"

Isa tut sich sehr schwer, ihren Mr. Right zu finden. Was meinst du, woran erkennt man seinen Traummann?

"Im Buch gibt es zu diesem Thema ja den Schokoriegelvergleich (S. 11 im Buch: "Es gibt wahnsinnig viele Schokoriegel auf der Welt und man muss eine Menge naschen um herauszufinden, welcher am besten schmeckt.") und ich finde, da ist was dran. Und woran erkennt man nach der ganzen Nascherei seinen Traummann ? Wenn er mit dir lacht und mit dir weint, wenn er dich mit all deinen Makeln vergöttert, dir das Gefühl gibt, du bist die Einzige für ihn und wenn er für dich da ist, obwohl Bundesliga läuft, dann könnte er Mr. Right sein."

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