Trennung: Trotzdem Wohnung teilen?

trennung trotzdem zusammen wohnen h
Trotz Trennung zusammen wohnen? Karin hat dafür entschieden.
Inhalt
  1. Sollte man nach einer Trennung trotzdem eine Wohnung teilen?
  2. Eifersucht und Leidenschaft haben sich leise verabschiedet
  3. Gute Eltern statt schlechtes Liebespaar
  4. Die Kinder sollen ihren Vater behalten

Sollte man nach einer Trennung trotzdem eine Wohnung teilen?

Karen hat sich von ihrem Mann getrennt - möchte aber trotzdem weiter mit ihm eine Wohnung teilen. Hier erklärt sie ihre ungewöhnliche Entscheidung.

Egal ob Trennung oder Scheidung - wenn eine Liebe zu Ende geht, braucht es normalerweise eine neue Wohnungsituation. Doch normal ist nicht für jeden das Beste. Karin (47) hat beschlossen, trotz emotionaler Trennung von ihrem Mann weiter mit ihm zusammen zu wohnen. Hier erklärt sie ihre Entscheidung.

***

"Was, ihr habt euch getrennt? Wieso? Ihr seid doch so ein tolles Paar!" Diese Sätze habe ich nach meiner Trennung vor einem Jahr öfter gehört. Und dann versucht zu erklären, wie es sein kann, dass man - obwohl man kein Liebespaar mehr ist - trotzdem zusammen bleibt.

Auch darauf gibt es die immer gleichen Kommentare: "Also, das könnte ich nicht. Wieso schmeißt du ihn nicht einfach raus?" Meine Antwort ist: Unsere Beziehung ist nicht an zermürbenden oder andauernden Streitereien zerbrochen, es gab und gibt auch keinen Vertrauensbruch und keine Verletzungen.

Warum also sollten wir jetzt auseinander ziehen?

Nur weil sich unsere Liebe - wie bei vielen anderen Paaren auch - nach fast 17 gemeinsamen Jahren heimlich davongeschlichen hat?

Eifersucht und Leidenschaft haben sich leise verabschiedet

Glücklicherweise erging es uns beiden genau gleich.Wir beide mögen uns, wir respektieren uns, aber wir begehren einander schon lange nicht mehr. Damit kamen uns auch hochemotionale Gefühlsaufwallungen wie Eifersucht und dieses sehnende Vermissen abhanden. Unmerklich richtet man sich zwischen Karriere und Kindern in dem Täglich-grüßt-das-Muttertier-Alltag ein.

Bis auf einmal die Erkenntnis in das Bewusstsein sickert, dass etwas Entscheidendes verloren gegangen ist. Dazu passt folgendes Zitat, das mir heute beim Wühlen im Internet begegnet ist: "Man sollte nicht den Tod fürchten, sondern das schlechte Leben..." Im Kern ist genau das der Gedanke, der mich mit Mitte 40 zur emotionalen Trennung ermutigt hat. Und dazu, nicht um jeden Preis an etwas festzuhalten, das nicht viel mehr als eine hohle Fassade ist.

Wer weiß, vielleicht ist das, was wir hier machen, die innovativste Form des Paarseins? Mit Sicherheit aber ist es eine sehr ehrliche Form. Wir wohnen zusammen, essen gemeinsam und verreisen mit den Kindern . Er repariert die Lampe, ich wasche seine Sachen, wir schlafen getrennt. Sonst geht jeder seiner Wege. Will ich übers Wochenende weg, bleibt er bei den Kindern. Genauso übernehme ich, wenn er für ein paar Tage verschwindet.

Gute Eltern statt schlechtes Liebespaar

Ob er andere Frauen trifft? Weiß ich nicht, ist mir auch egal. Bei uns wird nichts aufgerechnet oder übel genommen. Okay, manchmal flippe ich doch noch mal aus. Es geht um die berühmten herumliegenden Socken, die ich jetzt noch weniger bereit bin aufzuheben. Wir arbeiten noch daran, ein perfektes Elternteam statt ein falsches Liebespaar zu sein. Das gelingt ganz gut, weil wir keine Erwartungen mehr haben, die enttäuscht werden könnten. Wir sprechen uns ab, teilen auf und funktionieren.

Natürlich stecken hinter unserer Entscheidung, weiter zusammenzuleben, auch Bequemlichkeit und die Scheu, den Kindern die Wahrheit zu sagen. Wir haben darüber gesprochen, ob wir es ihnen sagen sollen, haben uns momentan aber dagegen entschieden. Ich bin selbst ein Scheidungskind und erinnere mich genau, was ich mir damals am sehnlichsten gewünscht habe: dass meine Eltern sich gut verstehen und zusammen sind. Ob sie sich "lieben", war mir egal.

Unsere Jungs haben den schleichenden Prozess unserer Entpaarung erlebt - und stillschweigend hingenommen. Sie kennen uns nicht als ein heftig streitendes Paar, aber auch nicht als innig verliebtes. Für sie zählt, dass sie auf keinen von uns verzichten müssen. Das können wir ihnen bieten.

Die Kinder sollen ihren Vater behalten

Ob das ewig so weitergeht, weiß ich nicht. Für mich steht im Moment fest, dass ich meinen 13 und 16 Jahre alten Söhnen keinen neuen Papa präsentieren möchte. Und selbst wenn ich mich verlieben sollte, würde ich unser " Familienmodell " gern von der neuen Beziehung trennen. Meine Idee von Liebe hat sich verändert. Wenn es nach mir ginge, dann sollte sie ohne den Alltag auskommen, der unserer Beziehung so geschadet hat.

Und wenn mein Ex sich wieder verliebt? Keine Ahnung, dann werden wir die Karten neu mischen und ein neues Modell für uns vier finden müssen. Irgendwann, wenn es die Kinder interessiert, erzählen wir ihnen von unserer Liebe, den großartigen gemeinsamen Jahren und davon, wie wir uns erwachsen und ohne Groll wieder auseinander dividiert haben.

Ich bin sicher, sie werden das gut aufnehmen. Schließlich werden wir zwei für immer die Eltern sein, die ihre Kinder lieben. Das ist ein Bund für die Ewigkeit.

*Name von der Redaktion geändert

Weiterlesen: Angst: Darum bekommen wir keine Kinder mehr

Kategorien: