Udo Jürgens: Das Alter schenkt uns wunderbare Jahre!

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Udo Jürgens
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Redaktionsbesuch

Beim Redaktionsbesuch in Hamburg sprach Udo Jürgens (76) so offen wie nie über das Älterwerden.

Sie singen auf Ihrem neuen Album wieder von der Liebe...Udo Jürgens: ... und spreche dabei keinen einzelnen Menschen an. Nur die Liebe! Ich bin ihr zu Dank verpflichtet, denn sie hat mein Leben bereichert. Ich habe mich oft verliebt, und es ist oft schiefgegangen. Aber ich war nie böse danach, sondern dankbar für diese Zeit.

Wie ist das heute?Udo Jürgens: Heute bin ich alt. Und ich empfinde es daher leichter, denn ich bin nicht mehr abhängig von der Liebe. Als junger Mensch war ich süchtig nach Erotik und Anerkennung. Das ist heute anders, denn ich bin vernünftig geworden.

Was meinen Sie damit?Udo Jürgens: Ich bin im Alter von einer größeren Ruhe und Stille erfüllt, was es mir leichter macht, mich auf das Wesentliche zu konzentrieren. In den 60er- und 70er-Jahren war noch die Hölle los, und ich habe die Musik vernachlässigt, um mich mit Frauen in Bars zu treffen. Heute dagegen habe ich mehr Ruhe und Kraft zum Komponieren.

Das klingt ja fast wie eine Liebeserklärung an das Älterwerden.Udo Jürgens: Warum denn auch nicht? Das Alter schenkt uns wunderbare Jahre, und ich genieße jeden Moment davon.Aber warum haben dann viele Menschen Angst davor?Udo Jürgens: Weil das Alter bei uns oft wie eine Krankheit behandelt wird. Ein Mensch, der älter wird, wird von der Gesellschaft oft als krank gesehen, nur weil die Schritte schwerer werden und vieles nicht mehr so gut geht. Aber dagegen kann man sich wehren, indem man die letzte Phase seines Lebens ganz bewusst lebt.

Wie soll das funktionieren?Udo Jürgens: Man muss im Einklang mit sich und seinem Alter sein und das Alter anerkennen. Denn auch wenn der Körper abbaut, gewinnen wir mit den Jahren an Weisheit. Wenn man dann von der Kraft her nicht mehr mit der Jugend mit- halten kann, muss man sich auf das Denken besinnen. Dann kann man noch viele wunderbare Jahre erleben. Und dann kann man in Würde alt werden, wie ich bei mir gerade feststelle.

Sie arbeiten auch mit 76 noch. Was raten Sie Menschen, die mit 65 plötzlich in Rente gehen?Udo Jürgens: Dass es auch mit 65 noch früh genug ist, eigene Entscheidungen zu fällen. Man kann, egal wie alt man ist, sein Leben noch ändern. Man muss nur den Mut dazu haben! Wenn man zum Beispiel mit seiner Wohnung unzufrieden ist, dann sollte man das ändern, sich vielleicht was im Grünen suchen! Und ich rate auch allen älteren Menschen: Geht los, beteiligt euch an Gesprächen mit jungen Leuten. Schon solche kleinen Dinge bewahren uns davor, in diese Altersstarre zu fallen. Wir wollen doch alle das Leben genießen …

… wie Sie es in Ihrer Rolle als Opa tun.Udo Jürgens: Ja, und ich finde es wunderbar. Mit meinen Kindern Jenny und Jonny verbindet mich eine unendliche und tiefe Liebe. Und dass John mit seiner koreanischen Frau Kinder hat, finde ich großartig. Asiatische Enkelkinder sind doch toll! Jasmin (12) und Dennis (11) sind freundlich, intelligent und aufgeweckt. Und auch die kleine Lilly (1) ist wirklich süß und lieb!

Wie ist Udo Jürgens als Großvater?Udo Jürgens: Nicht so, wie man sich das vielleicht vorstellt. Ich bin nämlich kein Märchen erzählender Opa mit Rauschebart, wo man mal eben über das Wochenende die Enkel „parkt“. So etwas geht bei mir nicht, denn wir haben alle eigene Leben. Doch trotzdem haben wir einen engen tele-fonischen Kontakt und besuchen uns, wenn es die Zeit zulässt.

Beruflich haben Sie längst alles erreicht. Doch könnten Sie sich ein Duett mit Deutschlands Schlager-Prinzessin Helene Fischer vorstellen?Udo Jürgens: Absolut. Sie singt exzellent und sieht dazu noch bezaubernd aus. Natürlich müssten wir schauen, wie das musikalisch und textlich passt, aber vom Gesang her ist es vorstellbar für mich.

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