Über das Glück: Deepak Chopra im Interview

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Foto: (c) Getty Images

"Du bist dein Universum"

Deepak Chopra (67) ist Internist und Ayurveda-Mediziner zugleich. Er vertraut sowohl der modernen Wissenschaft als auch fernöstlichen Weisheiten. Im Interview wird jedoch klar, dass er vor allem aber seinem Herzen folgt.

Erstes Chakra: Familie und Wurzeln

Wie Meine Familie Herzensgüte lebte

Ich erinnere mich noch genau, wie ich um meinen kleinen Bruder Sanjiv bangte. Ich war sieben. Meine Eltern befanden sich für ein paar Wochen in England. In dieser Zeit starb mein Großvater. Sanjiv bekam plötzlich furchtbare Hautprobleme. Niemand konnte ihm helfen. Bis einer der Ärzte schließlich sagte: „Er fühlt sich verwundbar. Verletzt. Wenn eure Eltern zurück sind, wird es ihm wieder gut gehen.“ Von England nach Indien – das dauerte damals drei Wochen mit dem Schiff. Doch tatsächlich: Sanjiv wurde gesund. Und ich sah zum ersten Mal, dass unser Körper und unsere Seele irgendwie miteinander verbunden sind. Es sollte mich nie mehr loslassen …

Ich wuchs in einer Familie auf, die von Güte, von Lächeln geprägt wurde. Meinen Vater Krishan habe ich kein einziges Mal zornig oder aufgebracht erlebt. Er wurde dank eines Stipendiums in England zum Herzspezialisten ausgebildet; der erste in Indien. Wir lebten in Jamalpur, doch die Patienten kamen aus dem ganzen Land. Am Wochenende behandelte er sie kostenlos. Meine Mutter kochte für diejenigen, die ihr letztes Erspartes für diese Reise zusammengekratzt hatten. Vater kaufte ihnen die Rückfahrkarte. Ja, ich war noch ein Kind, aber ich spürte, dass hier etwas Außergewöhnliches, Selbstloses vor sich ging. Meine Eltern ermutigten mich, den Sinn meines Daseins zu finden – und ihn auch zu leben. Mich nicht durch die Meinung anderer von meinem Weg abbringen zu lassen. Sie lehrten mich, authentisch zu sein, wahrhaftig.

Das bedeutet, meine eigenen, meine inneren Gegensätze in Einklang zu bringen. Nur wenn mir das gelingt, wenn ich mich annehmen kann, wie ich bin, gewinne ich Großzügigkeit und Wärme. Meine Eltern besaßen beides gleichermaßen – dafür habe ich sie geliebt.

Zweites Chakra: Lust und Verlangen

Treue ist wichtig – mir selbst gegenüber

Als ich 14 war, verliebte ich mich in nahezu jedes Mädchen. Ich kann gar nicht mehr genau sagen, wann ich meine Sinnlichkeit zum ersten Mal entdeckt habe. Sie hat sich behutsam entfaltet: wie die Knospen der Blätter an einem Baum. Im Laufe meines Lebens aber habe ich erkannt, dass aufrichtige Freundschaft viel wichtiger ist als Sex. Denn sie verfolgt kein Ziel – Sex schon. Treue? Halte ich für wichtig. Meiner Ansicht nach heißt Treue aber vor allem, sich selbst und seinen Werten treu zu bleiben.

Drittes Chakra: Energie – die Kraft aus der Mitte

Auf dem Weg zu meiner inneren Quelle

Meditieren – das war für mich ein Sprung in eine andere Welt . Ich begann sofort, mich leicht zu fühlen. Strahlend. Unabhängig. Wenn Du meditierst, bist Du auf dem Weg zu Deinem inneren Gott. Deinem höheren Selbst. Ich tanke dabei Kraft. Auch meine Frau und meine Kinder meditieren – seitdem ist unser Alltag frei von jeglichen Dramen. Wir alle sind ausgeglichener. Gelassener. Vor ein paar Jahren, es war in Louisville, Kentucky, da geriet ich in einen Überfall. Jemand hielt mir eine Waffe an die Schläfe. Er hatte den Finger am Abzug, seine Hand zitterte. Ich sah dem Tod ins Auge. Dennoch blieb ich zu meinem Erstaunen innerlich völlig ruhig, gab ihm das Bargeld, das ich im Portemonnaie hatte, und versprach, nicht die Polizei zu rufen. Mir ist nichts passiert. Was mich gerettet hat? Ich hatte meinem höheren Selbst vollkommen vertraut. Dann kann einem das Böse keine Angst machen. Doch Meditieren, Stille, vermag noch so viel mehr: Es ist auch meine Quelle der Intuition, der Kreativität, der Fantasie und des Erkennens.

Ich kann nur Einsicht gewinnen, wenn ich in mich hineinsehe. Also mache ich alle drei Monate eine Schweigewoche. Und ich beginne jeden Tag mit einer zweistündigen Meditation. Öffne mein Herz und meinen Geist und sage: „Lass heute etwas Unvorhergesehenes geschehen.“ Ich möchte die Menschen, Situationen und Umstände annehmen, wie ich sie vorfinde – ohne mich von meinen eigenen Erwartungen (ab-)lenken zu lassen. Zu Bett gehe ich meistens gegen 22 Uhr, schlafe eine halbe Stunde und meditiere danach eine halbe Stunde. Und das geht die ganze Nacht so. Ich fühle mich so niemals müde oder leer; kenne keine Erschöpfung. Obwohl ich ein sehr geschäftiges Leben führe und viel reise. Allerdings behalte ich immer die wesentlichen Dinge des Lebens im Blick: Energie, Liebe und Zeit. So viele Menschen verbringen so viel Zeit ihres Lebens damit, viel Geld zu verdienen, damit sie gesund und glücklich sind. Während sie dem Erfolg nachrennen, werden sie vor lauter Stress krank. Ein Wahnsinn! Wir müssen wieder lernen, nur eine Sache zu tun. Sobald wir etwas „nebenbei“ machen, verlieren wir Energie. Was wir im Alltag gern vergessen: Leben ist vergänglich – wie ein Blitz am Himmel. Und Vergängliches ist kostbar, weil es von außerordentlicher Schönheit ist. Wir erfreuen uns eher an duftenden Rosen denn an Plastikblumen, obwohl sie länger halten. Je vergänglicher, desto schöner: Deshalb versuche ich, meinem Leben jeden Tag die größtmögliche Achtsamkeit zu schenken.

Viertes Chakra: Liebe

Liebe – das ist, sich im anderen zu erkennen

Liebe ist mehr als eine Stimmung, mehr als ein Gefühl – sie ist die Wahrheit im Herzen des Universums. Die Kraft, die alles vereint. Es gibt verschiedene Ingredienzen der Liebe: Friede, Einklang, Mitgefühl, Freude. Wenn Du jemanden liebst, findest Du den Mut zu sagen: „Du bist mein Spiegel.“ Du schaust in die Augen des geliebten Menschen und akzeptierst, was Du siehst – auch Deine Unzulänglichkeiten. Sie erscheinen Dir auf einmal gar nicht mehr so schlimm, weil Du Dich von der Liebe getragen fühlst. Meine Liebe gehört Rita. Sie ist der Anker in meinem Leben. Wir sind seit über 40 Jahren verheiratet. Von ihr lernte ich alles über das Selbstwertgefühl. Dieses Gefühl, wenn Deine Augen strahlen, weil Du in Dir ruhst. Dich magst. Mit Dir zufrieden, im Reinen bist. Rita leuchtet aus ihrer Seele. Wir streiten nicht miteinander. Denn der Hauptgrund für Streit in einer Beziehung ist Selbstverliebtheit, Egoismus. Deshalb fällt es manchem so schwer, Kompromisse zu schließen.

Es bedarf der Selbstreflexion, um eigene Fehler zu erkennen und daran zu wachsen. Liebe hat für mich etwas von Ferien – Partnerschaft, Ehe vergleiche ich gern mit der Schule. Der Alltag kann manchmal mühsam sein. Du brauchst eine gewisse Beharrlichkeit. Es gibt Konflikte, Enttäuschungen – aber auch unendliche Glücksmomente. Das Geheimnis meiner Ehe? Tolerant sein und unvoreingenommen, Vergeben können und: absolute Fürsorge – allerdings ohne den anderen zu kontrollieren.

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