Überflüssige Operationen: Wieso viele Eingriffe unnötig sind

unnoetige operationen
Die Zahl der Operationen steigt - dabei erweisen sich viele als überflüssig.
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Wieso Gesundheit und Geldgier sich nicht vertragen

Immer häufiger raten Ärzte zu Operationen – obwohl diese in manchen Fällen nicht nur überflüssig, sondern sogar schädlich sein können. Bei folgenden Eingriffen sollten sich Patienten besonders gut informieren.

Bei Schmerzen in der Hüfte, Kniegelenken oder am Rücken lautet der Behandlungsvorschlag allzu oft: OP. Ein Eingriff soll Beschwerdefreiheit garantieren – eine Hoffnung, über die sich viele Patienten vorschnell operieren lassen. Umso größer ist die Enttäuschung, wenn sich die Operation später als unnötig oder schlimmstenfalls sogar schädlich herausstellt. Jährlich werden allein in deutschen Krankenhäusern 17,6 Millionen Operationen durchgeführt. Ambulante Eingriffe sind in diesen Zahlen nicht eingeschlossen.

Unnötige Operationen gegen Gelenkverschleiß

Ein Beispiel sind Athroskopien gegen Gelenkverschleiß, denen sich unzählige Patienten jährlich unterziehen. Studien konnten jedoch keine eindeutige Besserung der Beschwerden nach dem Eingriff feststellen. Trotzdem wird er weiter empfohlen.

Gleiches Szenario, anderer Körperteil: Mit etwa 284 Fällen auf 100.000 Einwohner werden in Deutschland etwa 1,4 Mal so viele Hüftprothesen implantiert als in den USA. Das geschieht, obwohl im Nachhinein häufig festgestellt wird, dass die Ursache auch physiotherapeutisch hätte behoben werden können.

Was Ärzte nur selten beachten: Nicht bei jeder Diagnose gilt die gleiche Therapie. Maßnahmen sind genauso unterschiedlich wie Menschen, sie müssen auf den Patienten abgestimmt werden. Darauf nehmen allerdings nur wenige Ärzte Rücksicht. Sie empfehlen vorschnell eine Operation.

Zudem geht mit jeder Operation ein Risiko einher. Darüber müssen Ärzte ihre Patienten zwar aufklären – ein solches Gespräch wird allerdings häufig gehetzt und zu schnell geführt, so dass kaum Zeit für die Verarbeitung der Informationen bleibt. Es wird unterschrieben und den Ärzten blind vertraut. Das gilt nicht nur für Hüftoperationen.

Grundlose Rückenoperationen

Innerhalb der letzten zehn Jahre hat sich die Anzahl der Wirbelsäuleneingriffe verdoppelt – auf 735.000 Operationen jährlich. Aus diesem Grund gilt insbesondere für geplante Rückenoperationen: Eine Zweitmeinung einzuholen ist heutzutage unerlässlich. Viele Patienten begegnen ihrem Arzt mit vollem Vertrauen – was sie in einem gewissen Maße auch müssen. Trotzdem sollte nicht gezögert werden, sich erneut bei einem anderen Mediziner vorzustellen. Denn allzu oft steht ein anderes Motiv hinter der Operation, als die Genesung des Patienten. Was man nicht vergessen darf ist, dass auch Krankenhäuser in erster Linie Unternehmen sind, die somit auf ein Ziel hinarbeiten: Profit.

Der Grund für unnötige Operationen: Geld

Eine Operation kostet Unmengen an Geld. Davon spricht im Behandlungszimmer allerdings kaum jemand. Im Vordergrund steht hier die Beschwerdefreiheit des Patienten – nur dass Studien zufolge diese durch viele Rückenoperationen nur kurzzeitig gewährleistet ist. Eine langfristige Besserung ist nicht immer der Fall, nach einigen Jahren weisen operierte Patienten wieder die gleichen Beschwerden auf wie konservativ therapierte.

Als Ursache für den Anstieg der durchgeführten Operationen wird das 2003 eingeführte DRG-System gehandelt. Krankenkassen zahlen seitdem eine Fallpauschale für medizinische Leistungen. Die Kosten sind transparent einsehbar, ein Grund wieso mit Blick auf die Erlöstabelle gerne eine weitere Behandlung angesetzt wird, die in manchen Fällen jedoch gar nicht nötig wäre.

Auffällig ist folgende Beobachtung: Seit Einführung der Fallpauschalen ist insbesondere die Anzahl kostspieliger Operationen rasant angestiegen. Gleichzeitig erhalten viele Chirurgen Boni für durchgeführte Eingriffe – ein weiterer Faktor, der die Entscheidung für eine Operation auf Ärzteseite nicht länger objektiv gestaltet. Mediziner müssen sich zwischen der bestmöglichen Behandlung ihrer Patienten, oder aber dem eigenen finanziellen Ruin wählen.

Man sollte meinen, dass die Gesundheit des Patienten immer an erster Stelle steht. Leider ist dies bei profitorientierten Krankenhäusern nicht immer der Fall. Deswegen sollte sich jeder vor einer bevorstehenden Operation ausführlich informieren und gegebenenfalls weitere Meinungen einholen, bevor er sich tatsächlich für den Eingriff entscheidet.

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(ww4)

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