Ulrich Meyer holt seine einsame Mutter zu sich

ulrich meyer h

Der „Akte“-Moderator im Interview

Die Tipps und Ratschläge, die Moderator Ulrich Meyer jede Woche in seiner SAT.1-Ratgeber-Sendung „Akte“ gibt, haben uns oft geholfen. Auch im Privatleben hat er ein großes Herz – für seine alte, einsame Mutter (88).

Wie kümmern Sie sich um Ihre Mutter Rosemarie?Ulrich Meyer: Wir telefonieren regelmäßig, mindestens zweimal die Woche und unverrückbar fest jeden Sonntag. Seit dem Tod meines Vaters vor zwei Jahren sehen wir uns auch häufiger. Ich fühle mich für sie verantwortlich.Ihre Mutter lebt in Osnabrück, Sie wohnen aber in Berlin…Ulrich Meyer: Ja, und deshalb haben wir gemeinsam gerade die Entscheidung getroffen, dass sie zu uns kommt. Meine Mutter wird bald in unserer Nähe leben. Fürs Alleinsein ist niemand gemacht. Vereinsamung ist das Schlimmste, was es für ältere Menschen gibt.Nicht nur Ihr Vater, auch Ihr Bruder Stephan starb. Wie verarbeiten Sie diese Verluste?Ulrich Meyer: Mein Vater starb mit fast 90, hatte ein erfülltes Leben. Aber mein Bruder wurde mit 51 aus dem Leben gerissen. Er war voller Kraft, voller Hoffnung. Das ist sehr schwer für mich.Und für Sie speziell?Ulrich Meyer: Für mich als Älteren fühlt es sich schlicht falsch an, wenn der Jüngere früher stirbt.Tragen Sie jetzt Verantwortung für seine fünf Kinder?Ulrich Meyer: Schon als Patenonkel eines der Kinder bin ich natürlich schon aufgerufen, mich zu kümmern, das ist doch klar. Da steht die Familie zusammen.Besuchen Sie die Gräber?Ulrich Meyer: Selbstverständlich. Wenn ich davor stehe, spreche ich auch mit ihnen.Glauben Sie an ein Leben nach dem Tod?Ulrich Meyer: (Tiefes Atmen.) Ich vertraue nicht darauf, dass es da oben weitergeht. Deshalb versuche ich es hier unten mein Möglichstes zu tun und zu erleben.Angst vor Krankheiten?Ulrich Meyer: Nein! Bisher hatte ich stressbedingt mal eine Gürtelrose. Aber ich passe auch auf mich auf. Ab Mitte September laufe ich mit Schal herum.Welche Träume möchten Sie sich noch erfüllen?Ulrich Meyer: Mit meiner Frau Georgia habe ich Reisepläne. Wir wollen wieder in die Wüste.

Wie ist Ihr Resumee nach so vielen TV-Jahren?Ulrich Meyer: Ich führe ein glückliches Leben. Habe einen Beruf, der zwar nicht den Wünschen meiner Eltern entsprach, aber meinen eigenen vollkommen entgegenkommt. Ich gehe jeden Tag gerne in meine Redaktion, habe meine Erfüllung gefunden. Ob ich Möglichkeiten verpasst habe? Ich vermisse nichts!Für wen machen Sie Sendungen?Ulrich Meyer: Für den Zuschauer. Nicht für Sender, nicht für Kritiker. Ich frage mich, wir fragen uns: Was braucht der Zuschauer, der uns eine Stunde seiner Lebenszeit schenkt und der unterhaltsam informiert werden will?Sie wirken manchmal eher spröde?Ulrich Meyer: Nein, das bin ich nicht. Ich bin zurückhaltend, ja: Aber das ist ein Charakterzug, den ich eher positiv sehe. Situationen, in denen Sie mich auf dem falschen Fuß erwischen können, die sind sehr selten.Haben Sie sich denn damals beim „Heißen Stuhl“ verstellt? Da waren Sie sehr lautstark...Ulrich Meyer: Och, wenn ich einmal in Fahrt bin, dann sind verschiedene Facet-ten zu sehen. Damals habe ich Seiten rausgelassen, von denen ich selber erstaunt war. Ich war nicht mehr nur der wohlerzogene Mann, mit dem gut Kirschen essen ist. Wenn mein Bruder in dieser Zeit gefragt wurde, was ich beruflich mache, sagte er: „Er fährt anderen über den Mund.“ Er hat die Sache ziemlich exakt auf den Punkt gebracht.Sie haben sich optisch nicht verändert...Ulrich Meyer: ...das ist lieb, stimmt aber nicht. Ich ähnele meinem Vater ganz verblüffend, finde ich. Ich weiß also heute schon, wie ich mit 90 aussehen könnte... Meine Mutter findet das super. Er hatte zum Schluss schlohweißes volles Haar. Ich erkenne mich auch sonst in ihm wieder. Wie ich meine Hände bewege, oder wenn ich mich unbewusst im Spiegel sehe. Und das ist nur das Äußerliche!An Ihnen klebt das Image einer Fönfrisur und der Eitelkeit...Ulrich Meyer: Ich habe mir seit 40 Jahren nicht die Haare gefönt! Aber egal. Ein gewisses Maß an Eitelkeit gestehe ich ein: Ich würde nie morgens freiwillig im Bademantel frühstücken. Ich fühle mich so einfach nicht wohl, auch nicht im Jogginganzug. Ich würde mich auch nicht meiner eigenen Frau so präsentieren. Sie hat Anrecht auf einen ordentlichen Mann.Können Sie sich vorstellen, später mal in ein Seniorenheim zu ziehen?Ulrich Meyer: Wir haben schon drüber nachgedacht, welche unserer Freunde wir einladen würden, mit uns später eine Oldie-WG zu gründen.Wer könnte was übernehmen?Ulrich Meyer: Ich bin und bleibe hoffentlich noch länger ein guter Chauffeur, kann ausdauernd Rasen mähen, Weinflaschen öffnen und Weinkeller sortieren.Und Ihre Frau?Ulrich Meyer: Sie kann wunderbar kochen – unter anderem.

Kategorien: