Ulrich Pleitgen: … was er über Lügen denkt und vieles mehr.

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Rührende Liebeserklärung nach 30 Jahren Ehe

Seit 36 Jahren geht Ulrich Pleitgen (64) mit seiner Ann-Monika (64) Hand in Hand durchs Leben – seit 30 Jahren sind sie verheiratet. Wir sprachen mit dem Paar über seine Ehe, sein Glücksgeheimnis und Notlügen. Dabei machte der Schauspieler seiner Liebsten eine rührende Liebeserklärung…

Sie spielen in der Filmreihe “Wilde Wellen” den Michel. In Ihrer Rolle bedienen Sie sich kleiner Lügen. Wann sind Lügen erlaubt?Ulrich Pleitgen: Kleine Notlügen, um den gegenüber nicht zu verletzten, sind erlaubt. Allein schon aus Taktgefühl, um jemandem nicht weh zu tun. Als ein Kollege mich nach seinem Auftritt einmal fragte, wie es mir gefallen hat, habe ich ihm gesagt, dass ich es toll fand, obwohl es ganz furchtbar war. Ich konnte ihm einfach nicht die Wahrheit sagen. Sie Darüber habe ich in meinem Leben auch viel nachgedacht. Wir sind selbst gekränkt, wenn wir merken, dass wir angelogen werden. Dabei benutzen wir doch selbst kleine Notlügen. Das ist schon komisch.Sind Sie dadurch misstrauischer geworden?Ulrich Pleitgen: Eigentlich nicht. Wenn mir Leute etwas erzählen, neige ich dazu, ihnen das auch zu glauben. Außer, ich weiß es besser. Es gibt Menschen, die rufen mich nach Jahren der Funkstille an, erkundigen sich nach meinem Wohlergehen. Dabei wollen sie nur einen Gefallen von mir. So etwas würde ich nie machen! Wenn ich etwas möchte, dann frage ich denjenigen direkt, ohne etwas anderes vorzuheucheln. Das kommt doch sowieso raus. Lügen ist dumm.Welche Gründe gibt es, um zu lügen?Ulrich Pleitgen: Wenige. Wenn es darum geht, sein Leben zu retten oder etwas anderes in der Art, dann ist es etwas vollkommen anderes und erlaubt.Sie sind jetzt im 30. Jahr verheiratet. Wann ist eigentlich Ihr Hochzeitstag?Ulrich Pleitgen: Das wissen wir gar nicht.Ann-Monika: Seit dem 1. April 1975 sind wir zusammen, aber wann wir geheiratet haben, wissen wir nicht. Das ist mir auch zu mühselig zum nachrechnen.Ulrich Pleitgen: So etwas feiern wir überhaupt nicht. Genau, wie Geburtstage . Wann wir uns kennen gelernt haben, das wissen wir, aber mehr interessiert uns auch nicht.Das ist ja ungewöhnlich. Gerade Frauen wissen doch eigentlich immer, wann sie geheiratet haben…Ulrich Pleitgen: Da ist Ann-Monika ganz anders. Sie ist vollkommen emanzipiert. Das ist ja auch quatsch. So eine Ehe, in welcher der Mann guckt nur Fußball guckt und die Frau am Herd steht, führen wir nicht. Bei uns sind andere Dinge wichtig. Für einige Paare ist es ja schon ein Scheidungsgrund, wenn der Mann den Hochzeitstag vergessen hat. Das sind Wackel-Ehen. So eine führen wir nicht.Was für eine Ehe führen Sie?Ulrich Pleitgen: Ich glaube an die Liebe jeden Tag. Und nicht daran, dass sie an einem Tag wie dem Hochzeitstag oder Geburtstag besonders groß ist. Ich bringe Ann-Monika beispielsweise nie Blumen mit. Die muss sie sich immer selbst kaufen. Aber wir führen ein unglaublich intensives Leben – in jeder Beziehung. Ich verliebe mich jeden Tag neu in meine Frau…Das ist ein sehr schönes Kompliment…Ulrich Pleitgen: Ja, wenn meine Frau nicht wäre, würde meine Seele erfrieren. Ich könnte ohne Ann-Monika gar nicht leben. Und das meine ich wirklich so. Es ist sogar noch viel dramatischer, als es jetzt klingt.Was meinen Sie damit?Ulrich Pleitgen: Das meine ich einfach so.Ann-Monika: Wenn man darüber nachdenkt, ist der Gedanke, einmal ohne den anderen sein zu müssen, der schrecklichste überhaupt.Ulrich Pleitgen: Wir sind nun mal inzwischen in einem Alter, in dem einem schneller etwas passieren kann.Können Sie sich ein Leben ohne Ihre Frau vorstellen?Ulrich Pleitgen: Nein! Der Gedanke, dass einer ohne den anderen sein soll, ist für uns beide undenkbar! Wenn ich daran denke, sehe ich vor mir nur ein großes schwarzes Loch. Ich weiß gar nicht, wie es dann weiter gehen sollte…Ann-Monika: Das geht mir ganz genau so!Ulrich Pleitgen: Es passiert ja auch oft bei älteren Paaren, dass, wenn einer stirbt, der andere schnell folgt. Er stirbt dann an gebrochenem Herzen. Das klingt zwar kitschig, aber es ist so.Was macht Ihre Beziehung so besonders?Ulrich Pleitgen: Wir haben eine sehr enge und intensive Beziehung. Das ist schon fast symbiotisch. Wir wollen und können einfach nicht ohne den anderen sein. Wir wollen 24 Stunden am Tag miteinander sein und alles zusammen machen. Das klingt sehr langweilig. Aber das ist es ganz und gar nicht. Bei uns ist es keinen Moment lang langweilig.Streiten Sie nicht?Ulrich Pleitgen: Doch natürlich gibt es bei uns auch Spannungen. Eine Beziehung besteht nicht nur aus purer Zärtlichkeit. Zwei Menschen, die so lebendig sind wie wir, haben sich natürlich auch mal in der Wolle. Streit hält jede Beziehung frisch.Was ist Ihr Glücksgeheimnis?Ann-Monika: Ich habe nie aufgehört, mein eigenes Leben zu leben. Sonst wäre es ja auch langweilig. Ich schreibe meine eigenen Bücher , höre meine eigene Musik .Ulrich Pleitgen: Deshalb können wir auch gut gemeinsam verreisen. Wenn ich drehe, sitzt sie nicht im Hotel und wartet auf mich. Sie ist immer beschäftigt.

TV-Tipp: Die Filmreihe ”Wilde Wellen” läuft am: 25.8., 28.8. sowie am 1.9. und 4.9. um 20.15 Uhr, ZDF

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