„Unsere Pullis retten Pinguine“

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Der fröhliche Zwergpinguin freut sich über seinen neuen Strickpullover. Bislang trägt er das Prachtstück nur zur Anprobe. Aber im Ernstfall kann der kuschelige Pulli sein Leben retten.
Foto: action press/REX FEATURES LTD

Tierschutz

Karl-Heinz heißt der Pinguin aus Plüsch, der im Reisebüro von Angelika Regenstein im Schaufenster steht. Trotz der frühlingshaften Temperaturen trägt er einen dicken roten Wollpulli – nicht etwa aus modischen Gründen, sondern um für das Hilfsprojekt seiner Besitzerin zu werben: „Ich stricke Pullover für Zwergpinguine in Australien“, erzählt Regenstein. Hört sich verrückt an. Aber hat einen ernsten Hintergrund. Auslöser für ihre ungewöhnliche Aktion war ein Aufruf des Naturparks Phillip Island, 120 Kilometer südlich von Melbourne, Australien: Die Pinguinkolonie auf der Insel braucht 60 000 handgestrickte Mini-Pullis. Sie sollen den tapsigen Vögeln als Schutz bei Öl-Katastrophen dienen.

Im Jahr 2001 hat das schon einmal bestens funktioniert: Bei der damaligen Ölpest vor Australien konnten fast alle verklebten Pinguine auf Phillip Island gerettet werden. Wenn die Tiere abends vom Meer auf das Festland zurückwanderten, wurden sie von den Tierschützern abgefangen und mit Pullovern ausgestattet.

„Durch die wollene Schutzkleidung werden die Vögel davon abgehalten, sich mit dem Schnabel vom Öl zu säubern“, erklärt Regenstein. Denn wenn das Gift in ihren Magen gelange, bedeute das den sicheren Tod. „Außerdem sind die Pinguine durch das verklebte Gefieder nicht mehr vor Kälte geschützt. Die Wollpullis halten sie warm.“

In ihrem Reisebüro in Hamburg-Horn kommen jetzt fast täglich Pakete an. Gerade war wieder der Bote da: Vier Päckchen hat er auf Angelika Regensteins Schreibtisch gestapelt. Sie kommen aus Hannover, Bremen und Hamburg. In allen der gleiche Inhalt: Kleine Pullis für die Zwergpinguine, gefertigt von tierlieben Stricklieseln – „und auch drei Strickhanseln“, freut sich Regenstein über die männlichen Unterstützer. Eine ältere Frau hat sich bei ihr gemeldet: Sie könne aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr stricken, aber sie wolle Geld spenden. Von den 50 Euro hat Regenstein Wolle gekauft und in ein Altersheim gebracht. „Dort arbeiten die Frauen jetzt an weiteren Pullis.“

Über weitere Mitstricker freut sich Angelika immer. Schließlich möchte sie bis Ende des Jahres 500 Pingu-Pullis zusammenhaben, die sie nach Australien schicken kann. „Es dürfen auch 5000 werden – dann fliege ich persönlich hin und gebe sie auf der Insel ab“, hat sich die reiselustige Norddeutsche vorgenommen.

Vor acht Jahren, auf einer Kreuzfahrt durch die Antarktis, ist sie den putzigen Vögeln in freier Wildbahn begegnet. „Die waren ganz zutraulich, weil sie dort nicht gejagt werden“, erzählt Angelika. „Pinguine haben eine unglaubliche Ausstrahlung. Besonders beeindruckt mich ihr Stolz und ihr aufrechter Gang.“ Und weil sie sich als Pinguin-Fan keinen echten halten kann, hat sie sich als Ersatz den plüschigen Karl-Heinz besorgt.

Das Engagement der Tiefreundin hat sich schon bis nach Tunesien, Belgien und Atlanta herumgesprochen. „Es ist großartig, wie viele Menschen sich um die kleinen Zwergpinguine sorgen – und wie viel man mit vereinten Kräften schaffen kann.“

Stricken Sie mit! Hier finden Sie die Strickanleitung für die süßen Pinguin-Pullis.

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