Graue ZoneUnterschied: Depression oder Befindlichkeitsstörung?

Befindlichkeitsstörung oder Depression? Der Unterschied
Graue Zone: Die Grenze zwischen einer Befindlichkeitsstörung und einer Depression ist fließend
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Inhalt
  1. Was ist eine Befindlichkeitsstörung?
  2. Wo liegt der Unterschied zwischen Befindlichkeitsstörung und Depression?
  3. Wie werden Befindlichkeitsstörungen behandelt?
  4. Wann muss ich zum Arzt?

Der größte Unterschied zwischen einer Befindlichkeitsstörung und einer Depression: Depression ist eine Krankheit.

Was ist eine Befindlichkeitsstörung?

Eine Befindlichkeitsstörung (funktionelle Dysfunktion) ist immer subjektiv, sprich: Es empfindet jeder anders. Was für den einen tieftraurig ist, entlockt dem anderen gerade mal einen Seufzer. Und genau darin liegt das Problem. Denn: So lange es keinen organischen Befund gibt, hat es auch keinen medizinischen Krankheitswert.

Wer ist von Befindlichkeitsstörungen betroffen?

Im Grunde ist eine Befindlichkeitsstörung eine Volkskrankheit - bloß, dass es sich eben um keine offizielle Krankheit handelt. Unter Befindlichkeitsstörungen leiden gelegentlich alle Menschen aller Altersklassen: Jeder erlebt Phasen, in denen er sich nicht wohl fühlt, sei es physisch oder psychisch. Ein allgemeingültiges Krankheitsbild ist dennoch nicht definierbar.

Zu Befindlichkeitsstörungen gehören körperliche Symptome wie Kopfschmerzen, Muskelverspannungen, Gelenkprobleme, Schlafstörungen, Schwindel, Kreislaufbeschwerden, Schwitzen, Herz- oder Verdauungsbeschwerden.

Aber auch seelische Symptome wie (unkonkrete) Trauer, Ängste, Konzentrationsschwäche, Unruhe, Gereiztheit, Antriebsverlust / Lustlosigkeit, Unentschlossenheit oder depressive Verstimmungen fallen unter den Begriff der Befindlichkeitsstörung.

Alle Symptome fallen unter die Kategorie "unspezifische Allgemeinsymptome" - sie können unzählige Ursachen haben und so plötzlich wieder verschwinden, wie sie aufgetaucht sind.

Befindlichkeitsstörungen sind in den meisten Fällen psychosomatisch: Der Betroffene fühlt sich schlecht, allerdings kann der Arzt keine Diagnose erstellen, da kein konkreter (organischer) Befund feststellbar ist.

Was sind die Ursachen von Befindlichkeitsstörungen?

Klare Ursachen sind aufgrund der Subjektivität der Befindlichkeitsstörung nicht festgelegt. Allerdings werden (unter anderem) folgende Gründe im Zusammenhang mit Befindlichkeitsstörungen erwähnt:

  • Wetterfühligkeit
  • Umweltgifte (z.B. Abgase, Schimmelpilze)
  • "natürliche" Hormonschwankungen (z.B. während der Periode oder der Wechseljahre)
  • Überlastung (etwa durch einen dauerhaft stressigen Alltag)
  • unbewältigte (innere) Konflikte - häufigste Ursache

Wo liegt der Unterschied zwischen Befindlichkeitsstörung und Depression?

Eine Befindlichkeitsstörung ist nicht als Krankheit definiert - eine Depression dagegen schon. Das gilt für alle konkreten und definierten Krankheiten: Sie können medizinisch diagnostiziert werden.

Aus einer Befindlichkeitsstörung kann sich allerdings eine psychische Erkrankung, wie eben eine Depression, verwandeln, wenn sie nicht rechtzeitig beseitigt wird. So gesehen befinden sich Befindlichkeitsstörungen in einer Grauzone zwischen Gesundheit und Krankheit. Aber auch körperliche Krankheiten wie etwa Fybromyalgie können aus einer Befindlichkeitsstörung entstehen.

Wie werden Befindlichkeitsstörungen behandelt?

Bei andauernden Befindlichkeitsstörungen ist ein Gespräch mit dem Arzt notwendig. Der Arzt sollte alle möglichen Befunde ausschließen können, etwa durch Blutuntersuchungen, Röntgenaufnahmen oder Funktionstests.

Ohne eine konkrete Ursache ist allerdings auch keine konkrete Therapie möglich. Da in den häufigsten Fällen innere Konflikte als Ursache psychosomatischer Beschwerden vermutet werden, lohnt sich der Versuch einer Psychotherapie (z.B. Gesprächspsychotherapie oder Verhaltenstherapie), bei der möglicherweise Verdrängtes aufgearbeitet wird. Die Möglichkeit der Psychotherapie sollten Betroffene in Betracht ziehen: Wer schwere Befindlichkeitsstörungen über Jahre "akzeptiert" und nicht behandelt, läuft Gefahr, daraus eine Depression entstehen zu lassen.

Wann muss ich zum Arzt?

Grundsätzlich sollte man zum Arzt gehen, sobald man das Bedürfnis oder Gefühl hat, dass man Hilfe benötigt. Bei psychischen Leiden gilt: Lieber einmal zu häufig zum Arzt, als zu selten.

Dennoch gibt es einige konkrete Anzeichen dafür, wann es an der Zeit ist, einen Arzt aufzusuchen:

  • Bei Halluzinationen, Wahnvorstellungen, Selbstmordgedanken.
  • Wenn man selbst oder die Mitmenschen unter den Beschwerden der betroffenen Person leiden.
  • Wenn die Beschwerden / Symptome der Befindlichkeitsstörung länger als zehn Tage andauern.
  • Wenn die Beschwerden / Symptome ohne offensichtlichen äußeren Anlass auftreten (unter "offensichtlichem Anlass" werden etwa Trennung, Verlust des Arbeitsplatzes oder Tod einer nahestehenden Person verstanden).
  • Im Fall eines schrecklichen Erlebnisses (Trauma), wie etwa einem schweren Unfall, einer überlebten Naturkatastrophe, einer Gewalttat, dem Tod des eigenen Kindes.

 

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