Verbündete oder Konkurrentin?

verbuendete oder konkurrentin
Beste Freundin
Foto: Privat

Report: Beste Freundin

Über drei Viertel der JOY-Leserinnen finden ihre beste Freundin mindestens so wichtig wie eine Beziehung. Zu Recht, denn mit der Frau an unserer Seite sind wir in der Regel viel länger zusammen als mit einem Mann! Trotzdem kann auch diese „Partnerschaft“ scheitern – Frauen verrieten uns, wie gut sie und ihre Freundin harmonieren.

Wer ist der wichtigste Mensch in unserem Leben? Die große Liebe? Die Mutter? Der Vater? Falsch, es ist die beste Freundin. Sagen zumindest 92 Prozent der Frauen in einer Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung. 84 Prozent würden sich sogar für ihre Freundin und gegen den Partner (und damit auch Sex ) entscheiden, wenn es sein müsste.

Die beste Freundin ist unsere Bezugsperson Nummer eins, verlässliche Konstante, das perfekte Gegenstück und oft sogar Seelenverwandte. Sie baut uns auf oder rückt uns den Kopf zurecht und sie kennt uns oft besser, als wir uns selbst. Meist überstehen Frauenfreundschaften auch Krisen, etwa 40 Prozent halten ein ganzes Leben lang.

Eine Freundin hilft in allen Lebenslagen

Kein Wunder, denn unsere Probleme wirken oft kleiner, wenn man eine Freundin an der Seite hat: So wurde in Experimenten nachgewiesen, dass Probandinnen die Steigung eines Hügels, den sie hochlaufen sollten, geringer einschätzten, wenn die Freundin neben ihnen stand. Allerdings kann es auch passieren, dass eine Freundin zur Konkurrentin wird. Dauerhaft hält eine Freundschaft so aber nicht, außer, man beachtet ein paar Regeln.

„Wer Konkurrenz verspürt, an sich selbst oder an der Freundin, muss damit offen umgehen. Neid kann, wenn man das unbequeme Thema ehrlich bespricht, auch zu Bewunderung und Ansporn werden“, erklärt der Psychologe und Freundschaftsforscher Dr. Wolfgang Krüger, Autor des Buches „Wie man Freunde fürs Leben gewinnt“ (Herder). JOY-Leserinnen erzählen, was sie mit ihrer besten Freundin erlebt haben – im Guten wie im Bösen. In einem Fall teilen sie sich sogar einen Mann !

„Im Sport sind wir Gegner – aber nur da“

Cathi, 19, Essen, und Melanie, 19, Wuppertal, beide Abiturientinnen, seit 8 Jahre Freundinnen

Wir werden noch gemeinsam mit unseren Enkeln Körbe werfen“, lacht Cathi, Spielerin beim NBO Oberhausen. „Wir teilen nicht nur unsere Leidenschaft für Basketball. Es ist sogar so, als ob Melanie und ich telepathisch miteinander verbunden wären. Wir stehen auf Fotos immer an der gleichen Position – ich links, Melanie rechts.

Wir sagen gleichzeitig dieselben Sätze, wir haben uns letztes Jahr beim Basketball gleichzeitig ein blaues Auge geholt und wir werden uns immer ähnlicher, sogar äußerlich. Als Kinder mit 11 waren wir gegensätzlich – heute sind wir wie Zwillinge!“ Obwohl die Abiturientinnen seit einem Jahr in Konkurrenzvereinen spielen, können sie die Gegnerschaft auf dem Spielfeld nach Abpfiff ausschalten.

„Wir haben uns noch nie gestritten!“

„Wir haben uns noch nie gestritten, obwohl wir gnadenlos ehrlich miteinander sind. Unser Motto: Jede akzeptiert die andere, wie sie ist. Unsere Freundschaft ist uns wichtiger als Sport oder Männer.“ So gab es nicht mal Zoff, als Melanie letztes Jahr einen Freund hatte, der eifersüchtig auf Cathi war und Melanie Lügen über sie erzählte. „Dachte der Typ etwa, dass wir uns nie unterhalten würden?

Seine Lügerei kam sofort heraus. Ich habe Melanie schon immer vor ihm gewarnt, erst nach seinen Intrigen hat sie mir aber Recht gegeben und ihn abserviert.“ Eifersucht der Partner , die ihre Freundin gerne für sich allein gehabt hätten, erlebten sie schon öfter. Untereinander jedoch nie. „Bei Männern haben wir einen konträren Geschmack. Aber der Freund der anderen wäre ja sowieso tabu!“

„Sie lag mit meinem Freund im Bett“

Katharina, 24, Studentin, Berlin, und Sabina*, 24, Studentin, Berlin, seit 5 Jahre Freundinnen

Ein abenteuerliches Auf und Ab hat diese geprägt. Katharinas beste Freundin Sabina spielte 2010 sogar den Liebesboten: „Wenn sie Ulrich nicht im Fitnessstudio für mich angequatscht hätte, wäre ich gar nicht mit ihm zusammengekommen“, erinnert sich Katharina. Acht Monate lang war sie schwer verliebt – dann kam der Schock.

Den Freund mit der besten Freundin inflagranti erwischt

Als sie nach zwei Monaten, die sie wegen des Studiums in einer anderen Stadt verbracht hatte, überraschend zurückkam, erwischte sie Sabina mit ihrem Freund in flagranti. „Bis heute wundere ich mich, wie sie hinter meinem Rücken diese Konkurrenz aufbauen konnte. Ich war in meinen Grundfesten erschüttert, an einem einzigen Tag verlor ich den Partner und die beste Freundin – und ihr Verlust tat deutlich mehr weh!“

Katharina brach den Kontakt ab. „Irgendwann verliebte ich mich neu und alles rückte weit weg. Vor anderthalb Jahren rief Sabina an und bat mich um Verzeihung. Sie war schwanger, aber nicht von Uli. Ich fand es mutig, dass sie sich gemeldet hatte. Heute sind wir wieder Freundinnen, die Konkurrenz ist weg und ich bin froh darüber.“

„Trotz Distanz sind wir uns nah“

Dani, 41, Visagistin, Berlin, und Vroni, 35, Brieskow-Finkenheerd, Zollbeamtin, seit 18 Monaten Freundinnen

Die beiden leben in verschiedenen Städten – 100”…Kilometer voneinander entfernt. Aber das tut ihrer Nähe keinen Abbruch. Neu-Single Dani und die fest liierte Vroni sprechen täglich mehrmals miteinander, Telefon, WhatsApp und Facebook sei Dank. „Mein Freund ist sehr tolerant, er rollt höchstens mit den Augen, wenn ich wieder mit Dani am Telefon hänge“, erzählt Vroni.

Es war Liebe auf den ersten Blick

„Er findet es gut, dass ich jemanden habe, mit dem ich jedes Problem teilen kann, von den Kindern über Danis Trennung von ihrem Lebenspartner letztes Jahr bis zu Problemchen mit Diäten .“ Als die beiden sich vor anderthalb Jahren bei einem Komparsenjob für einen Film kennenlernten, war es „Liebe auf den ersten Blick – nur ohne Erotik“, so Vroni.

Und obwohl sie so verschieden wirken – die Großstadtpflanze Dani und Zollbeamtin Vroni aus der Kleinstadt –, teilen sie neben ihrem Hobby, der Komparserie, noch Vieles andere: „Wir können Stunden miteinander lachen, haben beide je eine Tochter und bequatschen jede Kleinigkeit miteinander.“ Auch gemeinsame Mädelsurlaube mit Danis Tochter Joelina, 14, und Vronis Lisa, 11, haben sie unternommen, nach Dresden, Hamburg und Norwegen. „Wir können uns sogar vorstellen, dass wir später mal in einer Alters-WG wohnen!“

„Ihr Neid zerstörte alles“

Catrin, 29, Kosmetikerin, und Carmen*, 29, Einzelhandelskauffrau, Lüneburg, 10 Jahre lang Freundinnen

Carmen und mich gab es nur im Doppelpack – und das von der fünften Klasse an“, erzählt Catrin. „Als wir aber anfingen zu arbeiten, wurde sie zur Konkurrentin.“ Catrin verdiente sich als Top-Kosmetikerin ein Auto, ein Pferd und eine Wohnung. „Carmen hatte als Verkäuferin eine Minibude und ein Schrottauto – und war deswegen gefrustet.

Wegen Neid zerbrach die Freundschaft

‚Du kannst dir das ja leisten, ich nicht‘, kam oft in bissigem Ton. Dabei arbeitete ich doppelt so viel wie sie. Heute denke ich, dass viele Frauen ihre Freundin aus Nostalgie durchs Leben schleppen. Man hat so viele gemeinsame Erinnerungen … Selbst wenn die andere inzwischen Konkurrentin ist, bleibt sie im Kopf immer die beste Freundin.“

Catrin bemerkte die Veränderung von Carmen erst in ihrer ersten eigenen Krise: Ihr Arbeitgeber ging bankrott. „Statt mir zu helfen, log Carmen meinem Freund vor, dass ich ihn betrügen würde. Zum Glück verstand er ihre Spielchen. Da reichte es mir: Ich warf sie aus meinem Leben und fühle mich seither erleichtert.“ 

„Kein Kerl bringt uns auseinander“

Viviana, 22, Fotografin, Essen, und Nathalie, 22, Jurastudentin, Herne, seit 8 Jahren Freundinnen

Wir hatten schon öfter das Problem, dass Männer uns gegeneinander ausspielen wollten. Mein letzter Freund meinte, Nathalie hätte einen schlechten Einfluss auf mich: Wir würden zu viel Party zusammen machen. Aber er war einfach nur eifersüchtig.“ Die Freundschaft zu Nathalie ist Viviana wichtiger als jeder Mann: „Sie ist das Beste, was mir bisher passiert ist.

Kein Mann kommt zwischen die Freundinnen

Sie würde mich nie verurteilen und wenn sie eifersüchtig wäre, würde sie es sagen.“ Die Freundinnen haben alles zusammen durchgemacht. Erster Freund, Liebeskummer , Stress mit den Eltern, Auszug, Studium in verschiedenen Städten, Urlaube – noch nie gab es Streit. „So etwas opfert man nicht für einen Kerl. Die kommen und gehen, die Freundschaft aber bleibt.“

Und sie überlebt Krisen: Letztes Jahr simsten sie intensiv mit demselben Kerl, einem Bekannten von beiden: „Weil wir in verschiedenen Städten wohnen, merkten wir nicht, dass er uns beide anbaggerte.“ Als Viviana Nathalie ihren Schwarm auf Facebook zeigte, kam sein Spielchen heraus: „Wir haben uns nie mehr bei diesem Idioten gemeldet!“

„Wir geben uns gegenseitig Halt“

Sigrid, 29, Kosmetikerin, und Anna, 29, Einzelhandelskauffrau, Bergheim, seit 14 Monaten Freundinnen

„Wir teilen alles – sogar meinen Freund“

Monique, 26, Betriebswirtin, Hannover, und Angie*, 23, Studentin, Göttingen, seit einem Jahr Freundinnen

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