Verhütung: Kann ich trotz Spirale schwanger werden?

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Spirale, Pille, Kondom: Welches Verhütungsmittel passt am besten zu mir?
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Spirale, Pille, Kondome: Wir beantworten alle Fragen zu Verhütungsmitteln

Pille, Kondome, Spirale, Spritze? Welches Verhütungsmittel passt zu mir? Kann ich trotz Spirale schwanger werden? Welche Pille hilft gegen starke Regelschmerzen? Wir beantworten wichtige Fragen zu Verhütungsmitteln.

Pille, Kondome, Spirale, Spritze? Als Frau ein Verhütungsmittel zu wählen, ist alles andere als einfach. Jedes Verhütungsmittel hat individuelle Vorteile und Risiken. Viele der Risiken, wie etwa das einer Thrombose-Erkrankung bei manchen hormonellen Verhütungsmitteln, ist von den Nutzerinnen schwer zu beurteilen.

Wir haben darum ausgewiesene Experten wie Dr. med. Christian Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte, darum gebeten, die von Frauen meist gestellten Fragen zu Verhütungsmitteln zu beantworten.

Das beliebteste Verhütungsmittel sind übrigens laut den Statistiken der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung die verschiedenen Varianten der "Pille", also Tabletten, die verhindern, dass ein Eisprung stattfindet (Pillen, die eine Östrogen- und einer Gestagen-Komponente enthalten), oder dass der Gebärmutterhalsschleim durchlässig wird (reine Gestagen-Präparate, die so genannte Minipille).

Nur rund sieben Prozent aller Frauen, so berichtet der Pharmakonzern Bayer, nutzen moderne Langzeitmethoden wie die Spirale. Viele Frauen gehen wohl davon aus, dass so genannte intrauterine Systeme ausschließlich für Frauen geeignet sind, die bereits geboren haben. Tatsächlich kann das Verhütungsschirmchen aber auch bei Frauen, die Probleme bei der korrekten Pilleneinnahme haben und schon Verhütungspannen hatten, eine Alternative sein.

Es gibt drei verschiedene Versionen der Spirale: die Hormonspirale und die Kupfer- oder Goldspirale. Sie unterscheiden sich in ihrer Wirkweise, werden allerdings beide in die Gebärmutter eingesetzt. Beide Varianten sind für die Verhütung über mehrere Jahre hinweg geeignet. Nachfolgend beantworten wir einige der meist gestellten Fragen zur Spirale:

Ist es möglich, trotz Spirale schwanger zu werden? Gibt es Zahlen dazu, wie viele Frauen trotz Spirale schwanger werden?

Dr. med. Christian Albring: Die Sicherheit der Spirale ist so hoch wie die der Pille. Es werden also von 1000 Frauen, die diese Verhütung ein Jahr lang korrekt verwenden, etwa ein bis zwei schwanger. Die Gebärmutter kann sich allerdings im Laufe der Zeit durch Schleimhautpolypen oder Muskelknoten ( Myome ) verändern, so dass die Spirale nicht mehr richtig liegt. Deshalb sind 3-monatige Kontrollintervalle sinnvoll.

Was passiert, wenn ich das Baby trotz Spirale behalten möchte?

Dr. Albring: Wenn trotz einer Spirale eine Schwangerschaft eintritt, muss zunächst überprüft werden, ob der Embryo sich korrekt in der Gebärmutter eingenistet hat oder in einem der Eileiter. Wenn es sich um eine Eileiter-Schwangerschaft handelt, so muss der Eileiter entfernt werden, denn die Wand des Eileiters ist sehr dünn und nicht dafür gemacht, dass sich dort eine Schwangerschaft entwickeln kann. Wenn sich der Embryo in der Gebärmutter eingenistet hat, besteht die Gefahr, dass durch die Spirale eine Fehlgeburt ausgelöst wird. Deshalb würde man bei entsprechendem Wunsch vorsichtig die Spirale entfernen, wobei das Risiko einer Fehlgeburt besteht. Ist die Schwangerschaft gesund, kann die Spirale allerdings auch liegen bleiben und wird bei der Geburt mit dem Mutterkuchen und den Eihäuten ausgestossen.

Woran merkt man, dass die Spirale verrutscht ist bzw. dass sie nicht mehr wirkt?

Dr. Albring: Am besten kann die Frauenärztin oder der Frauenarzt den Sitz bei den regelmäßigen Kontrollen überprüfen. Die Frau selber hat dazu keine Möglichkeit. Deshalb sind engmaschige Kontrollen sehr sinnvoll. Wenn eine Spirale nicht mehr wirkt, merkt man das nur daran, dass eine Schwangerschaft eingetreten ist.

Was passiert mit der Spirale, wenn ich vergesse, sie nach fünf Jahren entfernen zu lassen?

Dr. Albring: Die Zuverlässigkeit der Verhütung lässt rapide nach, wenn die Spirale keine Hormone mehr abgibt, die die Beweglichkeit der Spermien und das Zusammenfinden von Eizelle und Spermien stören. Das gleiche gilt für die Kupfer- oder Goldspirale, deren Metalle sich ebenfalls ablösen bzw. auflösen können. wobei wir nach entsprechender Aufklärung zu einem möglichst schonenden und nebenwirkungsarmen Präparat greifen.

Warum gibt es so viele Varianten der Pille und wie finde ich heraus, welche am besten für mich geeignet ist?

Dr. med. Christian Albring: Das Ziel der Pille ist es, einen Eisprung sicher zu verhindern. Dafür wird dem Körper mit einem synthetisch hergestellten Östrogen-Anteil das Vorhandensein hormonproduzierenderEibläschen vorgetäuscht, so dass im Gehirn der Impuls zur Reifung eines neuen Eibläschens ausbleibt. Die alleinige Östrogen-Gabe reicht jedoch nicht aus. Der Schleim im Gebärmutterhals wir durch ein synthetisches Gelbkörperhormon zusätzlich verdickt und damit das Eindringen der Spermien unmöglich gemacht. Außerdem käme es bei einer alleinigen Östrogengabe ohne Gestagen zu einem stärkeren Wachstum der Schleimhaut in der Gebärmutter mit häufigen Schmierblutungen und starken Blutungen, wenn die Pille in der Pillenpause abgesetzt wird. Die Gestagene sollen das verhindern.

In der Pille werden in der Mehrzahl keine natürlichen Hormone verwendet, weil sie keinen zuverlässigen Schutz vor einer Schwangerschaft bieten würden, sondern pharmakologisch veränderte Moleküle. Hierbei gibt es unterschiedliche Möglichkeiten. Es gibt derzeit 2 unterschiedliche Östrogen-Varianten und etwa 10 unterschiedliche Gestagen-Varianten, und es gibt auch die Möglichkeit, den Östrogen-Anteil ganz wegzulassen und nur einen Gestagen-Anteil zu verwenden. Jedes dieser Östrogene und Gestagene hat ein leicht unterschiedliches Wirkprofil.

Manche Gestagene können ein Gegengewicht bilden, wenn eine Frau zu viele männliche Hormone bildet und deswegen unter Akne und Haarausfall leidet. Andere Gestagene hemmen sehr stark das Wachstum der Schleimhaut in der Gebärmutter, werden deshalb bei starken und stark schmerzhaften Menstruationsblutungen eingesetzt. Die unterschiedlichen Gestagene führen auch zu unterschiedlichen Nebenwirkungen. Manche verursachen eher Kopfschmerzen, Depressivität , Brustspannen, Müdigkeit, Gewichtszunahme oder Zwischenblutungen als andere. Welches Präparat am besten geeignet ist, ergibt sich individuell im direkten Gespräch mit der Frauenärztin oder dem Frauenarzt.

● Zu welchem Tageszeitpunkt sollte ich die Pille am besten nehmen?

Dr. Albring: Zu einem Zeitpunkt, an dem jeden Tag und auch am Wochenende zuverlässig sichergestellt ist, dass die Pille zuverlässig durchgehend und täglich eingenommen wird. Ob das morgens, mittags oder abends ist, spielt keine Rolle.

Die Pille verstärkt in Kombination mit Risikofaktoren wie Übergewicht und Rauchen das Risiko der Entwicklung von lebensgefährlichen Thrombosen – was tun die Wissenschaftler bei Bayer dafür, diese Wirkung abzustellen?

Bayer Vital GmbH: Wir arbeiten an keinen neuen oralen Verhütungspräparaten, die diese seltenen möglichen Nebenwirkungen ausschließen. Wir entwickeln alerdings weitere Langzeit-Verhütungspräparate, die nur sehr geringe Mengen von Levonorgestrel täglich abgeben und kein Ethinylestradiol enthalten, das ja von vielen Wissenschaftler als hauptverantwortlich für das Thromboserisiko gesehen wird.

Welche Verhütungsmittel können Frauen nach einer Thrombose ohne das Risiko einer erneuten Thrombose verwenden?

Dr. Albring: In einem solchen Fall empfiehlt sich eine Verhütung ohne Östrogene, also entweder die Minipille, die jeden Tag auf die Stunde genau zur gleichen Zeit genommen werden muss, oder eine Spirale.

Wie oft nehmen Frauen in Deutschland die "Pille danach"?

Bayer Vital GmbH: Laut einer Umfrage von Kantar Health aus dem Jahr 2014 musste bereits jede fünfte Frau zur „Pille danach“ greifen, um eine Schwangerschaft zu verhindern. Die Pille wird wohl häufig vergessen: 44 Prozent der befragten Frauen gaben an, sie in den letzten drei Monaten mindestens einmal vergessen zu haben.

[1] Kantar Health - Verhütungssituation Deutschland 2014; n = 3.165 Frauen, die angaben, derzeit zu verhüten; Mehrfachnennungen waren möglich [2] Ebd.

Mit welchem Verhütungsmittel werde ich am besten starke Regelblutungen los?

Dr. Albring: Es gibt einige Pillen, die speziell bei sehr starken und schmerzhaften Regelblutungen eingesetzt werden können. Ansonsten wird die Regel bei Verwendung der Hormonspirale oft schwächer, bei Verwendung von Kupferspirale und -kette häufig stärker.

Wenn junge Mädchen erstmals zum Frauenarzt gehen, wird ihnen als erstes Verhütungsmittel meistens die Pille verschrieben. Gibt es sichere Alternativen der Verhütung in diesem Alter?

Dr. Albring: Frauenärzte haben in dieser Situation leider wenig Auswahl. Eine Spirale wird von jungen Mädchen meist nicht gewünscht. Außerdem nimmt nur die Pille Einfluss auf die in diesem Alter oft vorhandenen hormonellen Störungen. Für einen Hormonring– der auch von den Kassen nicht bezahlt wird - fehlt den jungen Mädchen häufig die Erfahrung und die Selbstsicherheit, ebenso für das Diaphragma. Kondome werden von Jugendlichen heute als Schutz vor Infektionen sehr regelmäßig verwendet, aber sie haben nicht die Zuverlässigkeit, die wir uns wünschen würden. Also bleibt derzeit nur die Pille übrig,

Welches Verhütungsmittel empfehlen Sie für die Zeit nach der Geburt?

Dr. Albring: Solange die Frau Schmerzen in der Vagina, in ihrer gesamten Intimregion und im Beckenboden hat und solange der Wochenfluss anhält - und das kann bis zu sechs Wochen dauern - sollte kein Geschlechtsverkehr stattfinden, und wenn doch, dann mit Kondom, um Infektionen zu verhindern. Das gilt nach einer natürlichen Geburt ebenso wie nach einem Kaiserschnitt.

Eine Spirale sollte erst eingesetzt werden, wenn sich die Gebärmutter komplett zurückgebildet hat, was durch die frauenärztliche Untersuchung mit Ultraschall überprüft wird, weil sonst die Gefahr droht, dass die Spirale durch die noch weiche Wand der Gebärmutter hindurchdringt oder verrutscht.

Alle östrogenhaltigen Verhütungsmethoden - also Kombinationspillen, Verhütungsring, und Pflaster - kommen während der Stillzeit nicht in Frage, weil Östrogen den Milchfluss beeinträchtigt und durch die Muttermilch auf das Baby übergeht. Während der Stillzeit und der ersten Monate nach der Geburt kommen deshalb nur Barrieremethoden wie das Kondom und reingestagenhaltige Pillen in Frage.

Weitere hormonelle Verhütungsmittel

● Hat sich der Hormonring als sicheres Verhütungsmittel bewährt?

Dr. Albring: Der Hormonring ist ein zuverlässiges Verhütungsmittel und hat den Vorteil, dass nicht täglich an die Pilleneinnahme gedacht werden muss. Aber manche Frauen haben ein Problem damit, den Ring selbst jeden Monat aus der Vagina herauszunehmen und einen neuen einzusetzen.

Kann das Hormonstäbchen seine Position im Körper verändern und sozusagen verloren gehen? Sind Bayer entsprechende Fälle bekannt?

Bayer Vital GmbH: In der Literatur werden für ca 1 Prozent der Fälle „schwierige Entfernungen der Implantate“ genannt. Dieser Prozentsatz hängt zum einen sehr stark von der Erfahrung des Arztes ab, welcher den Eingriff vornimmt. Zum anderen ist die korrekte Implantation Voraussetzung für das spätere Wiederauffinden der Implantate. Fraser empfiehlt, dies nur in spezialisierten Zentren vornehmen zu lassen. Es sind Einzelfälle beschrieben, in denen die Implantate nicht wiederzufinden waren. Auch das „Wandern“ der Implantate wird beschrieben, ohne allerdings Inzidenzen dafür anzugeben. Auch hier ist die Wahrscheinlichkeit gering, wenn die Implantation korrekt vorgenommen wurde.

Zum Thema Kondome haben wir mit Durex einen der führenden Hersteller von Kondomen befragt.

● Wird es jemals rutsch- und reißfeste Kondome geben?

Durex: Ein gut sitzendes und richtig angewandtes Kondom ist in der Regel rutsch- und reißfest. Kondome gibt es in verschiedenen Breiten, damit jeder Verwender ein passendes Kondom auswählen kann.

● Wie kann ich als Frau herausfinden, welches Gleitgel am besten für mich geeignet ist?

Durex: „Probieren geht über Studieren“ heißt hier das Motto. Für jedes Bedürfnis gibt es das passende Gel. Und das gilt natürlich nicht nur für die Vorlieben der Frau, sondern auch für die des Partners. Schließlich bringen die Gele noch mehr Spaß für beide Partner! Doppelt Spaß versprechen zum Beispiel Gleitgele, die sowohl für eine sinnliche Massage des Partners verwendet werden können als auch für alles, was danach kommt…

Grundsätzlich gibt es leider noch immer kein Langzeit-Verhütungsmittel für den Mann. Sterilisation oder Kondome verwenden - mehr kann eine Mann ohne Kinderwunsch nicht tun, um eine Schwangerschaft zu verhindern. Doch die Wissenschaft lässt nicht locker und forscht weiter an "der Pille" für den Mann. In Indonesien wurde kürzlich ein Wirkstoff in Tablettenform entwickelt, der genau das Enzym hemmt, das es den männlichen Spermien ermöglicht zur Eizelle zu schwimmen.

Die Pille für den Mann kommt!

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Viele weitere Informationen zu allen Verhütungsmitteln gibt es zum Beispiel auf den folgenden Seiten:

Familienplanung.de ist ein Informationsangebot der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) zu vielen wichtigen Themen der Familienplanung: www.familienplanung.de

Das deutsche Pharmaunternehmen Bayer hat es sich ebenfalls zur Aufgabe gemacht, weltweit zu Verhütungsmethoden zu informieren, um Frauen ein selbstbestimmes Leben zu ermöglichen: www.meine-verhuetung.de

Viele aktuelle Informationen zu Verhütungsmethoden gibt es auch bei Pro Familia, der Deutschen Gesellschaft für Familienplanung, Sexualpädagogik und Sexualberatung: www.profamilia.de

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