TrauerbegleitungVerwaiste Eltern: Hilfe für trauernde Eltern

Die überwältigende Trauer nach dem Tod eines Kindes kann krank machen.
Die überwältigende Trauer nach dem Tod eines Kindes kann krank machen.
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Inhalt
  1. Trost und Hilfe für verwaiste Eltern
  2. Über das Unbegreifliche sprechen können
  3. Die verwaisten Eltern unterstützen

Wenn ein Kind stirbt, überzieht tiefe Trauer das Leben der Eltern. Die große Frage nach dem Warum beherrscht die Gedanken, jeder Schritt des Alltags wird unendlich schwer. Viele verwaiste Eltern wünschen sich nach dem Verlust ihres Kindes sogar, selbst zu sterben.

In dieser furchtbar schweren Zeit brauchen die betroffenen Eltern oder auch die Geschwister des Kindes dringend Hilfe und Beistand. Von Freunden und der Familie natürlich, aber auch von Außenstehenden, denn oftmals wissen die Menschen, die den Trauernden am nächsten stehen, nicht, wie sie der großen Trauer gerecht werden können.

Trost und Hilfe für verwaiste Eltern

Genau in diesem Moment möchten die TrauerbegleiterInnen des Vereins für Verwaiste Eltern und Geschwister e.V. helfen – zum Beispiel mit Gesprächsrunden, Trauerseminaren und Gedenkgottesdiensten. Sie fangen die Eltern und Geschwister auf, wenn diese nicht mehr wissen wohin mit sich, vor lauter Traurigkeit und Verzweiflung.

Der Verein wurde ursprünglich in Hamburg gegründet, inzwischen gibt es jedoch in ganz Deutschland Trauergruppen und einen Dachverband in Leipzig.

„Die meisten unserer Trauerbegleiter und der vielen ehrenamtlichen Helfer, die die Arbeit des Vereins erst möglich machen, kommen aus der eigenen Betroffenheit, sie wollen etwas zurückgeben an einer Stelle, wo sie selbst viel Hilfe bekommen haben“, berichtet Ilona Stegen, die 2. Vorsitzende des Vereins für Verwaiste Eltern und Geschwister in Hamburg. Ihr Sohn ist gestorben, als er gerade zwei Jahre alt war.

„Die Trauer um ein Kind lässt einen nie ganz los. Sie kann stärker oder schwächer präsent sein, aber sie geht nie ganz weg und selbst nach 30 Jahren kann der Verlust noch sehr schmerzen“, erzählt sie von ihren eigenen Erfahrungen und denen der vielen, vielen Eltern, die in den Gesprächsgruppen des Vereins in den vergangenen 25 Jahren schon Trost gefunden haben.

„Trauer ist keine Krankheit“, sagt Ilona Stegen, „aber sie kann krank machen. Reden kann ein Heilungsprozess sein. Der Wunsch, dem Kind hinterher zu sterben, wird weniger. Wir wollen Trauernde stärken, auf dass sie lernen mit dem Tod des Kindes zu leben und auch im Alltag wieder Leichtigkeit empfinden.“

Über das Unbegreifliche sprechen können

Jedes Jahr sterben in Deutschland zwischen 16.000 und 20.000 Kinder und Jugendliche. Manche Kinder sterben als Babys noch vor oder kurz nach der Geburt und werden so zu Sternenkindern. Manche Kinder sterben mit wenigen Jahren, vielleicht wegen einer schweren Krankheit oder einem Verkehrsunfall. Manche Kinder werden das Opfer von Gewaltverbrechen. Und manche Kinder sterben auch, weil sie nicht mehr leben wollen. Auch Eltern von Kindern, die Suizid begangen haben, finden im Verein für Verwaiste Eltern und Geschwister offene Ohren, einen Ort, wo sie über das Unbegreifliche sprechen können.

Doch nicht nur Gespräche werden hier angeboten. In den Trauergruppen können die Eltern auch verschiedene Methoden der Trauerbewältigung kennenlernen, beispielsweise können sie ein Stück eines Gedenkteppichs gestalten, Gedichte hören und lesen oder auch Traueryoga ausprobieren.

Eine Gruppe von trauernden Vätern hat im vergangenen Jahr zusammen eine Kanutour gemacht, eine Gruppe von trauernden Jugendlichen reiste für ein Wochenende gemeinsam an die Ostsee, wo während langer Strandspaziergänge und Abenden am Lagerfeuer Gelegenheiten für intensive Gefühle von tiefer Trauer bis hin zu unbeschwerter Lebensfreude geschaffen wurden. Es sind geschützte Räume, die der Verein für die Trauernden bietet, Gelegenheiten zum gedanklichen Verweilen bei dem geliebten Kind, während andererseits der schwere Alltag ohne das Kind bewältigt werden muss. Man stützt sich gegenseitig, spendet sich Trost, entwickelt gemeinsam Rituale der Trauer.

Zum Austausch außerhalb der Gesprächsgruppen gibt es alle paar Monate einen Rundbrief, in dem die Eltern selbst zu Wort kommen. Hier können sie berichten, von ihrem Kind, dem Leben ohne diesen geliebten Menschen, von ihren Wegen des Umgangs mit dem Schicksalsschlag.

Die verwaisten Eltern unterstützen

Der Verein für Verwaiste Eltern und Geschwister bildet eine starke und außergewöhnliche Gemeinschaft und eine wichtige Stütze für unsere Gesellschaft, in der Trauer viel zu wenig Raum einnehmen darf. Dieses besondere Engagement wird durch viele Spender honoriert. Allerdings reichen die Spenden nicht ganz aus, um die laufenden Kosten des Vereins zu decken, wie etwa die Miete für die Räume. Deswegen ist auch der Verein für Verwaiste Eltern und Geschwister angewiesen auf seine Mitglieder und Spender.

Eltern, die die Gesprächsgruppen besuchen, müssen ebenfalls einen kleinen Beitrag zahlen, 10 Euro pro Abend, wenn sie Mitglied des Vereins sind, 15 Euro als Nicht-Mitglieder. „Wir haben aber noch nie jemanden abgewiesen, wenn er das Geld gerade nicht zahlen konnte“, berichtet Ilona Stegen. „In solchen Fällen hilft uns dann die Werny-Schmarje-Nachlass-Stiftung.“

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Alle Informationen und Kontaktmöglichkeiten zum Verein für Verwaiste Eltern und Geschwister e.V. gibt es auf diesen Internet- und Facebook-Seiten:

Bundesverband: www.veid.de | Facebook: facebook.com/VerwaisteEltern

Hamburger Verband: www.verwaiste-eltern.de | Facebook: facebook.com/Verwaiste-Eltern-und-Geschwister-Hamburg

Video: Ehrenamtliche Helfer nähen Kleider für Sternenkinder und Frühchen

 

 

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