Wahre und falsche Freunde: Was macht Freundschaft aus?

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Sind das wahre Freunde? Oder ist eine von ihnen vielleicht falsch...?
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Wir sind der Frage nachgegangen, was wahre Freunde sind

Wissenschaftler gehen in zahlreichen Studien der Frage nach, warum uns Freunde stark machen. Und erforschen die Basis dieser besonderen Beziehung.

Warum sind Freundschaften so wichtig für das Leben?

"Ein Kernproblem unseres Lebens ist die Einsamkeit. Um sie zu bewältigen, brauchen wir Freunde. Ein soziales Dorf, in dem wir uns sicher fühlen", sagt der Berliner Psychotherapeut Wolfgang Krüger, Autor des Buches "Wie man Freunde gewinnt". Familie oder Partner reichen als Bollwerk gegen Einsamkeit oftmals nicht aus. Denn dort bestehen Verpflichtungen oder finanzielle Bündnisse. Freunde aber stärken uns ohne Vorbehalte. In ihrer Gegenwart erscheinen Probleme kleiner: Die Steigung eines Berges erscheint uns geringer, wenn ein Freund neben uns steht.

Wie erkenne ich einen wahren Freund?

Eine wahre Freundin können wir zur Not mitten in der Nacht anrufen. Sie will ehrlich hören, wie es uns geht, und meldet sich nicht nur bei eigenen Problemen. Vor anderen verliert sie kein schlechtes Wort über uns. Mit ihr können wir schweigen, aber auch Dinge besprechen, die uns peinlich sind oder Angst machen. Die Aspekte von Geben und Nehmen halten sich in guten Freundschaften die Waage. Ist das Verhältnis aber über einen längeren Zeitraum unausgeglichen, wird sich einer ausgenutzt fühlen, und es kriselt, warnt Psychologe Horst Heidbrink von der Fernuniversität Hagen.

Welche Todsünden der Freundschaft gibt es?

Kaum eine Beziehung hält es aus, wenn jemand ständig Termine absagt oder hinter dem Rücken lästert und tratscht. Dadurch zerbricht Vertrauen, ein Grundpfeiler der Freundschaft . Auch Eigenschaften wie Dickköpfigkeit können eine Freundschaft im Alltag stark belasten. Unzuverlässigkeit, Vertrauensmissbrauch und Disharmonien im Alltag - diese drei Todsünden führen garantiert zum Aus einer Freundschaft, so Autor Wolfgang Krüger.

Bin ich ein guter Freund?

Wer die drei Todsünden umschifft, ist auf dem richtigen Weg. Eine diplomatische Streitkultur kann zudem helfen, Konflikte zu lösen . Wolfgang Krüger: "Probleme mit dem Freund verpacke ich im Gespräch wie einen Doppel-Whopper: Zuerst sage ich, dass mir der Freund viel bedeutet. Dann schildere ich die Situation aus meiner Sicht und frage, wie er sich an meiner Stelle fühlen würde. Das Problem ist eingefasst, wir kommen ins Gespräch."

Wann ist es Zeit zu gehen?

Die meisten Freundschaften sterben einen stillen Tod, sie schleichen fort, wenn gemeinsame Interessen fehlen. Doch es gibt auch Freundschaften, in denen wir bewusst einen Schlussstrich ziehen wollen, beispielsweise weil die Freundin immer alles schlechtredet oder Monologe hält, ohne auf unsere Empfindungen zu achten. "Sich zu trennen ist völlig in Ordnung", sagt Werner Küstenmacher, Theologe und Autor des Buches "Simplify Your Life". Er rät zu einem Abschiedsgespräch, in dem man seine Gründe darlegt. Leicht ist das zwar nicht, aber fair.

Geld und Freundschaft - kann das gut gehen?

Freundschaft ist eine Angelegenheit des Herzens, Geld eine des Verstandes - in Freundschaften eine oft unheilvolle Konstellation: Geld radikalisiert durch Abhängigkeit die Beziehung. "Wenn mir jemand etwas schuldet, nehme ich das im Streit vielleicht als Argument gegen ihn und vermische dadurch zwei Konflikte", erklärt Wolfgang Krüger. Natürlich gibt es Notsituationen wie schwere Erkrankungen, in denen man Geld leihen sollte, damit die Freundschaft nicht an unterlassener Hilfe zerbricht. "Bei Summen über 1000 Euro würde ich aber immer einen Vertrag aufsetzen, damit Klarheiten geschaffen werden", so Krüger.

Wie viel Verpflichtung verträgt Freundschaft?

Freundschaffen leben von der Freiwilligkeit der Beziehung. Soziologen haben jedoch festgestellt, dass Freunde zunehmend Verantwortung füreinander übernehmen und sich in hohem Maße einander verpflichtet fühlen. "Das ist ein relativ neues Phänomen", sagt Janosch Schobin, Soziologe an der Universität Hamburg. Dass sich Freunde in einer Senioren-WG zusammenfinden, sieht Schobin daher durchaus als Zukunftsmodell. Einen Haken hat die Sache aber: "Die meisten Menschen würden zwar einen Freund pflegen - umgekehrt aber nicht dessen Hilfe in Anspruch nehmen. Sie fürchten, als Pflegefall nichts Angemessenes zurückgeben zu können - und das verträgt sich nicht gut mit der Vorstellung, eine selbstbestimmte, vollwertige Person zu sein, die man ja in den Augen der Freunde sein möchte.

Sind Frauen die besseren Freunde?

Zumindest sind Frauen Spezialisten für Freundschaften: Zwei Drittel der Frauen geben an, gute Freunde zu haben, bei Männern ist es nur ein Drittel. Außerdem leben Frauen im Schnitt sechs Jahre länger als Männer. Wenn sie im Alter nicht vereinsamen wollen, brauchen sie ein gutes soziales Netz.

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