Walk the line

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Trendsport Slacklinen

Beim Slacklinen balanciert man kunstvoll auf einem Seil und trainiert damit Gleichgewicht und Körperbeherrschung zugleich. Unser Fitness-Experte Immanuel Schmötzer erklärt Ihnen, was es mit diesem Trendsport aus den USA auf sich hat, welche Ausrüstung Sie benötigen und mit welcher Übung Anfänger beginnen können.

Wer bei schönem Wetter im Park spazieren geht, kann sie immer öfter zwischen den Bäumen trainieren sehen : Slackliner. Das sind moderne Seilakrobaten, die ihren Gleichgewichtssinn auf einem zwischen zwei Bäumen gespannten Seil trainieren. Grazil balancieren sie über das gespannte Band. Fortgeschrittene vollführen sogar wahre Kunststücke - Sprünge, Drehungen und sogar Salti.

Slacklinen ist fast wie Seiltanz, bloß hängt das Seil viel niedriger, etwa in Knie- bis Hüfthöhe (ab 90 Zentimetern sollte ein Fallschutz vorhanden sein) und ist beim Balancieren nicht straff gespannt, sondern dehnt sich unter dem Gewicht des Slackliners. Dadurch verhält es sich sehr dynamisch und verlangt vom Benutzer ein ständiges aktives Ausgleichen der Eigenbewegung. Das wiederum erfordert ein gutes Zusammenspiel von Balance, Konzentration und Koordination. Hört sich kniffelig an, ist es auch.

Slackliner lieben den Nervenkitzel

Von Kletterern im Nationalpark Yosemite Valley in Kalifornien erfunden, wird das Slacklinen auch bei uns immer beliebter . Wohl auch wegen der kostengünstigen Ausstattung. Alles, was man braucht, ist nämlich die Slackline, ein elastisches Band, das sich zwischen Bäumen, Stangen oder Säulen spannen lässt und aus zwei Schlauchbandelementen von zweieinhalb Zentimetern Breite besteht. Plus zwei Ratschen, die jeweils die Schlauchbandelemente miteinander verbinden.

Über die Ratschen lässt sich das Seil auch individuell spannen, um die Schwierigkeitsgrade zu variieren - je stärker die Line gespannt ist, desto leichter geht man darauf. Bei lockerer Spannung ist das Balancieren schwieriger - das Seil schwingt stärker aus.

Die Slackline kann als Low- oder Highline gespannt werden, je nachdem in welcher Höhe balanciert werden soll. Während sich Lowliner lediglich der sensomotorischen Herausforderung an den Gleichgewichtssinn stellen, geht es den Highlinern zusätzlich um den Kick. Sie überwinden Abgründe und Schluchten von mehreren hundert Metern und lieben den Nervenkitzel in luftiger Höhe.

Koordination und Balance ist alles

Das Lowlinen setzt eine gute Körperbeherrschung voraus und eignet sich daher gut als ergänzendes Training für unzählige Sportarten. Wintersportler, Inlineskater, Montainbiker, Kletterer, Surfer, Wakeboarder oder auch Ballsportler nutzen die Vorzüge des hohen koordinativen Inputs beim Slacklinen für ihren jeweiligen Sport. Das ständige Ausbalancieren des Körpers sorgt dabei für ein verbessertes Zusammenspiel der Muskeln und kräftigt zudem den Stützapparat.

Außerdem erfordert das Balancieren auf der wackeligen Line ein gutes Reaktionsvermögen und die Anspannung des gesamten Körpers. Es werden viele Muskeln gleichzeitig aktiviert. Das nennt man Kokontraktion und bewirkt die Stabilisierung der Gelenke.

Dauerhaftes Training auf der Slackline führt zu einem effektiven Muskeleinsatz und zu gezielten Ausgleichsbewegungen. Darüber hinaus macht das Slacklinen natürlich unglaublich viel Spaß, so dass es sich als richtiger Freizeitsport etabliert hat.

Aller Anfang ist schwer

Die Slackline verfügt über eine große Zugkraft. Daher sollten Sie beim Kauf einer Ausrüstung unbedingt auf die Bruchlast der verwendeten Materialien beachten. Kaufen Sie eine Line, die ein Gewicht von mindestens 20 Kilonewton aushält. Bei dieser Belastungsgrenze könnte ein Elefantenbaby auf dem Seil tanzen ohne es zum Zerreißen zu bringen. Das ist bei den CE- und UIAA-zertifizierten Produkten beispielsweise der Fall.

Slacklinen können Sie überall dort, wo Sie Ihre Line richtig spannen können, entweder draußen im Park zwischen Bäumen oder in der Turnhalle. Befestigen Sie die Line einfach zwischen zwei Recks.

Unerfahrene Slackliner sollten ihr Training auf einer weichen, instabilen Unterlage, auf geradem Boden beginnen. Wer sich stabilisierende Hilfe bei Gras, Sand oder Weichbodenmatten holt, erzielt schnell kleinere Erfolge. Wer will, kann sich auch einen Stab zur Hilfe nehmen oder sich auf die Schulter eines Freundes stützen. Und wenn es nicht gleich klappt, immer daran denken, aller Anfang ist schwer.

Wer schon einen Schritt weiter ist, hebt vom Boden ab, und zwar ganz alleine. Die Schwierigkeit dabei: Steht man mit einem Bein auf der Line und hebt das zweite an, fängt das Seil richtig an zu schwingen. Die Bewegung lässt sich zwar reduzieren, indem man den zweiten Fuß nahe am Band platziert, so dass der Schwerpunkt direkt über dem Fuß liegt, der als erstes auf die Slackline gestellt wird. Trotzdem erfordert das Stehen auf der Line eine Menge Gleichgewichtssinn und Balance. Alle Artikel der SHAPE Online Fitness-Experten im Überblick Lesen Sie mehr: Ryan Reynolds ist der Marathon-Mann Lesen Sie mehr: Starchoreograf Jamie King im Interview Lesen Sie auf JOY Online: Glücklich mit Mentaltricks