Walter Sittler: "Die Ehe kann zum Gefängnis werden"

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Schauspieler Walter Sittler ist bekannt aus der ZDF-Reihe "Der Kommissar und das Meer". Hier ist er mit seiner Ehefrau Sigrid zu sehen. Die beiden sind seit 30 Jahren glücklich verheiratet.
Foto: Getty Images

Schauspieler Walter Sittler setzt in der Liebe auf Vertrauen

Liebesgeschichten im Fernsehen enden oft dramatisch. So auch im neuesten Film von Walter Sittler. Was er von der Ehe und Affären hält, verrät er uns hier.

[ Eine junge Frau steht auf einer Klippe und will springen... kurz darauf passiert ein Mord... ] Wenn wir Menschen uns auf eine außereheliche Affäre einlassen, kann es zu einem dramatischen Ende kommen - wie im neuesten Film von Walter Sittler für die Reihe "Der Kommissar und das Meer", in dem eine junge Frau sich mit der Verbindung zu einem verheirateten Mann quält.

Wir haben darum Walter Sittler, der den Kommissar Anders spielt, gefragt, wie eine Frau mit so einer Affäre umgehen sollte und ob er die Ehe überhaupt noch für sinnvoll hält.

Wunderweib: Herr Sittler, Sie sind jetzt 62 Jahre alt und seit 30 Jahren mit Ihrer Frau Sigrid verheiratet. Halten Sie die Ehe heute noch für zeitgemäß?

Walter Sittler: Es kommt darauf an, wie man gestrickt ist und was man im Leben braucht. Ich glaube nicht, dass jeder für eine Ehe geeignet ist. Ich halte es auch für falsch, das als einzige Lebensform öffentlich zu akzeptieren und zu sagen „so oder gar nicht“. Dafür gibt es viel zu viele Menschen-Arten und Kulturen. Gemeinsame Kinder sind zum Beispiel ein viel entscheidenderes Kriterium, als eine Urkunde vom Standesamt. Für diejenigen, für die eine Ehe gut ist, ist es wirklich wunderbar. Aber für die, für die das nichts ist, kann eine Ehe sehr leicht zum Gefängnis werden.

"In der Liebe müssen wir großzügig sein"

Was meinen Sie, was eine gute Beziehung ausmacht?

WS: Es braucht Vertrauen von beiden Seiten. Der eine muss aufpassen, dass er keine Anlässe für Misstrauen bietet und der andere muss lässig genug sein, nicht alles als Vertrauensbruch zu werten. Bei manchen Leuten ist schon eine SMS, die nicht sofort beantwortet wird, ein Vertrauensbruch. Das ist natürlich Blödsinn. Man muss eine große Lässigkeit mitbringen und zum anderen „Ja“ sagen können. Nicht „Ja, vielleicht“ oder „Ja, ich schau mal“, sondern einfach „Ja. Das muss man lernen, das haben wir in unserer Zeit nicht mehr so. Man sagt immer „Ja - aber vielleicht kommt ja noch was Besseres um die Ecke“. Man sollte nach einer Weile lernen, dass um die Ecke auch nicht viel Besseres liegt. Außerdem sollten wir uns bewusst machen, dass wir eine Selbstzufriedenheit, eine Zufriedenheit mit dem Leben, nicht auf dem Leben eines anderen aufbauen können, das muss man schon mit sich selber ausmachen. Wir sollten spielerisch aufeinander zugehen - und nicht die Erlösung vom anderen erwarten. Die kann man in der Religion suchen, wenn man das will. Aber nicht in einem anderen Menschen. Das sind alles nur Menschen, mit Fehlern behaftet, die machen dummes Zeug – und da muss man großzügig sein, mit sich und den anderen.

Eine Szene aus dem Film "Wilde Nächte": Hier rettet Walter Sittler als Kommissar Anders der verzweifelt verliebten Elsa das Leben, als sie von einer Klippe springen will.

Im Film haben wir eine Frau, die eine Beziehung mit einem jungen Mann und gleichzeitig eine Affäre mit einem älteren Mann führt. Was würden Sie so einer Frau raten?

WS: Erstmal müsste sie um Rat und Hilfe bitten, sonst würde ich gar nichts sagen. Das muss sie wollen. In unserem Film ist es ja der verheiratete Mann, der sich nicht im Zaum halten kann. Der aus verschiedenen Gründen – die sicher nachvollziehbar und verstehbar sind, was nicht heißt, dass sie richtig sind – das so machen muss, weil er unglücklich ist, weil er verzweifelt ist, weil er nicht genug bekommen hat in seinem Leben. Wenn sie mich fragen würde, wenn sie unglücklich ist, würde ich wahrscheinlich sagen „Lass die Finger davon, so schwer es ist.“ Aber dann kommt eben ein anderes Opfer um die Ecke – also für den Mann. So eine Sache ist schwer zu lösen. Es gibt ja seit einigen Jahren diese Apps , wo man Leute zum ins Bett gehen treffen kann. Ich will moralisch gar nicht beurteilen, ob das gut oder schlecht ist. Aber für manche Menschen ist das mittlerweile notwendig. Die können der Moral, der sie sich unterworfen glauben, nicht standhalten. Ich kann alle Protagonisten in unserem Fall verstehen. Die Ehefrau, die sich abwendet, den Mann, der diese Affäre braucht, und auch das Mädchen, das diesen älteren Mann braucht, um Halt zu finden. Wie sie alle versuchen, ihre Fassaden aufrecht zu erhalten, ist sehr spannend anzusehen.

Meinen Sie, es würde helfen, wenn wir in der Schule ein Fach wie „Beziehungskunde“ hätten?

WS: Das würde sicher helfen, wenn es genügend Vorbilder in der Wirklichkeit gäbe. Das was die Menschen um einen herum tun, ist mindestens genauso wichtig. Und wenn ich sehe, was da angestellt wird, dann frage ich mich: Was nützt das ganze Gequatsche? Das was man tut ist wichtig, nicht das was man sagt. Ob man Politiker ist, berühmter Sportler oder Musiker, man wächst in eine Vorbildrolle rein und muss aufpassen, was man tut. Das heißt nicht, dass man ein langweiliges Leben führen soll. Aber man muss aufpassen.

INFO

Der Film "Wilde Nächte" läuft am 21. März 2015 um 20.15 Uhr im ZDF. Alle weiteren Infos zur Reihe "Der Kommissar und das Meer" gibt es hier .

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