... Wandregal aufhängen

wandregal aufhaengen

Mein erstes Mal ...

Ich gebe zu, wenn es ums Heimwerken geht, bekenne ich mich absolut zum schwachen Geschlecht. Nach dem Motto "Ich bin eine Frau, ich muss das nicht können", habe ich eigentlich immer jeman(n)den gefunden, der mir Bilder aufhängt, Wände streicht oder die Waschmaschine repariert.

Doch letzte Woche hatte ich plötzlich den Drang, ein freischwebendes Wandregal im Wohnzimmer hängen zu haben. Und das SOFORT - ich gehöre nämlich auch zu den ungeduldigsten Menschen der Welt. Es war Dienstagnachmittag und ich musste dieses verdammte Ding einfach haben. Natürlich fand ich unter der Woche um 16 Uhr nieman(n)den, der nicht in der Arbeit saß und so stand die Aktion Wandregal ganz schnell unter dem Motto "Selbst ist die Frau".

Papas Schlagbohrer hatte ich zu Hause, auch Dübel und Schrauben lagen ordentlich in meiner "Werkzeug für männliche Heimwerkbesuche"-Kiste, also stand der Regal-Installation nichts mehr im Wege. Gott sei Dank gehöre ich zu den Leuten, die verdammt viel in der Theorie beherrschen, was sie in der Praxis noch niemals ausprobiert haben, und so war für mich die ganze Angelegenheit ein Klacks - theoretisch.

Ich zückte also die Wasserwaage, presste mit aller Gewalt die zwei Meter lange Regalträgermetallleiste an die Wand und schon konnte es losgehen. Löcher (zwölf an der Zahl) anzeichnen, bohren, schrauben, hängen - ein Kinderspiel. Oder doch nicht? Ich machte mich erst mal ans Schnellspannwerk des Bohrhammers, fütterte ihn mit einem 6er (nennt mich Tim Taylor) und machte mich freudig ans erste Loch. Und - triumphier - der Bohrer glitt wie Butter in die Wand. Ich war stolz. Beim zweiten Loch ging es schon ein bisschen schlechter. Bei Loch drei entschied ich mich, das Regal mit wenig Gewicht zu belasten und deshalb nicht alle zwölf Löcher zu bohren. Bei Loch vier fragte ich mich, ob ich Spachtelmasse im Haus hätte, um den Mörtel, der beim Bohren runterkam, zu ersetzen. Und wären Loch fünf bis acht nicht ein wenig besser gewesen, hätte ich wahlweise Bilder über die bisherigen Missgeschicke gehängt oder einen Nervenzusammenbruch erlitten.

Die Dübel passten - dem Himmel sei Dank - locker in die etwas groß geratenen Löcher und so fand ich meinen Mut schnell wieder. Jetzt musste nur dieses Metallträgerdingsbums an die Wand und dann wäre ich dem Traum vom Regal schon verdammt nahe. Zugegeben, es war nicht einfach, dieses zwei-Meter-Ding so zu balancieren, dass es mit allen Löchern übereinstimmte, gleichzeitig die Schrauben reinzudrehen und alles in der Waage zu halten. Aber das Schicksal war auf meiner Seite und das Blechteil überdeckte sogar das dahinter liegende Übel. Jetzt musste ich nur noch das Holzding über das Metalltrum stülpen und unten zwei Fixierschrauben befestigen (damit man das Holzelement nicht vom Träger ziehen kann) und fertig.

Denkste! Ich schob also dieses Ding drauf und dann drehte ich mir bei den verfluchten Minifixierschrauben den Wolf. Das konnte doch nicht sein. Auf den letzten Metern sollte doch noch alles scheitern? Verdammt! Ich drehte, drückte, schraubte, schwitzte und hatte plötzlich so eine Vorahnung. Sollte ich etwa wirklich ... konnte es sein dass ... aber ich hab doch ... Ja, ich habe. Ich habe das scheiß Metallteil falsch herum angeschraubt. Also alles wieder runter, alles auf Anfang und alles noch mal. Zum Glück hatte ich jetzt viel Zeit, die ganze Sache noch mal zu überdenken. Und schau ich mir mein Wandregal, auf dem nur ein Buch steht, damit die Belastung nicht zu groß ist, so an, dann denke ich, dass die Männer nicht immer so schlecht sind wie Frau oft denkt.

JOY.DE-Urteil: