Wann verlieren Sie die Nerven, Frau Saalfrank?

katja saalfrank
Hier ist Katharina Saalfrank mit dem 3-jährigen Fabrice zu sehen. Sie möchte den Jungen mehr in den Fokus der Familie rücken.
Foto: RTL / Thomas Niedermueller

Berufliche Herausforderung

Verzweiflung, Überforderung – manchmal sogar Gewalt: Diplom-Pädagogin Katharina Saalfrank (38) hat als „Super Nanny“ (RTL, Mittwochs, 20.15 Uhr) schon viel erlebt. Wir sprachen mit ihr:Das neue Blatt: Konnten Sie schon mal einer Familie nicht helfen?

Katharina Saalfrank: Nein, ich musste auch noch nie einen Fall „aufgeben“. Zweimal war es so, dass ich Eltern bei der Entscheidung begleitet habe, ihre Kinder fremd unterzubringen.

Sie wirken meist sehr ruhig. Wann verlieren Sie die Nerven?

Katharina Saalfrank: Ich bin oft emotional. Manchmal bin ich laut, manchmal falle ich Eltern ins Wort, manchmal sage ich sehr deutlich, dass Gewalt gar nicht geht. So ruhig, wie Sie es vielleicht wahrnehmen, bin ich also gar nicht.

Was halten Sie von einem Klaps?

Katharina Saalfrank: Nichts! Ich lehne jede Form von Gewalt ab! Leider erlebe ich bei meiner Arbeit auch oft psychische Gewalt.

Was bedeuten Misshandlungen für die Seele?

Katharina Saalfrank: Wenn Kinder gewaltvolle Situationen zu Hause von ihren Eltern erleben, können sie stark in ihrer Entwicklung beeinträchtigt werden.

Thema pubertierende Kinder…

Katharina Saalfrank: Es ist eine ganz besondere Zeit, die oft von uns Erwachsen missverstanden wird. Ich arbeite viel mit Kindern und Jugendlichen, die in dieser Zeit innere und äußere Veränderungen durchmachen, die sie selbst verwirren.

Seit 2004 arbeiten Sie als Super Nanny. Ich kann mir vorstellen, dass auch ein Profi wie Sie manchmal an seine emotionalen Grenzen stößt. Was waren die prägendsten Erfahrungen in den Jahren?

Katharina Saalfrank: Wenn man mit Menschen und Beziehungen arbeitet ist es wichtig, dass man sich selber in Supervision begibt, um sich so auch wieder von der Arbeit und dem Erlebten zu erholen. Das mache ich schon immer regelmäßig und ist für mich eine Grundvoraussetzung für eine solche pädagogische Arbeit. Die prägendste Erfahrung für mich ist, dass die meisten Beziehungs- und Erziehungsprobleme daraus resultieren, dass die Familien zu hohe und oft auch ganz falsche Erwartungen an die Kinder haben. Die Kinder verhalten sich eigentlich "normal" und sind völlig altersgerecht, die Eltern erwarten jedoch oft, dass alles "funktioniert" und haben häufig wenig Wissen über die Entwicklungsstufen und die kindlichen Bedürfnisse. Meine Arbeit ist es dann, dieses Ungleichgewicht etwas aufzuheben, Informationen zu vermitteln und auch die Bedürfnisse der Kinder deutlich zu machen und in den Mittelpunkt zu rücken.

Wie sieht für Sie die richtige Erziehung aus?

Katharina Saalfrank: Es gibt nicht DIE "richtige" Erziehung. Es geht um Beziehung und weniger um "Er-"ziehung. Kinder brauchen stabile, vertrauensvolle Bezugspersonen, die ihnen eine Beziehung anbieten und ihnen die Möglichkeit geben, auch Erfahrungen zu machen. Und sie brauchen Erwachsene, die nicht selber den Anspruch haben, perfekt sein zu wollen. Nur wenn wir selber auch mal eingestehen können, dass etwas nicht so gut gelaufen ist, können Kinder ein echtes Gefühl bekommen - es läuft eben nicht alles glatt und das ist doch auch gut so! Es geht grundsätzlich darum, dass Kinder sich zu Hause von ihren Eltern geliebt, anerkannt und geborgen fühlen. Das ist die Basis der Beziehung zu Kindern. Gewalt - auch der sogenannte "Klaps" - ist absolut Tabu! Da bin ich sehr klar. Das lehne ich total ab.

Welche Dinge sollten Großeltern bei der Erziehung tun/nicht tun?

Katharina Saalfrank: Großeltern haben eine ganz besondere Beziehung zu ihren Enkeln und können genießen eben Oma und Opa - und nicht Eltern - zu sein. Manchmal gibt es Generationskonflikte, das bringt die Sache einfach mit sich. Die Zeiten ändern sich und das wird eben auch an den Kindern oder Enkelkindern deutlich.

Was raten Sie Eltern, wenn sie nicht mehr weiter wissen?

Katharina Saalfrank: Ich rate allen Eltern sich auszutauschen. Ob Fachmann oder Freund. Alle Menschen, die Verantwortung tragen, holen sich Rat, Beratung und gehen in Austausch. Unsere Bundeskanzlerin zum Beispiel lässt sich natürlich von Fachleuten unterstützen und beraten, warum sollten wir Eltern mit unserer Verantwortung das nicht tun!? Es ist heutzutage oft noch verpönt zu sagen: Ich weiß nicht weiter! Wir sollten uns nicht verunsichern lassen, sondern bei Fragen auch diesen nachgehen und nach Antworten suchen - und oft gibt es auch nicht DIE EINE Antwort, sondern individuelle Wege.

Wie reagieren Menschen auf der Straße auf Sie?

Katharina Saalfrank: Eigentlich reagieren die Menschen durchweg sehr positiv. Viele gehen mit mir ins Gespräch über verschiedene Aspekte der Sendung aber auch über die schwierigen Situationen, in denen Kinder aufwachsen. Manche erzählen mir von ihrer eigenen Kindheit und wie schwer es oft heute noch für sie ist, diese zu verarbeiten. Ja und manchmal kommt es vor, dass einer eine Frage zwischendurch hat. Das ist natürlich dann nicht so einfach, denn es geht oft um komplexe Themen. Es sind ganz schöne Begegnungen und manchmal hilft auch schon einfach nur zuzuhören.

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