Mama-BlogWarum ich manchmal hilflos bin

Mama-Bloggerin Anja schreibt ehrlich über das Gefühl der Überforderung.
Mama-Bloggerin Anja schreibt ehrlich über das Gefühl der Überforderung.
Foto: iStock

Auf unserem Mama-Blog berichten Mütter über ihren Alltag und verraten ihre Geheimnisse - so wie Mama-Bloggerin Anja, die ehrlich darüber schreibt, auch mal hilflos zu sein.

Im Prinzip halte ich mich für eine starke Frau. Ich kann kämpfen, wenn es um meine Kinder geht und ich kann auch Schmerz und Ungerechtigkeit aushalten, wenn es sein muss. Aber manchmal gibt es diese Momente, da fühle ich mich nur noch klein und hilflos.

Zum Beispiel wenn meine Töchter leiden. Wenn ich merke, dass sie etwas beschäftigt und ich ihnen nicht helfen kann. Oder wenn sie ihre gesammelte Frustration mal wieder geballt an mir auslassen und ich mich nicht wirklich wehren kann.

Und obwohl ich meine Kinder liebe, möchte ich in solchen Momenten am liebsten einfach davonlaufen. Denn es fühlt sich absolut doof an, nicht weiter zu wissen. Und plötzlich dem eigenen Kind hilflos gegenüberzustehen, wenn man sonst eher immer alles im Griff hat, ist auch nicht gerade das Tollste der Welt.

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Früher habe ich immer versucht, dieses Gefühl zu verstecken. Denn eine Mama muss ja stark sein für ihre Kinder. Also habe ich entweder gar nichts dazu gesagt oder bin laut geworden, damit sie nicht merken, wie hilflos ich eigentlich bin. Aber gut angefühlt hat sich das nicht wirklich. Und besser ging es damit auch keinem von uns.

Irgendwann habe ich dann aufgegeben. Denn das Gefühl als Mutter gerade mächtig zu versagen, hat einfach über Hand genommen. Also habe ich mich ganz still hingesetzt und plötzlich kamen die Tränen. Ja, ich weiß, dass ich "eigentlich" nicht vor meinen Kindern weinen sollte. Und ich weiß auch, dass das die Situation nicht löst.

Aber es hat eben einfach unendlich gut getan. Mit den Tränen sind nämlich auch die ganzen schlechten Gefühle ausgespült worden. Und es hat sich mit einem Mal leichter angefühlt.

 

Wie meine Töchter reagiert haben? Erstaunlich gelassen. Denn obwohl ich ihnen nicht helfen konnte und auch sie gerade wahnsinnig mit der Situation zu kämpfen hatten, waren sie plötzlich wieder ganz bei mir. Komisch, aber wahr. Wir saßen alle in demselben Gefühl fest und keiner von uns hatte eine Lösung dafür. Auch ich als Mama nicht.

Und trotzdem haben sie gesehen, dass es okay ist, sich hilflos zu fühlen. Und sie lernen, dass man nicht für jede Situation sofort eine Lösung parat haben kann. Muss man das denn überhaupt?

Ich weiß es nicht. Was ich weiß, ist, dass mit jedem Moment, in dem ich so ehrlich ich selbst bin, meine Töchter ein Stück weiterkommen. Weil sie eine echte Mama mit echten Gefühlen sehen. Und keine perfekte, nach außen hin immer starke Mama, der es innerlich eigentlich nicht gut geht.

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Und damit ist uns irgendwie allen geholfen. Meine Mädels erleben, dass auch schlechte Gefühle zum Alltag gehören und dass es trotzdem nichts daran ändert, wie lieb ich sie habe. Und ich habe nicht mehr den enormen Druck, immer stark sein und für alles eine Lösung haben zu müssen.

Denn manchmal gibt es ja tatsächlich keine. Und dann ist es gut, wenn man weiß, dass man auch schwach und trotzdem eine gute Mutter sein kann. Und dass es immer irgendwie weitergeht, auch wenn man noch nicht genau weiß wie.

Denn Gefühle zeigen ist besser als perfekt.

Deine Anja

Anja Riemer-Grobe bloggt für Wunderweib.de über Familie und Mutter sein.
Foto: Anja Riemer-Grobe

P.S.: Kennst Du solche Situationen der Hilflosigkeit? Wie gehst Du denn damit um? Schreibe mir doch einen Kommentar und erzähle mir davon. Und wenn Du willst, dann komm doch in meine Mamafreude-Facebookgruppe. Dort sind wir schon eine tolle Gemeinschaft von Müttern, die sich einfach mal offen und ehrlich zu ihrem Familienleben austauschen wollen. Komm doch gern dazu! Ich würde mich freuen!

Über Anja:

Anja Riemer-Grobe ist konsequent-liebevolle Mädchenmama, Elternbegleiterin und Befürworterin eines wertschätzenden Miteinanders. Sie schreibt auf ihrem Blog unter www.anja-riemer.de über die Themen Familie, Beziehung und Bindung und hilft anderen Eltern dabei sich selbst zu helfen, indem sie ihren ganz eigenen Familienlebensraum entwickeln. Ohne Druck und Stress von außen, dafür mit viel Liebe und Wertschätzung auf Basis von echten Beziehungen.

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