Mama-BlogWarum ich mich für einen Wunschkaiserschnitt entschieden habe

Für die Geburt ihrer Tochter entschied sich Timea für einen Wunschkaiserschnitt. Eine Entscheidung, die sie nie bereut hat.
Für die Geburt ihrer Tochter entschied sich Timea für einen Wunschkaiserschnitt. Eine Entscheidung, die sie nie bereut hat.
Foto: Timea Sternkopf

Für die Geburt ihrer Tochter entschied sich Mama-Bloggerin Timea für einen Wunschkaiserschnitt. Warum sie nicht vaginal entbinden wollte.

 

Mein Körper, meine Entscheidung - ich hatte einen Wunschkaiserschnitt

Die seit März laufende Diskussion um eine Frau aus Brasilien, die gleich nach dem Kaiserschnitt, noch vom Op-Tisch aus, ein Selfie von sich und ihrem Neugeborenen postete, regt mich mächtig auf. Sie erntete neben zahlreichen Glückwünschen auch allerhand Anfeindungen. Auslöser der Diskussion: Thaise de Mari sieht auf dem Foto gut aus - und das direkt nach der Geburt.

Was ist daran so schlimm?

Von Neid infizierte, selbsternannte Verfechter der Bewegung "nur-wer-vor-Schmerzen-entstellt-leidet-kann-eine-gute-Mutter-sein" oder gerne auch "Frauen-die-einen-Kaiserschnitt-hatten-sind-nichts-wert" krochen aus ihren Steinzeit-Höhlen und kommentierten missgünstig ihr Glück.

Ich beobachte mit Sorge, dass bei dem Thema Kaiserschnitt - noch schlimmer Wunschkaiserschnitt - die Tendenzen heutzutage immer noch so negativ sind. Ich kann es einfach nicht lassen und betone es in aller Deutlichkeit:

Ich hatte einen Wunschkaiserschnitt, und daran ist nichts Verwerfliches!

 

Die Geburt entscheidet nicht, wer eine gute Mutter wird

Ja, ich wünschte mir von Anfang an einen Kaiserschnitt. Wieso? Weil ich es so wollte. Gerade Frauen können untereinander richtig fies werden, das finde ich traurig. Eine Geburt ist hart, egal ob natürliche Geburt oder Kaiserschnitt. Aber letztendlich ist es nur ein Tag (oder 2-3…), der sicherlich nicht darüber entscheidet, ob jemand eine gute Mutter wird oder nicht.

Viele Menschen lassen sich beim Zahnarzt unter Vollnarkose behandeln und kassieren auch keinen Shitstorm dafür, dass sie diesen Weg wählten. Wieso müssen wir denn (vaginal) leiden, um gut dazustehen?

Ich wusste schon immer, dass ich einen Kaiserschnitt haben möchte. Am Anfang meiner Schwangerschaft erwähnte ich dies bei jedem Gespräch, das ich über die bevorstehende Geburt führte. Schnell merkte ich die abweisenden Blicke und die hochgezogenen Brauen und wurde mit jedem Monat stiller und behielt es für mich, da ich schlicht und einfach keine Lust mehr hatte, meine persönliche Entscheidung zu rechtfertigen.

 

Selbst die Hebamme wollte mich vom Kaiserschnitt abbringen

Absurderweise hörte die ewige Diskussion über einen Wunschkaiserschnitt selbst im Kreißsaal unter Wehen nicht auf. Meine Ärztin verordnete mir Wehenhemmer, die mir die Hebamme verabreichen sollte. Diese Dame ließ sich offensichtlich absichtlich Zeit damit und versuchte, als wir alleine waren, mich von einer natürlichen Geburt zu überzeugen. Sie ließ einfach nicht locker, obwohl ich von Anfang an klarstellte, dass ich einen Kaiserschnitt möchte und mich mental seit Monaten darauf vorbereitete.

So gut es geht eben. Denn Geburtsvorbereitungskurse für Frauen bei denen (aus welchen Gründen auch immer) ein Kaiserschnitt geplant ist, sind nicht vorhanden. Dabei hätte ich mich gefreut mich mit anderen Frauen auszutauschen, denen auch ein Kaiserschnitt bevorstand. Aber es ist in Deutschland leider immer noch verpönt. Es muss etwas geschehen in unserer Gesellschaft.

 

Alle Mütter verdienen den gleichen Respekt!

Bitte nicht falsch verstehen: Ich sage hier nicht, dass alle einen Kaiserschnitt haben sollten. Ich möchte mich einfach nur dafür stark machen, dass im Vorfeld alle Optionen vorgestellt werden und nicht nur die, die seit Tausenden von Jahren praktiziert werden. Die Medizin entwickelt sich rasant weiter und hört bei der Geburt nicht auf. Alle Frauen sollten respektiert werden - egal ob ihr Kind aus dem Bauch geschnitten oder rausgepresst wurde. Die Babys sind danach da und die Frauen wurden zu Müttern.

Wusstet ihr, dass die Kaiserschnittrate im Jahr 2015 bei 31,1 Prozent lag? Das heißt, fast jede dritte Frau brachte ihr Kind per Kaiserschnitt auf die Welt.

Natürlich ist die Rate derjenigen, die sich freiwillig für einen Kaiserschnitt entschieden, viel niedriger. Das liegt an mangelnder Aufklärung und dem Druck von außen, es erstmal auf natürlichem Wege zu versuchen.

So enden viele geplante natürliche Geburten letztendlich, nach stundenlangen unnötigen Qualen, doch auf dem OP-Tisch. Ein geplanter Kaiserschnitt dauert in der Regel keine halbe Stunde. Sicherlich hätten einige Frauen im Nachhinein lieber gleich diesen Weg gewählt.

Video: So funktioniert der Kaiserschnitt

 

Verharmlosen möchte ich dennoch nichts - der Kaiserschnitt ist ein Eingriff, der wie jede andere Operation mit Risiken verbunden ist. Und natürlich auch mit heftigen Schmerzen, schließlich werden die Bauchmuskeln durchtrennt. Trotzdem war mir das geplante Aufschneiden schon immer lieber als ein ungeplanter Dammriss. Es ist schließlich mein Körper.

Es gab ein Buch, das mir auf meinem Weg zum Kaiserschnitt unendlich half: „Königsweg Kaiserschnitt“ von Dr. med. Martina Lenzen-Schulte. Die natürliche Geburt bietet in Bezug auf Sicherheit keinerlei Vorteile gegenüber dem Kaiserschnitt. Mit Statistiken, Studien und zahlreichen Erfahrungsberichten klärt die Autorin über das Streitthema Kaiserschnitt auf.

Unten seht ihr mein Foto direkt nach der Geburt und ja, ich trage Lippenstift und Mascara. Der Blasensprung kam unverhofft vier Wochen zu früh und so landete ich perfekt geschminkt auf dem OP-Tisch. Ihr könnt mich hassen, wenn ihr euch dadurch besser fühlt, aber ich hatte keine Lust mich abzuschminken.

Mehr zum Thema:

Kaiserschnitt als Schock! Leben mit einem ungeplanten Geburtsverlauf

Tattoo nach Kaierschnitt: Tätowierung bedeckt Geburtsnarbe

Nächster Mama-Blog:

Mama ist jetzt mal nicht mehr verfügbar!

Willst du aktuelle News von Wunderweib auf dein Handy bekommen? Dann trag' dich schnell in unserem WhatsApp-Newsletter ein!

Kategorien: