Warum Instagram-Neid auch guttun kann

instagram depressionen
Die Freundin postet dieses Jahr schon das dritte Urlaubs-Selfie? Macht erst mal neidisch - kann letztendlich aber helfen, sich selbst den Wunsch vom City-Hopping zu erfüllen.
Foto: Andy Smith/Corbis

Social Media macht unglücklich? Stimmt nur bedingt

Ein unbekümmertes Scrollen durch den Instagram-Feed kann gefährlicher fürs Wohlbefinden sein, als man zuerst annimmt. Neue Studien zeigen: Soziale Netzwerke machen neidisch. Warum das auch gut sein kann, verraten wir hier.

Die gemeinsame Untersuchung der TU Darmstadt und der Humboldt Universität zu Berlin belegt, dass sich über ein Drittel der Nutzer frustriert und traurig fühlt. Denn mit Filtern aufgemotzte Urlaubsfotos, Party-Schnappschüsse oder Outfit-Bilder anderer schüren Neid. Die "gekränkten" User reagieren mit einer verstärkten Selbstdarstellung. Die Folge: Jeder User rückt sein Leben in ein positiveres Licht, als es in Wirklichkeit ist, und löst damit eine "Neidspirale" aus.

Abmelden, Smartphone wegschließen und für immer offline leben?

Klar, Neid gehört mit seinen Kumpels Hochmut, Zorn, Trägheit, Geiz, Völlerei und Wollust zur Truppe der sieben Todsünden. Und der Instagram-Neider steht mit seinem Gefühlsgemisch aus Traurigkeit (weil er etwas nicht hat), Wut (weil der andere etwas hat) und Angst (weil er nicht weiß, ob er es je haben wird) ziemlich blöd da. Denn er hat keinen Anspruch auf das, was der andere da postet.

Doch: Aus Neid kann man Kraft ziehen und große Ziele erreichen – wenn man dazu steht. Oft verbergen sich hinter Neid nämlich nur Wünsche, die so tief in uns rumoren, dass sie uns erst klar werden, wenn eine Freundin sie sich erfüllt und das Ergebnis bei Instagram postet.

Neid lüftet den Vorhang, den unsere Psyche vor unsere Sehnsüchte geschoben hat, damit wir uns nicht mit ihnen beschäftigen müssen. Ihn zur Seite zu schieben hieße, diese Sehnsüchte tatsächlich auch anzugehen, statt sie wie sonst immer vor uns her zu schieben. Wird das weh tun? Sehr wahrscheinlich, man weiß ja, wie viel Arbeit und Mut das braucht. Andererseits: Nur wer sich seinen Wünschen stellt, wird sie sich auch erfüllen können.

Und wenn man dann beide Beine im Infinity-Pool auf den Malediven baumeln lässt, einfach mal ein Selfie machen und bei Instagram posten.

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