Warum lieben Münsteraner diese drei Frauennamen?

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Heißen wir bald alle gleich?
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Erkennt man Münsteraner bald an ihrem Vornamen?

Wie die eigenen Kinder einmal heißen werden, wissen einige Mädchen schon im Kindesalter. Andere Frauen entscheiden sich erst für einen Namen, wenn „es soweit ist“ und wieder andere wählen Namen für ihren Nachwuchs, der Tradition hat.

Für alle gilt aber: Spätestens vier Wochen nach der Geburt muss der Name feststehen.

Historiker sind sich aber einig: Auch der Zeitgeist entscheidet, wie ein Kind heißen soll. Vor über 2000 Jahren hießen viele Mädchen Sigrun und Gudrun, was etwa ‚Kämpferin‘ oder ‚Siegerin‘ heißt. Diese Eigenschaften sollten auf die Kinder übergehen, so der Wunsch der Eltern – und die Intention hinter der Namensgebung. ‚Nomen est omen‘ heißt es ja oft: Der Name ist quasi Programm.

Schon bald hat sich der Trend aber geändert. Im Laufe der Jahrhunderte änderten sich die Quellen der Inspiration für werdende Eltern: So greifen Sie nicht mehr zur Bibel, um ihr Kind Eva oder Elisabeth zu nennen, sondern auch mal zum Atlas, um dem Nachwuchs den Namen Paris oder Brooklyn zu verpassen. So weit ist es jedenfalls in den USA gekommen.

In Deutschland sieht es etwas anders aus. 2014 war Emma der beliebteste deutsche Frauenname, gefolgt von Mia und Hanna(h). 2010 schaffte es noch Lena statt Emma unter die Top drei, für 2015 scheint der Trend auch zu Anna und Emily zu gehen. Alles hübsche Namen, die in ihrer Beliebtheit wohl fluktuieren. Soziologen sehen es als Zeichen für die „Individualisierung der Gesellschaft.“

In der nordrheinwestfälischen Stadt Münster ist das anders. Laut dem Standesamt Münster tut sich da bei den Mädchennamen nicht viel. Seit acht Jahren sind die Top drei der beliebtesten Mädchennamen konsequent mit Marie, Sophie und Maria besetzt. Jedes Jahr auf’s neue verteidigen Sie ihren Platz wacker, die Eltern greifen auf diese Namen konsequent zurück. Nur 2008, da rutschte ‚Maria‘ kurz auf Platz vier, wurde von ‚Johanna‘ verdrängt. Doch es blieb eine Ausnahme. Die Jahre danach hieß es wieder: Marie, Sophie, Maria.

Wie kann das sein? Diese Namen eignen sich als Teil eines Doppelnamens. Sie werden in den gängigsten Sprachen der Welt gleich oder ähnlich ausgesprochen, keine Sprachbarriere kann sie vom Thron stürzen. Zudem zeigen Umfragen und Statistiken, dass Namen Assoziationen auslösen. Allein der Klang des Namens ist demnach entscheidend. Runde Vokale wie A, O und U klingen offen, lebensfroh, optimistisch. Marie. Sophie. Maria. Dagegen I und E sind spitz, zeugen von Schüchternheit. Marie. Sophie. Maria. Die Münsteraner scheinen sich nicht entscheiden zu können: Wollen sie lebensfrohe oder doch lieber schüchterne Mädchen? Sie wollen demnach wohl beides.

Dabei kommt der Name Marie von Mirjam, der ‚Widerspenstigen‘, der ‚Ungezähmten‘. Und es scheint zu passen: Marie Curie oder Marie Antoinette. Sophie bedeutet ‚Weisheit‘. Man denkt an Sophie Scholl und den Buchtitel „Sofies Welt“ von Jostein Gaarder über die Geschcihte der Philosophie.

Vielleicht spiegeln die Namen Marie und Sophie die Frauen von heute wieder: facettenreich. Dafür sind sie nicht auf einen außergewöhnlichen Namen angewiesen, wie Münster beweist.

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