Warum nehme ich nicht ab? Die Lösung!

warum nehme ich nicht ab

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Ich nehme nicht ab

Im Frühjahr gehen viele Frauen an den Start. Das Ziel: die Strandfigur. Das Angebot an Diäten ist groß. Aber welche man auch wählt, plötzlich stellt man sich die Frage: Warum nehme ich nicht ab. Apothekerin und Mikronährstoff-Expertin Jutta Doebel und Prof. Jürgen Vogel, Institut für Präventation und Ernährung kennen den Grund.

Etwa jede dritte Frau hat schon mindestens eine Diät ausprobiert - und ist gescheitert. Nach kurzer Zeit bleibt die Waage stur, obwohl man schon auf (fast) alles verzichtet, was schmeckt. Gründe, warum ich nicht abnehme, gibt es viele: Beim Vertrauen auf Light-Produkte haben viele aufs falsche Pferd gesetzt, denn "light" bedeutet keineswegs immer auch kalorienarm. Andere haben mit einer Crash-Diät nicht nur Fett, sondern auch Muskelmasse abgebaut. Aber gerade die Muskulatur ist für die Kalorienverbrennung zuständig. Weniger Muskelmasse bedeutet geringere Energieverwertung. Um abzunehmen, müsste man also noch weniger essen. Anders ausgedrückt: Nur wer mehr Kalorien verbrennt, als er zuführt, nimmt ab.

bella: Kommt es beim Abnehmen also nur auf die Kalorienmenge an?

Prof. Jürgen Vormann: Nein, keineswegs! Es kommt auch darauf an, was wir essen. Ein wichtiger Grund für eine Diät-Blockade wird viel zu wenig beachtet: Auch Übersäuerung hemmt den Fettabbau.

Wie kommt es dazu?

Prof. Vormann: Durch unsere westliche Ernährung ist der Körper bereits ohne Diät leicht übersäuert. Hauptursache ist in erster Linie der übermäßige Verzehr von Eiweiß, das wegen seines Schwefelgehalts zu Säuren verstoffwechselt wird. Das heißt: Wir essen zu viel Fleisch, Wurst und Fisch, aber auch Brot und Pasta gehören zu den sauren Lebensmitteln. Machen wir eine Diät, verändert sich der Stoffwechsel. Dem Körper wird quasi eine Hungersnot vorgetäuscht. Das hat zur Folge, dass er den internen Energiebedarf deutlich senkt. Aber ganz ohne "Treibstoff" geht es trotzdem nicht. Um die Energieversorgung zu sichern, greift der Körper auf die Fettreserven zurück. Wir nehmen zunächst wie gewünscht ab. Doch nach einigen Tagen kommt es zum Stillstand. Der Grund: Beim Abbau von Fett entstehen Fettsäuren, aus denen sich Ketosäuren bilden. Sie verstärken eine Übersäuerung und hemmen auch den Fettabbau. Wir nehmen also erst einmal nicht weiter ab.

Wie lässt sich das verhindern?

Jutta Doebel: Man muss den Säure-Basen-Haushalt wieder ins Gleichgewicht bringen. Um Säuren zu neutralisieren, braucht der Körper Mikronährstoffe wie basische Mineralstoffe und Spurenelemente, die vor allem in Obst und Gemüse stecken. Die gehören täglich auf den Speiseplan. Bei einer Diät sollte der Schwerpunkt auf Salat und Gemüse liegen, weil viele Obstsorten reichlich Fruchtzucker und damit Kalorien enthalten. Wer sich mit Rohkost nicht richtig anfreunden mag oder sie schlecht verträgt, kann zusätzlich Basenpräparate aus der Apotheke einnehmen.

Macht sich eine Übersäuerung nur beim Abnehmen bemerkbar?

Prof. Vormann: Nein, auch Gelenk- und Muskelbeschwerden oder Antriebslosigkeit können Zeichen für Übersäuerung sein. Zahlreiche Studien belegen, dass Säuren zu Schmerzen führen können. Aber umgekehrt gilt auch: Ein ausgeglichener Säure-Basen-Haushalt hat einen positiven Effekt bei Patienten mit chronischen Rückenschmerzen. Unter anderem konnte nachgewiesen werden, dass sich die Beweglichkeit deutlich verbesserte. Zugleich konnte die Dosis an Schmerzmitteln reduziert werden.

Zurück zum Thema Abnehmen. Sind Diäten generell ungünstig?

Prof. Vormann: Nein. Von extremen Crash-Diäten abgesehen, können sie ein sinnvoller Einstieg in die Gewichtsreduzierung sein. Man sieht schnell einen Erfolg, und das motiviert. Nach etwa einer Woche sollte man aber eine Ernährungsumstellung einleiten, also mehr basische Nahrungsmittel und weniger Fleisch und Wurst essen. Das heißt nicht, dass wir auf Fleisch verzichten sollen, denn es ist ein wertvoller Eiweißlieferant. Wichtig ist nur, dass genügend Basenbildner zur Verfügung stehen, um die bei der Verstoffwechslung entstehende Säure zu neutralisieren. Um eine Mengenvorstellung zu bekommen: Für ein 100-Gramm-Steak braucht man 300 Gramm Basenbildner, um die Säure zu kompensieren. Hilfreich ist eine Tabelle mit basischen und sauren Nahrungsmitteln. Denn am Geschmack kann man nicht erkennen, ob ein Nahrungsmittel sauer oder basisch verstoffwechselt wird.

Was hilft noch beim Abnehmen?

Jutta Doebel: Zum einen der richtige Zeitpunkt. Wer abnehmen will, sollte in einer stressfreien Zeit damit beginnen. Denn Stresshormone fördern zusätzlich die Übersäuerung des Körpers und blockieren damit - wie oben beschrieben - den Fettabbau. Zum anderen hilft Bewegung. Sie regt den Stoffwechsel und die Atmung an und fördert so den Abbau von Säuren. Aber Sport ist kein Wundermittel. Um ein Kilo Gewicht zu verlieren, muss man etwa 7000 Kalorien verbrennen oder acht bis neun Stunden joggen. Fazit: Wer gesund abnehmen will, sollte auf das Säure-Basen-Gleichgewicht achten. Dazu tragen eine kalorienreduzierte, basische Ernährung und regelmäßige Bewegung bei.

Basische Lebensmittel

Gemüse: die meisten Gemüse, Sprossen und Kräuter

Nüsse/Samen: Kürbiskerne, Mandeln, Sonnenblumenkerne

Milchprodukte: Buttermilch, Frischmilch, Molke, Sojamilch

Obst: alle Sorten

Getränke: Zitronensaft, Apfelsaft, Pils

Säurebildende Lebensmittel

Gemüse: Artischocken, Rosenkohl, Mais

Nüsse/Samen: Walnüsse, Haselnüsse

Milchprodukte: Hartkäse, Quark, H-Milch, Dickmilch, Frischkäse, Parmesan

Fleisch/Fisch: alle Fleischsorten und Wurstwaren, Fisch und Meeresfrüchte

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