Warum schaffen wir es nicht, eine glückliche Familie zu sein?

warum schaffen wir es nicht eine glueckliche familie zu sein h
Eine harmonische Familie ist der Wunsch aller Eltern.
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Mache ich als Mama alles falsch?

Mama bemüht sich permanent, es allen recht zu machen – doch trotzdem ist ständig Knatsch. Macht Mama alles falsch? Will sie einfach zu viel? Oder hat sie gar den falschen Mann? Sind vielleicht auch einfach die Kinder zu undankbar?

Warum gibt es so viel Krach in Familien und wie kann man alles zusammenhalten, ohne sich selbst zu zerreißen oder zu verlieren?

Hier gibt Ihnen die Familientherapeutin Marthe Kniep Anregungen, wie Sie mit kleinen Veränderungen wieder zufriedener werden können!

"Die liebe Rama-Familie! Glückliche Kinder, sich liebende Eltern, alle schön, alle erfolgreich!

Solche Familien kenne ich nur aus der Werbung. Das liegt nicht nur daran, dass ich Familientherapeutin bin und mir Menschen – unter dem Siegel der Verschwiegenheit – ihr Herz ausschütten. Nein! In jeder Familie läuft nicht immer alles rund oder gar nach Plan.

Willkommen im Leben , das uns nun mal keine Dauerkarte fürs Glück gibt. Und Sie wären nicht die, die Sie sind, wenn sich nicht durch kleine und größere Krisen gegangen wären um an ihnen zu wachsen. Das ist eine Lebensaufgabe für alle. Reibung, Streit und Krisen gehören dazu. Dies zu akzeptieren ist der erste Schritt auf dem Weg zu mehr Gelassenheit.

Eltern können nicht alles richtig machen!

Wir können uns noch so viel Mühe geben als Eltern, alles richtig zu machen. Doch es wird uns nie gelingen. Machen Sie gern weiter alles, so gut sie können. Erlauben Sie sich aber auch Sätze wie: Das war jetzt Mist, was ich da gemacht habe. Ich glaube, das war blöd von mir. Mensch. Ich bin aber heute auch bescheuert drauf! Oder: Mir doch egal, wie andere das finden.

Glauben Sie mir: Ihre Kinder werden Augen machen. Und ihrem Mann sprechen Sie vielleicht aus der Seele. Wie gut, wenn er es dann nicht mehr sagen muss. Ein Streit weniger.

Außen und innen!

Was ziehe ich heute an? Diese Frage stellen sich vor allem Frauen am Morgen noch vor der Frage: Wie geht es mir heute eigentlich? Was brauch ich, damit ich diesen Tag überstehe? Wenn Sie sich darüber schon im Bett oder Bad Gedanken machen, können Sie noch für denselben Tag die Weichen stellen.

Überlegen Sie doch gleich mal: Womit können Sie sich jetzt etwas Gutes tun? Sich! Nicht den anderen. Was wollen Sie auf keinen Fall und was wäre toll? Teilen Sie das Ihrer Umwelt mit. Dann wissen alle Bescheid und tappen nicht in die Falle, weil sie irgendwas Unmögliches von Ihnen wollen. Die anderen sind ja schließlich keine Hellseher.

Die Stimmung der anderen muss nicht Ihre sein!

Vom Job angespannter Mann? Aufgedrehtes Schulkind?Pubertierende, aggressiv schweigende Kinder mit Kapuze auf bei Tisch? Und sie haben gerade einen Berg Wäsche gemacht, die Bäder geputzt oder schnell nach dem (Halbtags-)Job noch eingekauft?

Dann haben Sie das totale Stimmungschaos um sich. Die meisten Mütter versuchen jetzt, irgendwie ausgleichend tätig zu werden und anderen Familienmitgliedern zu einer guten Stimmung zu verhelfen. Diese reagieren nicht selten mit Undank. Fragen Sie deshalb nur, ob Sie jemandem was Gutes tun können oder „ob er/sie was auf dem Herzen hat, wenn Sie es wirklich wollen und aushalten. Akzeptieren Sie ein mögliches „Nein“ und werten es nicht gegen sich. Überlegen Sie stattdessen, wie es wäre, wenn Sie jemanden bitten würden, Ihnen etwas Gutes zu tun. Oder Sie kümmern sich einfach selbst um Ihre Bedürfnisse. Das wird vermutlich für alle eine neue Erfahrung.

Mensch bleiben, Paar bleiben!

Es gab bei Ihnen ein Leben vor der Familiengründung. Was ist damit? Okay! Mit Babys sind Eltern einfach bedingt flexibel und spontan. Aber sobald sie nicht mehr in Sorge sind, dass das Kind ohne sie in der Wildnis (bei Oma und Opa) nicht überlebt, dürfen Sie die andere Seite ihrer Persönlichkeit wieder zeigen: Das verrückte Huhn, die beste Freundin, die Frau mit Lust auf Sex , die Frau mit dem kurzen Rock oder tiefen Ausschnitt, die Sportskanone, die Lady, die gern flirtet...

Meine Güte. Ab und zu muss es möglich sein, sich wieder in diesen Rollen zu erleben. Und wenn es spontan nicht geht, dann planen Sie es ein. Konkret: In einer Woche: Friseur, aufhübschen, Mann entführen! Oder: Zwei Flaschen Sekt mit bester Freundin köpfen. Ausschlafen rechtzeitig anmelden. Oder: Tango-Kurs probieren, Paar-Floaten testen, ans Meer fahren oder in die Berge.

Machen Sie etwas, wo sie sich wieder mal anders erleben. Danach sind Sie als Mama wieder zufriedener, auch wenn Sie vielleicht Schlafmangel, einen dicken Kopf oder Blasen an den Füßen haben.

Mehr darauf hören: Was passt zu uns?

Schwimmbad, Freizeitpark, Wochenend-Trip, Shopping! So viele Eltern berichten von ihren wahnsinnig aktiven und nicht selten kostspieligen Wochenendaktivitäten. Da kann man schon mal das Gefühl kriegen, langweilig zu sein oder seinen Lieben nicht genug zu bieten.

Aber Hallo! Wo sind wir denn? Wenn Sie sich das nicht leisten können, ist das erstens normal. Und zweitens heißt das ja nicht, dass Sie Ihren Kindern zu wenig bieten. Leben Sie ihnen ein normales Leben vor, an dem es nicht jeden Tag ein Superlativ gibt. Dann sind die lieben Kleinen gut aufs Leben vorbereitet und fallen beim Auszug nicht in ein tiefes (langweiliges) Loch.

Wenigstens die ersten zehn bis 15 Jahre sind Kinder nämlich froh, wenn sie überhaupt gesellige Familienzeit erleben. Und die muss nicht teuer und aufwändig sein. Lieber entspannt mit Mama und Papa zusammen kochen, Kniffeln oder DVD gucken, als mit super genervten Eltern durch den Freizeitpark zu hetzen, obwohl das ihr Budget eigentlich übersteigt.

Machen Sie, was zu Ihnen passt und was Ihr Tag zulässt. Sie haben bei der Geburt der Kinder ja nicht automatisch die Lizenz zur Nachwuchs-Bespaßung erworben. Und was andere machen, ist deren Thema.

Kinder gehen oft andere Wege, als wir sie uns überlegt haben!

Eltern sind Wegbereiter für Ihre Kinder. Sie geben ihnen das Rüstzeug dafür mit, eines Tages ihren Weg allein gehen zu können. Das ist nicht selten ein ganz anderer Weg, als wir uns damals beim Blick in die Babywiege so überlegt haben.

Es spricht nichts dagegen, wenn Sie ihrem Kind Ihre Ideen mitteilen, was Sie fürs Kind erstrebenswert finden. Hören Sie aber auch hin, was das Kind will. Das Motto: Ich weiß, was gut für dich ist! hat schon so manche Eltern-Kind-Beziehung erheblich belastet.Irgendwann ist diese Haltung einfach nicht mehr angebracht. Es ist eine der wichtigsten und gleichzeitig schwierigsten Aufgaben für Eltern, herauszufinden, wann sie ihrem Kind in welchem Bereich mehr Verantwortung für sich selbst überlassen können. Fangen Sie früh damit an. Bei den kleinen Schritten fällt es (Ihnen) meist noch etwas leichter.

Fragen Sie Ihr Kind öfter mal wieder: Was möchtest DU eigentlich? Und wie kann ich dir dabei helfen? Möchtest Du meine Hilfe dabei überhaupt? Sie werden vielleicht überrascht sein, wie positiv sich das auf Ihre Beziehung auswirkt.

Regeln überprüfen: Funktionieren Sie noch?

Wenn es dunkel wird, kommst du rein! Um acht ist der Fernseher aus! 20 Minuten am PC müssen reichen! Kein Facebook . Das ist zu gefährlich.

Erkennen Sie was wieder? Die lieben Familienregeln. Gegen sie ist allgemein nichts zu sagen. Denn sie geben Orientierung und eine gewisse Ordnung, die nun mal sein muss um durchs Leben zu kommen.

Wenn diese Regeln aber immer wieder zu Streit führen, ist es Zeit, sie zur hinterfragen: Passen sie noch? Sind sie fair verhandelt? Oder ist es an der Zeit, sie zu verändern? Besprechen Sie das mit allen Beteiligten: So sind wir alle nicht zufrieden. Wie können wir es in Zukunft machen? Wer ist bereit, was zu verändern oder zu investieren, damit ein Kompromiss denkbar wäre? Sie bringen ihren Kindern damit etwas Wichtiges für die Zukunft bei: Verhandeln und für sich einstehen.

Ein letzter Tipp!

Sie haben jetzt Anregungen gelesen, an welchen Schräubchen des Getriebes Sie drehen könnten. Machen Sie nicht alles auf einmal. Schauen Sie erstmal, an welchen Teil des Motors Sie sich zuerst ranwagen oder welcher Part vor allem überholungsbedürftig ist, weil Sie sonst nächstes Jahr nicht mehr durch den Familien-TÜV kommen.

Und wenn Sie und Ihr Partner nicht weiter wissen, holen Sie sich professionelle Hilfe. Auch das tun „gute Mütter“!"

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