"Warum war ich so naiv?"

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Er gaukelte ihr die große Liebe vor ...
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Hochzeit

Anke V., 62 Jahre, Rentnerin aus Dithmarschen, erzählt von ihrer unglücklichen Erfahrung mit einem Heiratsschwindler.

Es fing mit einer Zeitungsannonce an: "Wo finde ich Sie? Gut situierter Kaufmann, 50/1,83 sucht Partnerin mit Herz und Niveau bis 55 Jahre." Komisch, normalerweise wollen Männer doch eine Jüngere, dachte ich noch. Doch meine Zweifel waren wie weggewischt, als ich ihn zum ersten Mal in der Bar eines Hamburger Hotels traf. Braun gebrannt, graue Schläfen, gepflegt, gute Manieren: Was für ein Mann!

Er erzählte von seinen beiden Marketingfirmen, seiner Villa in der Lüneburger Heide und seiner gescheiterten Ehe. In den nächsten Tagen und Wochen rief er mich täglich an. Sehen konnten wir uns leider nicht, weil es Ärger mit seiner Ex-Frau gab: "Die hat mich beim Finanzamt angezeigt. Alle meine Konten sind gesperrt. Es ist mir peinlich, aber kannst du mir kurzfristig aus der Klemme helfen?" Das tat ich gern.

5000 Euro lieh ich ihm.

Und nur eine Woche später weitere 2.500 Euro. Für die beiden Summen hatte ich eine Quittung vorbereitet. Er war zutiefst beleidigt: "Vertraust du mir etwa nicht? Das ist doch die Basis einer Beziehung."

Das Papier zerknüllte ich. Von Februar bis Juni 1999 habe ich ihm insgesamt über 45.000 Euro gegeben - ohne jeglichen Beleg. Mehr konnte ich nicht aufbringen, und mein Haus wollte ich nun wirklich nicht verkaufen.

Langsam war ich misstrauisch geworden. Nie hatte er Zeit, nie konnte ich ihn besuchen. Ich fing an nachzuforschen. Von wegen Villa in der Lüneburger Heide! Er lebte mit seiner 21-jährigen Geliebten in Hamburg, hatte ein ellenlanges Vorstrafenregister. Ich war auf einen Heiratsschwindler hereingefallen!

Mein Anwalt erreichte nicht viel. Das Verfahren wurde wegen Geringfügigkeit eingestellt. Gegen diesen Mann liefen noch ganz andere Ermittlungen. Mir wäre nur der zivilrechtliche Weg geblieben. Doch ohne handfeste Beweise hätte ich womöglich draufzahlen müssen...

Ich mache mir immer noch Vorwürfe, finde keine Antwort auf die Frage: Warum bin ich so naiv gewesen?

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