Warum wir so gerne lästern

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"Findest du das nicht auch schlimm?" Beim Lästern suchen wir im Grunde Bestätigung, dass wir "normal" sind.
Foto: Uwe Umstätter/Westend61/Corbis

Hier gibt's den neuesten Klatsch!

Wir geben es nicht gern zu, aber: Wir haben Spaß am Lästern. Warum das so ist. Über wen wir am liebsten herziehen. Und was man tun sollte, wenn man dabei erwischt wird.

Mit diesem Idioten hat sie 'ne Affäre? Das gibt's doch gar nicht!" Okay, zugegeben: Wir lästern gern. Über alles. Die Liebeskrise von Angelina und Brad oder den neuen Freund unserer Kollegin. Ganze 30 Prozent unserer Gespräche bestehen aus Klatsch und kleinen Giftpfeilen. Und das ist gut so, denn diese Tratscherei stärkt das Gemeinschaftsgefühl.

Warum lästern wir?

Tratsch ist zunächst mal Nachrichtenaustausch. Und: Lästern wirkt wie ein Frühwarnsystem. Denn wenn sich jemand fies verhält, haben wir das Bedürfnis, das anderen mitzuteilen - um diese so davor zu schützen, auf die gleiche Masche reinzufallen.

Manchmal wollen wir aber auch Dampf ablassen - ohne dass derjenige, über den wir uns gerade aufregen, das mitkriegt. Läs tern ist dann ein gutes Ventil: "Wir ärgern uns häufig über Kleinigkeiten. Würden wir das jedem Quälgeist sofort ins Gesicht sagen, hätten wir schnell keine Freunde mehr", so der Psychologe Borwin Bandelow. Bei Kleinkram ist es sogar besser, sich heimlich Luft zu machen - um danach mit normalerem Puls auf den Nerv-Kandidaten zuzugehen.

Lästern nur Frauen?

Ja ja, es heißt nicht umsonst "Lästerschwester". Frauen tratschen tatsächlich öfter als Männer. Der Grund: Männer haben weniger Scheu vor einer Konfrontation und sind deshalb direkter. Das geht aber nur deshalb gut, weil sie auch weniger nachtragend sind, nachdem sie sich kurz die Hörner aneinander abgestoßen haben.

Aber auch unsere Persönlichkeit spielt bei der Lästerhäufigkeit eine Rolle: "Schüchterne Menschen ziehen häufiger über andere her, weil bei ihnen die Hemmschwelle noch höher ist, direkt Kontra zu geben", sagt Bandelow. Und: Lästern wird vererbt. Hat sich schon Mama immer lauthals über das furchtbare Parfum ihrer Schwes ter ausgelassen, schämen wir uns später auch weniger, andere durchzuhecheln.

Darüber wird gelästert

"Ständig liegen Müllsäcke vor seiner Tür - vielleicht ist der ein Messie?!" Sich ein Haus oder ein Grundstück zu teilen, bietet laut Emnid-Studie viel Lästerpotenzial. Denn über unsere Nachbarn regen wir uns am liebsten auf. Und: Je kleiner der Ort, desto mehr wird getratscht. Auf dem Land kennt man seine Nachbarn einfach besser als in der Großstadt. Zweitbeliebteste Lästerobjekte: Promis. Über wen wir hingegen kaum ein schlechtes Wort verlieren: unseren Liebsten. Nur vier Prozent der Deutschen lästern über ihren Partner.

Böse Lästereien über nette Menschen

Dass man mal ein schlechtes Wort über Menschen verliert, die man sowieso nicht richtig mag, ist keine Überraschung. Aber warum lästern wir auch über Freundinnen, die wir eigentlich gern mögen? "Oft geht es überhaupt nicht um die abwesende Person - sondern wir wollen mit unserem Gegenüber eine Verbindung aufbauen", erklärt Bandelow. Für die Sympathiepunkte unseres Gesprächspartners "opfern" wir dann kurz die Freundin. Kriegt sie ja (hoffentlich) nicht mit.

Beim Lästern erwischt!?

Und dann passiert es doch: Man beschwert sich gerade in der Kaffeeküche über das laute Telefonieren der Kollegin - prompt steht sie in der Tür. Verdammt unangenehm. Für beide. "Klar, jemanden beim Lästern über sich zu erwischen, das kränkt. Wir mäkeln zwar selbst viel an uns herum, sind deshalb aber nicht sehr kritikfähig", sagt Bandelow. Das nette Bild, das wir vorher vom Lästerer hatten, bekommt deshalb einen Knacks.

Werden wir selbst erwischt, ist uns das megapeinlich. In diesem Fall hilft nur eins: Zähne zusammenbeißen, sich entschuldigen und direkt danach ansprechen, was einen gestört hat.

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