Was die Verlobung so alles mit sich bringt - an Freuden und Pflichten

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Foto: Max Wanger/Corbis

Verliebt, vertraut, verlobt!

Verlobung - das wirkt so angestaubt wie die Bücher in der obersten Regalecke. Sich verloben , das macht doch heute keiner mehr, oder? Doch dann entdeckt man im Bekanntenkreis: Die Hälfte der Paare sind ... verlobt! Und wer davon erzählt, hat dieses Glitzern in den Augen, das kein Brillant toppen kann. Was ist also dran am Verlobungstrend?

Auf Nachfragen bei Juwelieren wie Wempe, Tiffany und Cartier bestätigt sich: Es werden seit einigen Monaten wieder deutlich mehr Verlobungsringe verkauft. Absolute Zahlen will niemand nennen, aber das Frohlocken der Befragten sagt alles: Die Verlobung feiert das Comeback des Jahres.

Vielleicht liegt es an der Sehnsucht nach etwas Konstantem, sich zum Partner zu bekennen. In einer Zeit, in der weder Job noch Wohnort von Dauer sind, einen Anker fürs Leben auszuwerfen. Und eine Leuchtrakete für den Liebsten abzufeuern, die ihm sagt: Hey, ich gucke nicht mehr nach dem Nächstbesseren, ich habe mich für dich entschieden. Weil ich mit dir glücklich sein will! Es ist eben dieses kleine Stückchen mehr, als nur zusammen zu sein. Das kann ja schließlich jedes Teenie-Pärchen nach der Frage "Willst du mit mir gehen?" .

Verlobt sein heißt: Ja, wir wollen heiraten. Ob man das mit einem Ring aus dem Kaugummi-Automaten besiegelt, die kitschige Diamant-im-Champagnerglas-Nummer wählt oder sich das gegenseitige Eheversprechen nach einem schönen Tag einfach so in der U-Bahn gibt, ist völlig egal. Das macht die Verlobung zu einer Art Anarcho-Verbindung, die an keine Form gebunden ist, außer der gegenseitigen Willensbekundung. Für die man weder einen Pfarrer, Beamten, noch Publikum braucht - sondern nur die Gewissheit: Das ist der Mann/die Frau meines Lebens.

"Das schöne an der Verlobung ist, beides in einem zu sein: frei und gebunden zugleich" sagt Psychologin Elisabeth Raffauf. Dieser Schwebezustand kann ziemlich glücklich machen. Weil der große Tag noch vor einem liegt. Man kann ihm entgegenfiebern, sich darauf freuen. Nächtelang mit einem entzückten Grinsen wach liegen und sich ausmalen, welches Kleid man tragen möchte: eins mit Schleppe? Langer Schleier oder lieber ohne? Schlicht oder rüschig? Tausendmal wird man durchspielen, wie man vor dem Standesbeamten und/oder dem Traualtar steht und das "Ja, ich will" richtig betont. Einen besseren Film fürs Kopfkino gibt es gar nicht. Und: Man kann ihn immer wieder einlegen, wenn man einen Glückskick braucht. Cool ist auch: Es ist ein gemeinsames Projekt, das Projekt, an dem man mit dem Partner viele Abende feilen kann - was die Vorfreude und das Gefühl der Verbundenheit noch steigert.

Manche Paare sehen die Verlobung sogar als "kleine Hochzeit". Sie feiern mit Freunden, tragen stolz ihren Ring und verreisen im Anschluss - ganz, wie bei einer Vermählung. Nur eben ohne dieses Gefühl, jetzt schon in der "Sackgasse" Ehe gelandet zu sein. Vielleicht ist das auch noch ein weiterer Reiz: sich des anderen noch nicht ganz so sicher zu sein wie in der Ehe. Und sich deswegen - bewusst oder unbewusst - noch mehr um ihn zu bemühen. Wobei das natürlich paradox ist: Ist die Verlobung doch das gegenseitige Eheversprechen, der Weg dorthin - auch wenn das ein oder andere Paar diese Phase so lange auskosten möchte, wie möglich.

Allerdings kann so eine Schwebephase auch zur Hängepartie werden: "Die Vorfreude ist kein durchgängiges Gefühl. Das kann schnell wieder kippen, wenn die Verlobung sich in die Länge zieht", sagt Raffauf. Klar gibt es gute Gründe, die Hochzeit zu verschieben: Weil die Wunsch-Location nicht frei ist, das Hochzeitskleid nicht lieferbar oder wegen einer Krankheit.

Aber eben auch, weil man sich vielleicht nicht mehr so sicher ist. Früher musste der Verlobte seiner Ex das sogenannte "Kranzgeld" zahlen, wenn er ihr die Ehe versprach, ihr die Unschuld nahm - und sie dann doch sitzenließ. Der entsprechende Paragraph wurde 1998 aus dem Bürgerlichen Gesetzbuch gestrichen, dennoch gibt es ein paar rechtliche Konsequenzen (siehe Galerie), die Verlobte kennen sollten - und für die es sich lohnt, die rosarote Brille mal kurz abzunehmen.

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