Was du über HPV wissen musst!

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HP-Viren können Gebärmutterhalskrebs auslösen
Foto: iStock

Der beste Schutz vor Gebärmutterhalskrebs

Drei Spritzen machen gegen die gefürchteten HP-Viren immun -doch die Impfrate ist niedrig.Experten schätzen, dass bis zu 80 Prozent der Frauen weltweit mit einer oder mehreren Varianten dieser Viren in Kontakt gekommen sind.

Meist ist die Infektion harmlos. Aber in einigen Fällen führen bestimmte HPV-Typen zu Gebärmutterhalskrebs. Das ist die zweithäufigste Krebsart bei Frauen in Deutschland - 6500 erkranken jährlich daran, 1600 sterben. Dabei gibt es seit 2007 einen sicheren Schutz: die HPV-Impfung. Sie wird jungen Mädchen vor dem ersten Geschlechtsverkehr empfohlen, also bevor es zu einer Infektion mit HP-Viren gekommen sein kann. Die Impfung schützt nicht nur vor Gebärmutterhalskrebs, sondern auch vor seinen viel häufigeren Vorstufen.

 

In Deutschland sind 6 Millionen Frauen mit HPV infiziert

 

Jetzt aber schlagen Experten Alarm: In Deutschland ist immer noch weit weniger als die Hälfte der Mädchen gegen die HPV geimpft. Das zeigt eine Untersuchung des Berliner Robert Koch-Instituts (RKI) und der Kassenärztlichen Vereinigungen. Beispiele:

In der Gruppe der zwölfjährigen Mädchen haben bundesweit weniger als ein Prozent die drei Immunspritzen bekommen. Schlusslichter sind hier die Bundesländer Baden-Württemberg und Bremen: Bei den Zwölfjährigen sind nur 0,3 Prozent vollständig geimpft.

Bei den 17-Jährigen haben bisher 40 Prozent die komplette Impfung erhalten. In Bremen sind es nur 30 Prozent.

Als positives Beispiel verweisen Impf-Experten auf Australien, wo es eine große, verlässliche Beobachtungsstudie gibt: Durch ein staatliches Impfprogramm sind dort bereits mehr als 80 Prozent der Mädchen unter 18 Jahren geimpft. Und es liegt bereits ein messbarer Erfolg vor: Bei ihnen entstehen inzwischen 40 Prozent weniger Vorstufen von Gebärmutterhalskrebs als vor dem Start der Immunisierungsaktion.

Die Impfung schützt auch vor Genitalwarzen, wie weitere Untersuchungen nachweisen. Diese harmlosen, aber lästigen Hautwucherungen werden recht frühzeitig ausgelöst – ebenfalls von HP-Viren. Bei den geimpften Mädchen in Australien gab es bisher keinen einzigen Fall von Genitalwarzen.

Zudem sind Nebenwirkungen selten: Berichte, dass die Immunisierung gefährlich sei, sind widerlegt. Weltweit wurden bisher rund 150 Millionen Impfdosen ausgeliefert, die Impfstoffe gelten bei deutschen, europäischen und amerikanischen Arzneimittelbehörden als verträglich. Es kann leichte Hautreaktionen (Rötung, Jucken) am Oberarm geben, vielleicht auch leichte Schwellungen, die aber laut Experten spätestens nach zwei bis drei Tagen verschwinden.

 

Impfung schon ab neun Jahren?

 

Bisher empfahl die Ständige Impfkommission (STIKO) in Berlin die Immunisierung für Mädchen im Alter zwischen zwölf und 17 Jahren. Aufgrund positiver Studien empfiehlt die STIKO sie jetzt bereits für Mädchen ab neun Jahren. Denn die Impfstoffe sind demnach so wirksam, dass im Alter unter zwölf für den optimalen Schutz sogar nur zwei statt drei Spritzen nötig sind. Einige gesetzliche Kassen zahlen auch bereits in dieser Altersklasse.

Mütter sollten mit ihren Töchtern darüber sprechen und bei der Krankenkasse nachfragen, ob die Spritzen beim Gynäkologen oder Hausarzt bezahlt werden. Auch gut: Viele Kassen erstatten zudem bis zum 27. Geburtstag, manche noch länger.

Die Humanen Papillomaviren (HPV) werden hauptsächlich beim Sex übertragen. Wenn sie die Angriffe der körpereigenen Abwehr überstehen und sich in Zellen der Gebärmutterhalsschleimhaut einnisten, können sie die betroffenen Zellen auf Dauer verändern. Daraus entsteht dann in manchen Fällen – meist im Verlauf von etwa zehn Jahren – der Gebärmutterhalskrebs. Besonders problematisch sind die Typen HPV 16 und 18. Doch genau gegen diese schützt die Impfung.

 

Zielgruppe ausweiten: Auch für ältere Frauen ist die Impfung sinnvoll

 

Experten plädieren dafür, dass die gesetzlichen Kassen die Impfung generell bezahlen – auch für ältere Frauen. Die Argumente: Selbst wenn Frauen schon oft Sex hatten, müssen sie sich nicht automatisch mit den Viren angesteckt haben. Zumindest nicht mit HPV-Typen, vor denen die Impfung schützt.

So kann die Immunisierung z. B. für Frauen sinnvoll sein, die nach einer festen Beziehung einen neuen Partner haben, der die kritischen HPV trägt. Zudem stellt eine Studie fest: Bei Frauen über 42 werden HPV-Infektionen öfter chronisch – und die chronische Variante ist die Hauptursache für Gebärmutterhalskrebs.

Text: Peter Karstens

 

FAKTEN ZU HPV:

 

 

  • Humane Papilomviren sind die häufigsten sexuell übertragenen Viren weltweit
  • Es sind über 120 HPV-Typen bekannt - 40 davon betreffen die Geschlechtsorgane
  • HPV können Feigwarzen auslösen
  • einige HPV-Typen (u.a. Typ 16 und 18) können Gebärmutterhalskrebs auslösen
  • bei 90 % infizierter Frauen heilt die Infektion innerhalb von bis zu zwei Jahren aus
  • rund 10 % infizierte Frauen bleiben infiziert, sodass sich Zellveränderungen am Gebärmutterhals entwickeln können
  • eine Infektion löst selten Beschwerden aus, weswegen sie oft nicht erkannt wird
  • eine HPV-Infektion kann nicht therapiert werden, sodass Ärzte zur frühzeitigen Impfung raten
  • Kondome verhindern nur etwa die Hälfte aller HPV-Infektionen - die Viren können durch die vom Kondom nicht abgedeckten Flächen übertragen werden
  • durch Oralverkehr können Papillombildungen auch im Mund entstehen
  • einige HPV-Typen können auch die Bindehaut des Auges infizieren oder in Atemwegen wuchern
  • eine Infektion mit HPV wird begünstigt durch: Sex vor dem 16. Lebensjahr, Rauchen, frühe Geburten (z.B. wenn das erste Kind mit 20 Jahren geboren wird), Verzicht auf Kondome, Immunschwäche, anderweitige Genitalinfektionen
  • seit 2016 steht auch ein neuer Impfstoff zur Verfügung, der gegen die HPV-Typen 6, 11, 16, 18, 31, 33, 45, 52 und 58 schützt
  • Inzwischen empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Urologie (DGU) und der Berufsverband der Deutschen Urologen (BDU) auch Jungen ab neun Jahren, sich gegen HPV impfen zu lassen.

 

 

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