Was ist gutes Brot? Ein Bäcker kämpft gegen Lidl

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Lidl vs. Brot

Brot kann man entweder bei Lidl kaufen oder frisch. Beides zusammen geht nicht, da ist sich ein sächsischer Bäckermeister sicher - und rennt damit bei Verbrauchern offene Türen ein.

Stefan Richter ist Bäcker aus Leidenschaft. Er betreibt eine Bäckerei in Kubschütz, einem gerade mal 43 Quadratkilometer kleinen Dorf in Sachsen. Was diese Bäckerei verlässt, ist unter Garantie aus regionalen Produkten die naturbelassen sind. Und was Richter noch wichtiger ist: Brot und Brötchen werden hier traditionell hergestellt. Der Teig wird mit Händen geknetet, geformt und in den Ofen geschoben. Hier ist Backen noch ein Handwerk – längst keine Selbstverständlichkeit mehr.

Denn viele Discounter und Stadtbäckereien schwören inzwischen auf industriell hergestellte Ware, bemängeln Verbraucherschützer. Es geht schneller und ist in der Masse günstiger. Darunter leidet aber nicht nur der Geschmack, sondern auch die Gesundheit. Für die Bräune des Schwarzbrots sorgt nicht etwa hundertprozentiges Getreide und stundenlange Backzeit, sondern Farbmalz oder Zuckerkulör, wie Warentester immer wieder bei Proben feststellen. Zusatzstoffe machen das Industriebrot haltbarer, das Getreide wird massenweise und günstig aus Übersee importiert – oder direkt in Asien produziert, wie EU-Kontrolleure jüngst entdeckten. Frisch und gesund geht anders.

Nun wirbt ausgerechnet der riesige Konzern Lidl für sein Brot mit dem Slogan „Woran erkennt man eigentlich, was gut ist?“. Für Stefan Richter klang diese rhetorische Frage ironisch genug, um sich mit dem Konzern anzulegen. Denn erst kürzlich bewarb Lidl sein Brot mit dem Slogan „Wir backen jeden Tag mehrmals frisch für Sie“ – und erntete damit einen Shitstorm, als sich herausstellte, dass Brot und Brötchen aus dem Discounter bestenfalls vor Ort aufgebacken werden, sich aber hinter den Kulissen einer Lidl-Filiale wohl keine traditionelle Bäckereiküche verbirgt.

Dem 34-jährigen Richter tut diese Misshandlung seines Handwerks im Herzen weh. Er macht seinem Namen alle Ehre und richtet nun über das Discounter-Brot – zumindest im Internet. Der Bäckermeister startete eine Kampagne mit dem Namen #lidllohntnicht – eine Anspielung auf den Slogan des Konzerns – und schrieb eine ebenso ironische Bewerbung an Lidl, in der er sich als Bäckermeister bewirbt.

Richter’s Bewerbung klingt beispielsweise so: „Das Backen, der Geruch von frisch gebackenem Brot und der direkte Kontakt mit dem Produkt meiner Arbeit werden mir fehlen. Andererseits kann ich mich ja auf Laborproben und Rechtsabteilung verlassen und privat dann sicher auch etwas anderes essen, als das, was ich bei Ihnen produziert habe.“Damit stößt er auf Anklang – nicht nur bei den Verbrauchern über soziale Netzwerke, sondern auch bei der Organisation Slow Food Deutschland, die ebenfalls die neue Werbeoffensive von Lidl kritisiert.

Die Organisation nennt den Slogan eine „Vernebelung des Qualitätsbegriffs“ von Backwaren und fordert Lidl auf, die Kampagne einzustellen und sein Sortiment von unabhängigen Sachverständigen auf Fairness, Nachhaltigkeit und Qualität überprüfen zu lassen. Slow Food Deutschland wirft dem Konzern Dumpingangebote, Lebensmittel voller Pestizide und Massentierhaltung vor.

Bäckermeister Richter hat gezeigt, wie viele Bäcker und Verbraucher seine Meinung überLidls Brot teilen – sowohl im übertragenen Sinne, als auch bei Facebook, wo seine ‚Bewerbung‘ schon über 2000-mal geteilt wurde.

Und während der Konzern Lidl sich nochmal überlegen muss, wie er seinen Ruf wieder aufpoliert, steht Stefan Richter in seiner kleinen Dorfbäckerei und backt sein ‚Brot Couture‘, ein Schwarzbrot aus Roggenschrot, Sonnenblumenkernen, Kartoffelflocken – und dem Beweis, dass es auch anders geht: nämlich frisch, gesund und ohne künstliche Zusatzstoffe.

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