Was kann ich tun, wenn mein Partner depressiv ist?

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Wenn der Mann depressiv ist, hat die Liebe schwer zu leiden.
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Wie die Liebe eine Depression überstehen kann

Wahrscheinlich kennt jeder von uns jemanden, der schon einmal von einer Depression betroffen war. Das ist kein Wunder, denn Depressionen sind weltweit auf dem Vormarsch. Die WHO (World Health Organization) schätzt, dass die Depression bereits im Jahr 2020 Krebserkrankungen vom zweiten Platz der häufigsten Krankheitsbilder verdrängen wird.

Doch was sind die Anzeichen für eine Depression? Und wie soll man in der Beziehung mit einem depressiven Partner umgehen? Genau das erklärt hier der Beziehungscoach Dominik Borde.

 

„Echte“ Depression oder nur schlechte Laune?

 

Eine „echte“ Depression ist nicht zu verwechseln mit einer depressiven Verstimmung oder einer vorübergehenden schlechten Laune. Depressive Verstimmungen sind ganz normal und vergehen nach ein paar Tagen wieder. Und schlechte Laune kennt jeder von uns. Da reicht oft schon eine kleine Aufheiterung und man ist wieder gut drauf.
Eine Depression hingegen dauert einige Wochen oder sogar Monate an. Mit „echten“ Depressionen gehen viele negative Zustände und Verhaltensweisen einher: Schlafstörungen , Appetitlosigkeit, Konzentrationsstörungen, eingeschränkte Entscheidungsfähigkeit, fehlender Antrieb, starke Traurigkeit, Mangel an Energie, starke Schuldgefühle oder im schlimmsten Fall auch Suizidgedanken.

Weiters gilt es herauszufinden, ob die Depression eine Folge von äußeren Anlässen ist oder ob sie von innen kommt. Der Verlust des Jobs oder eines geliebten Menschen kann ein äußerer Grund für Depressionen sein. Verlaufen jedoch die wichtigen Eckpunkte im Leben deines Partners zufriedenstellend – Beruf, Beziehung , Familie, Gesundheit – dann kommt die Depression von innen und muss als körperliche Erkrankung erkannt werden. In beiden Fällen gehört die Depression professionell behandelt.

Elisabeth schildert ihre Erfahrung mit einem depressiven Partner: „Unser Leben war perfekt: Mein Mann hatte einen gut bezahlten Job in einer Führungsposition, mochte seinen Beruf und wir führten ein glückliches Familienleben mit unseren zwei Kindern. Doch ohne erkennbaren Grund wurde er eines Tages lasch und antriebslos. Morgens kam er kaum noch aus dem Bett. Er vernachlässigte sogar die Körperpflege. Das war schockierend für mich – besonders als klar wurde, dass er an einer Depression litt. Bis heute weiß ich nicht, was der Grund dafür war. Ich hätte ihm so gerne geholfen, doch er wollte meine Hilfe nicht annehmen.“

 

8 typische Anzeichen für Depressionen

 

♦ Von nachdenklich zu grübelnd: Der Betroffene ist in seiner negativen Gedankenwelt gefangen, sieht alles pessimistisch und spricht nur mehr über Ängste und Sorgen. Außerdem glaubt er, es würde immer so schrecklich bleiben, wie er es jetzt empfindet.

♦ Von freudig zu leidenschaftslos: Das Interesse an Hobbys, welche ihm früher Spaß machten, geht komplett verloren.

♦ Von aktiv zu passiv: Hat dein Partner früher viel Sport ausgeübt und war oft unterwegs, so wird er in der Depression womöglich nur mehr fernschauen, am Computer spielen oder einfach schlafen wollen.

♦ Von gesellig zu einsiedlerisch: Der Betroffene sucht keinen Kontakt mehr zur Familie und zu Freunden, zieht sich in seine eigene, trostlose Welt zurück und will nur mehr alleine sein.

♦ Von fit zu immer müde: Ist dein Partner plötzlich ständig müde und kann sogar in der Nacht nicht schlafen, ist abzuklären, ob es sich um eine Depression handelt oder um eine andere Krankheit.

♦ Von entscheidungsstark zu entscheidungsschwach: Depressive Menschen haben Schwierigkeiten, Entscheidungen zu treffen. Soll er ins Kino gehen oder Zuhause bleiben, soll er ins Fitnessstudio gehen oder nicht – er hat Probleme sich für eine Sache zu entscheiden. Meistens wird dann die einfachere und bequemere Situation gewählt.

♦ Von alles gut meistern zu überfordert: Früher schaffte es dein Partner seine Arbeit zu machen, den Haushalt zu führen und viele andere Dinge geregelt zu bekommen. Heute ist er plötzlich mit den einfachen Dingen des Alltags wie Wäsche waschen oder Wohnung putzen völlig überfordert und will nicht mehr arbeiten gehen.

♦ Von leidenschaftlich zu lustlos: Dein Partner und du habt bis jetzt regelmäßig Sex gehabt? Doch plötzlich läuft gar nichts mehr zwischen Euch? Ist in eurer Beziehung sonst alles in Ordnung und ist auch keine dritte Person der Grund, dann könnte das ein weiteres Zeichen für eine Depression sein.

♦ Von Verliebtheit zu Gleichgültigkeit: Hat dein Partner früher mit kleinen Aufmerksamkeiten und netten Worten seine Gefühle für dich gezeigt? Und jetzt macht er das nicht mehr? Das muss nicht bedeuten, dass er eine andere hat oder dich nicht mehr liebt. Es kann auch sein, dass er depressiv ist und aus diesem Grund keine Emotionen mehr fühlen und zeigen kann.

Treffen mehr als einer dieser genannten Zustände stark zu, dann ist es sehr wahrscheinlich, dass es sich um eine echte Depression handelt. In diesem Fall ist eine professionelle Unterstützung für deinen Partner hilfreich.

Doch wie überzeugst du ihn davon bzw. unterstützt ihn auf diesem harten Weg?

 

Was kannst du im Alltag für deinen depressiven Partner tun?

 

► Den Alltag strukturieren: Bemühe dich, einen geregelten Tagesrhythmus einzuhalten, an dem sich der Depressive sozusagen orientieren kann. Aufstehen, Duschen und Essen sollten immer zur ungefähr selben Zeit erfolgen.

► Aufheitern und aktivieren: Versuch deinen Partner zu gemeinsamen Aktivitäten zu motivieren. Dabei solltest du jedoch aufpassen, dass du ihn nicht zu sehr unter Druck setzt. Da es schwierig ist, die richtige Balance zwischen Motivation und Überforderung zu finden, ist professionelle Unterstützung in Anspruch zu nehmen!

► Situation klar bereden: Sprich mit deinem Partner darüber, was du beobachtest hast. Weise ihn darauf hin, dass es besser wäre zu überprüfen, ob er depressiv sein könnte.

► Unterstützung anbieten: Mach deinem Partner klar, dass du ihn auf diesem schwierigen Weg zwar unterstützen wirst aber nicht tragen kannst! Begleite ihn zu einem Arzt, oder Therapeuten.

Luise berichtet von ihrem depressiven Freund: „Mein Freund war ein lebensfroher, lustiger und erfolgreicher Mensch. Das ist auch der Grund, warum ich mich in ihn verliebt habe. Doch nach eineinhalb Jahren Beziehung hat er sich plötzlich von einem Tag auf den anderen verändert. Er war antriebslos, schlecht gelaunt, hat sich nur mehr zurückgezogen und nichts mehr geschafft. Anfangs dachte ich, dass ich der Grund sei. Doch dann habe ich mit meiner Mutter darüber gesprochen und sie meinte, dass er vielleicht depressiv sein könnte. Natürlich habe ich ihn versucht darauf anzusprechen, aber er wollte von alldem nichts wissen. Ich bin hartnäckig geblieben und habe es geschafft, ihn zu einem Besuch beim Hausarzt zu bewegen. Der Hausarzt überwies ihn an Therapeuten, der mit ihm gearbeitet hat. Jetzt ist er auf dem besten Weg, die Krankheit zu besiegen.“

 

Was Du vermeiden solltest

 

✘ Falsches Verhalten: So wie du die Therapie deines Partners unterstützen kannst, kannst du sie aber durch falsches Verhalten auch behindern. Deshalb ist es wesentlich, dass du dich beim Therapeuten deines Partners informierst, wie du ihm bei seiner Genesung am besten unterstützen kannst.

✘ Nutzlose Ratschläge vermeiden: Verzichte auf Sprüche wie „Stell dich nicht so an!“, „Reiß dich zusammen!“, „Ist doch alles nicht so schlimm!“, „Lach wieder einmal!“. Solche plumpen Aufmunterungsversuche sind völlig fehl am Platz. Denn bei einer Depression handelt es sich um eine ernstzunehmende Krankheit und nicht nur um eine schlechte Laune, die mit so einem Spruch vertrieben werden könnte.

✘ Aufbauend bleiben: Vermittle deinem Partner nicht den Eindruck, seine Depression hätte etwas mit Schwäche oder Faulheit zu tun. Verdeutliche ihm, dass er eine ernsthafte aber behandelbare Krankheit hat. Wenn eine geplante, gemeinsame Aktivität wieder einmal ausfällt, solltest du deinen Frust nicht am kranken Partner abreagieren. Besser ist es, Verständnis zu zeigen und zum Beispiel zu sagen „Ok, ich verstehe, dass es dir nicht gut geht. Aber es hilft dir, wenn wir etwas unternehmen. Wollen wir nicht doch zusammen rausgehen?“

✘ Selbstmordgedanken nicht unterschätzen: Spricht dein Partner davon, dass er nicht mehr leben will, solltet ihr beide dringend professionelle Unterstützung in Anspruch nehmen. Du musst mit dieser Belastung nicht alleine fertig werden. Selbstmordgedanken sind ernstzunehmende Hilfeschreie und ein Signal für die Verzweiflung und Überforderung deines Partners. Ist er trotz dieser Gedanken nicht bereit einen Arzt oder Therapeuten aufzusuchen, dann zögere nicht, die Sache selbst anzupacken. Mach erst mal einen Termin für dich selber aus und lass dich professionell beraten. Dann kannst du auch deinem Partner besser helfen.

Peter erzählt von den Depressionen seiner Frau: „Nach dem Tod ihrer Mutter hat sich meine Frau sehr verändert. Sie hatte keine Lust mehr irgendetwas zu unternehmen und wollte nur mehr alleine sein. Mit der Zeit fühlte ich mich total hilflos, weil ich ihr nicht helfen konnte. Deshalb habe ich beschlossen eine Intervention mit allen Familienmitgliedern und unseren engsten Freunde abzuhalten. Wir haben ihr alle gesagt, dass wir uns große Sorgen um sie machen. Zunächst wollte sie das alles nicht hören, aber dann ist sie in Tränen ausgebrochen und hat sich geöffnet. Kurze Zeit später sind wir gemeinsam zu einem Therapeuten gegangen, der ihr dabei half, die Trauer zu bewältigen.“

 

Denk vor allem auch an dich selbst

 

Im ersten Schritt kannst du annehmen, dass dein Partner krank ist und die nächste Zeit in eurer Partnerschaft nicht leicht sein wird. Teile deinem Partner mit, wie du die Situation siehst, wie du darüber denkst und was du fühlst. Wissen ist hilfreich: Erkundige dich ausführlich über das Krankheitsbild der Depression. So lernst du zu verstehen, dass Aggressionen und Zurückweisungen Symptome für diese Erkrankung sind und nicht persönlich gemeint sind. Verfügst du über umfassende Informationen, wirst du auch im Umgang mit deinem depressiven Partner sicherer.

Leidet dein Partner an Depressionen, ist es normal, dass dir die Situation nicht egal ist. Gefühle wie Angst , Wut und Frustration werden dich vermutlich begleiten. Diese Emotionen solltest du zulassen und nicht unbearbeitet verdrängen. Gib nicht deinem Partner die Schuld daran, wie du dich fühlst und sei nicht zu streng mit dir selbst, wenn du ihn einmal nicht ideal behandelst. Besprich deine Sorgen im engen Familien- und Freundeskreis, damit du mit alldem nicht alleine bist! Wichtig ist auch, dass du mit deinem Partner nicht mitleidest, sondern mitfühlst. Erkennst den Unterschied? Zielführend in dieser Situation ist, dass du ihn verstehst und mit ihm mitfühlst, ohne dabei selbst in eine Depression zu kippen.

 

Steh dazu wenn es dir zu viel ist – du bist kein Therapeut!

 

Wichtig ist auch zu lernen, dass du deinen Partner nicht therapieren kannst. Dafür bist du zu stark involviert und emotional miteingebunden. Die Hilfe muss unbedingt von außen kommen. Und zieh dich nicht vom Leben zurück, weil dein Partner depressiv ist. Triff dich mit Freunden, übe deine Hobbys aus und genieße schöne Erlebnisse. So kannst du Kraft und Energie tanken, die deinem kranken Partner zugutekommt.

Hol dir unbedingt professionelle Unterstützung bevor dir alles zuviel wird. Denn nur wenn es dir selbst gut geht, kannst du für deinen Partner da sein.

 

Unser Autor

 

Dieser Text ist ein Gastbeitrag von Beziehungs-Coach Dominik Borde . Er hilft Paaren auch dabei, schwierige Beziehungsphasen zu meistern.

 

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